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Hellraiser - Das Tor zur Hölle (1987)
Eine Kritik von superfuzz-bigmuff (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 18.03.2010, seitdem 518 Mal gelesen
Hellraiser ist wirklich einer meiner Lieblingsfilme und wahrlich ein Klassiker. Regie führte Clive Barker, der damit seinen eigenen Roman The Hellbound Heart verfilmte. Der Roman ist leider viel zu kurz und lässt sich an einem Nachmittag durchlesen. Nicht zu empfehlen.
Die Verfilmung dagegen bewegt sich stilistisch und erzählerisch auf höchstem Niveau. Dies ist feinster englischer Horror, lässt sich nicht mit US-Hypes wie Halloween, Freitag der 13. oder A Nightmare on Elm Street in eine Reihe stellen. Hier gibt es nichts zu lachen, Hellraiser ist von Sadomasochismus geprägter Bildstoff, der sämtliche Grenzen überschreitet. Wo die eigene Vorstellungskraft aufhört, beginnt Hellraiser. Ich glaube, ein solch atmosphärisch dichter, und in seiner eigenen perversen Ästhetik gehaltener Streifen kann nur aus den 80ies stammen, der wichtigsten Dekade der Horrorfilmkunst. Sogar Stephen King titulierte: Die Zukunft des Horrors.
Alles fängt auf einem Markt irgendwo im Orient an, auf dem Frank Cotton einem Händler einen seltsamen Würfel abkaufen will. Alles dreht sich um diesen Würfel und Frank will ihn unbedingt und so kauft er ihn zu einem enorm hohen Preis ein. Doch später würde er erfahren, dass der Geldpreis eher ein geringeres Opfer im Gegensatz zu dem ist, dass er noch erbringen muss...
Wenn man den Film schon mehrmals gesehen hat, drängt sich hier die Frage auf, woher Frank überhaupt um den Würfel (auch Spieluhr, Klagefigur oder schlicht Box genannt) und seine Fähigkeiten weiß.
Wieder in Good Old England angekommen, verschanzt Frank sich samt Würfel auf den Dachboden, rings um ihn herum Kerzen, außen umhüllt von Dunkelheit. Er sieht sich den schönen, hölzernen Würfel mit seinen goldenen Verzierungen an und spielt damit herum. Frank ahnt anscheinend, dass irgendwas passieren würde. Kurz darauf öffnet sich der Würfel, ordnet sich neu an wie eine Art teuflischer Rubik's Cube und verschließt sich dann wieder. Die Wände in Franks altem Dachbodenzimmer fangen an zu beben, der Putz fällt ab und Nebel durchzieht den ganzen Raum. Aus dem Würfel ertönt sehr leise eine unheimliche Melodie, und nun ist die Zeit für Frank gekommen. Der Mechanismus des Würfels vermag das Tor zu einer anderen Dimension aufzustoßen, in die Frank nun unweigerlich hineingezogen wird. Eine Welt im Jenseits, in der sogenannte Zenobiten Menschen gefangen halten und deren sinnliche Grenzen sprengen. Und so schenken sie auch dem neugierigen Frank eine bittere und schmerzhafte Erfahrung, die er im wirklichen Leben nie kennengelernt hätte... Das hat nichts mehr mit dem wahrscheinlich von Frank erhofften Lustschmerz zu tun, es ist ein maßloses Leid, das er sich nie hätte erträumen können. Wie das alles aussieht möchte ich gar nicht verraten, da der Film zu großen Teilen von seiner recht schonungslosen Visualisierung lebt, die maßgeblich zu einer beklemmenden Stimmung beiträgt. Frank ist ab nun aus der uns bekannten Welt verschwunden und in der Parallelwelt der menschenerforschenden Zenobiten gefangen, deren Anführer der berühmte Pinhead (Doug Bradley) ist.
Einige Jahre später bezieht Franks Bruder Larry mit seiner Frau Julia das Haus von Frank, von dem sie glauben, er wäre tot oder im Knast. Julia ist die ganze Zeit über unruhig, weil alte Erinnerungen einer längst vergangenen Affäre mit Frank in ihr aufsteigen. Frank war nämlich ein Frauenheld, der so auch keinen Halt davor machte, die zukünftige Schwägerin zu begehren. Larry ist im Gegensatz zu Frank eher langweilig, spießig und anscheinend auch kein guter Liebhaber, denn in einer Rückblende genießt Julia es sichtlich, Frank nah zu sein (Das mit dem Messer ist in Sachen Erotik nicht zu übertreffen).
