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Hellraiser - Das Tor zur Hölle (1987)

Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 08.12.2002, seitdem 1728 Mal gelesen


Ende der Achtziger gab es kaum mehr etwas im Mainstreamkino zu entdecken. Die Kinocharts wurden von weichgespülten Actionern oder Komödien dominiert. Zu dieser Zeit wartete man vergebens auf neue Innovationen. Wenn man etwas neues, schockierendes sehen wollte, dann wand man sich an trashigen Splatter-Ulk á la "Atomic Hero". Doch mit der Veröffentlichung von "Hellraiser - Das Tor zur Hölle" sollte die kreative Durststrecke im Horrorgenre beendet sein.

Der britische, viel gelobte Romanautor Clive Barker, dessen vom Theater geprägter, literarisch hochwertiger Schreibstil, sogar den Horrorgroßmeister Stephen King zum trivialen Schreiberling degradierte, bereitete sein Regiedebüt vor. Und im Gegensatz zu Kings Debakel "Rhea M.", sollte "Hellraiser" zu einem der ganz wichtigen Filme, nicht nur des Horrorgenres, sondern allgemein der 80er Jahre werden. Denn Barkers unerbittlicher Stil ist wahrlich unüblich für das Jahr 1987. "Hellraiser" war keine trashige B-Produktion, es war keine schnell heruntergekurbelter Videoproduktion; "Hellraiser" war A-Kino mit perfekter Ausstattung, professionellem Cast und pompöser Musik. Und gerade für das sonst eher zurückhaltende, und auf Suspense schielende A-Horror Amerikas, etablierte Barker die alle Grenzen sprengende Gewalt im Film.

War es für die großen Regisseure der Epoche logisch, dass man den Zuschauer eher mit langsamen Spannungsaufbau und mit Hitchcock'scher Inspiration, die Nerven kitzelte, als mit bluttriefenden, chirurgisch korrekten Zerstückelungen in der Close-up-Aufnahme. Doch Barker spuckt auf jegliche geschmackliche Rücksicht gegenüber dem zartbesaiteten Publikum, und zeigt uns seine ganze Schreckensvision in all seinem grauenhaften Ausmaß. Er zeigt uns die Hölle - und behält kein noch so böses Detail unserer Imagination vor. Ein finsterer Raum, in dem kaum ein Licht auszumachen ist, überall klirren Ketten, die aus dem Nichts in dem unnatürlich großem Dachboden aufgehangen wurde. Mit Menschenfleisch und Totenköpfen verzierte, simpel und quadratisch gehaltene Skulpturen. Und mitten in diesem Szenario Wesen, die selbst Hieronymus Bosch nicht fürchterlicher erträumen hätte können: Die Cenobiten. Vier entstellte Wesen, einer schrecklicher als der andere. Besonders ihr Anführer sticht heraus. Über sein weißes, kahles Gesicht spinnt sich ein tief in die Haut getriebenes Netz, das sein Gesicht in viele kleine Quadrate teilt, an deren vier Ecken jeweils ein Nagel steckt. Das Bild wirkt bedrohlich, abgrundtief böse - aber glücklicherweise nie billig oder lächerlich.

Es sind diese Wesen, die Cenobiten, die durch einen oriental wirkenden Würfel gerufen werden. Auch der sexistische Macho Frank erkauft sich den Würfel auf einem Bazar, um in einer Zeremonie Lust jenseits der Grenzen erleben zu können. Nur ist diese "Lust" besonders für die Cenobiten Definitionssache. Wie ihr oben beschriebener Anführer (Doug Bradley) höhnisch sagt: Die Erfahrungen jenseits aller Vorstellungskraft sind nicht zwischen Qual oder Freude unterscheidbar - und so ziehen sich unmittelbar Ketten mit Widerhaken in den Körper Franks - er wird in Kompaktform zerstückelt. Jahre später zieht Franks Bruder Larry (Andrew Robinson) mit seiner Frau Julia (Clare Higgins) in dem verlassenen und vergessenen Haus Franks ein. Durch einen Unfall während des Umzuges, träufelt Larry sein Blut auf den Untergrund des Dachbodens, auf dem einst Frank hingerichtet worden ist - und kurioserweise scheint ihn dieses Blut zu heilen. Der zurückgekehrte Frank - nun mehr ein Wesen, das aus fragmentarischen Skelettüberresten und Fleischteilen besteht - offenbart sich seiner einstigen Geliebten Julia. Sie soll Männer auf dem Dachboden ermorden, um Frank genug Futter, mit dem Ziel der vollständigen Reaktivierung seiner selbst, zur Verfügung zu stellen. Doch den Cenobiten gefällt dies gar nicht - schließlich wäre Frank der erste, der ihren Klauen entkommt.

Die Geschichte hört sich natürlich total von der Kappe an. Doch wer sich auf dieses phantasische Blutgemälde einlässt, der wird mit einem kunstvoll verzierten Fantasyhorror belohnt, dessen konsequent gefilmte Gewalt jeglichen Humors entbehrt, und somit in all seiner gräßlichen, schaurigen Wirkung auf den Zuschauer prallt. "Hellraiser" ist modernstes, auf die Spitze getriebenes Horrorkino, meist schnörkellos, und nie langweilig, gewaltig in seiner Darstellung. Zweifelsohne ein Klassiker seines Genres.


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