Noch während des Umzugs, beim schleppen der Matratze, reißt Larry sich an einem rostigen Nagel eine große Wunde in die Hand. Er ersucht Julia auf dem Speicher um Hilfe, die in Gedanken immernoch von ihrer Vergangenheit eingeholt wird. Dabei tropft Larrys Blut auf den knarrenden Holzboden des Zimmers, in dem Frank einst von den Zenobiten geholt wurde. Unter den alten Dielen pocht Franks Herz vor sich hin, von Spinnweben umfasst und saugt Larrys Blut auf.
Während der Einweihungsparty mit Larry, Julia, Larrys Tochter Kirsty und einigen Verwandten im Wohnzimmer des Hauses regeneriert sich Frank auf dem Dachboden unterdessen. Das Blut reicht aus, um Frank Gliedmaßen, Rumpf und Schädel zu schenken und ihn aus dem morschen Fußboden ausbrechen zu lassen. Diese Metamorphose ist großartig schleimig und ekelhaft, einfach geil.
Die angetrunkenen Partygäste bekommen vom obigen Treiben nichts mit und erzählen sich weiterhin Witze über Josef Mengele. Doch Julia wird bald müde und zieht sich zurück. Als sie nach oben geht, zieht es sie schon wieder in Franks Zimmer. Ein Schock-Moment, als der hautlose, entkräftete Halbmensch Frank, der grade aus der Hölle entkommen ist und sich zwischen Leben und Tod bewegt, auf Julia zukriecht und sie um Hilfe bittet. Einigermaßen vom Schrecken erholt, willigt Julia ein, ihm zu helfen, da sie ihren einstigen Liebhaber wieder mit Haut und Haaren spüren will. Also braucht Frank mehr Blut, um wieder zum Menschen zu werden...
So zieht die geile Julia also los, um schwanzgesteuerte Loser mit nach Hause zu schleppen und an Frank zu verfüttern. Ich habe wirklich in keinem anderen Film eine solch böse Frau (!) gesehen. Unsympathische Person hoch 10. Selbst Frank ist sympathischer, denn ihm kann man es nicht krumm nehmen, der Hölle entkommen zu wollen und wieder eine Haut zu besitzen.
Töchterchen Kirsty schöpft Verdacht, als sie Julia dabei erwischt, wie sie mit einem anderen Mann ins Haus geht und deckt so das finstere Geheimnis auf. Sie nimmt Frank den Würfel ab und flieht. Unwillkürlich öffnet nun auch die den Würfel...
Kirsty unternimmt zwar nur einen Ausflug ins Jenseits, da sie Pinhead und die anderen Zenobiten davon überzeugen kann, ihnen Frank zurückzubringen, doch dieser Ausflug zeugt von großer Kunst, die Szenen im Krankenhaus (Bilder von Blumen im Fernseher, sich verändernde Fliesen) sind wirklich entfremdend und beunruhigend umgesetzt. Diese Atmosphäre zeigt sich in mehreren Phasen des Films, auch in Kirstys Traumsequenz, in der sie Larry tot auffindet. Es gibt sogar Sachen, die ich einfach nicht verstehe. Der obskure Obdachlose in der Tierhandlung, in der Kirsty arbeitet, frisst Grillen und geht dann wortlos. Später beobachtet er Kirsty und ihren Freund, am Ende scheint diesem Penner größere Bedeutung beigemessen worden zu sein...
Die Allgemeinheit sieht Das Tor zur Hölle als besten Hellraiser-Teil an, wie das ja bei ersten Teilen oft der Fall ist. Ich kann dem allerdings nur zustimmen. Einmalige Atmosphäre, die hier gezeigt wird. Hellraiser ist allerdings auch sehr blutig und enthält viele Splatter-Elemente, obwohl das bei diesem Meisterwerk eigentlich gar nicht nötig wäre.
Zweifelsohne 10/10 Punkte. Da auch diese Perle ungekürzt seit Erscheinung auf dem Index verweilt, war er jahrelang nicht zu bekommen und auch heute ist er Uncut und mit deutschem Ton nur als Bootleg erhältlich. Warum kein Filmverleih es fertig bringt, mal eine anständige VÖ in Deutschland durchzusetzen, ist mir ein Rätsel. In England gibt es ihn sogar schon auf Blu-ray. Ich glaube aber auch, dass Hellraiser grade in "schlechter" DVD-Qualität überzeugt, da der Film hier wirklich angestaubt rüberkommt als sei er grade aus der Mottenkiste ausgegraben worden und ist somit noch gräulicher anzusehen. Ich bin gespannt auf das von Barker selbst geplante Remake, wenn er es tatsächlich, wie angekündigt, durchzieht. Und wehe, Doug Bradley ist dann nicht dabei.
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