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Casablanca (1942)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 26.11.2004, seitdem 637 Mal gelesen


„Casablanca“ ist ein großer Klassiker – aus heutiger Sicht sicherlich nicht fehlerfrei, aber trotzdem kann man den Ruf doch nachvollziehen.
1941: Nazi-Deutschland hat inzwischen Frankreich besetzt und es wird immer schwerer nach Amerika auszuwandern. Der einzige Hafen hierfür ist in Lissabon und durch die Besetzung Frankreichs nicht mehr direkt zu erreichen. Doch viele Flüchtlinge fliehen übers Mittelmeer nach Afrika, ziehen dort nach Westen weiter und wollen schließlich nach Spanien übersetzen, um von dort aus nach Amerika zu kommen. Die Stadt Casablanca ist der Ort, von dem aus die meisten Leute nach Spanien kommen und bildet den titelgebenden Schauplatz für den Film.
In Casablanca hat auch der Amerikaner Rick Blaine (Humphrey Bogart) seine eigene Bar eröffnet. Er hält sich aus allen Angelegenheiten heraus, auch wenn in seiner Bar viele, zumeist gefälschte Ausreisepapiere gegen horrende Summen verkauft werden. Seine Distanziertheit stellt ihn gut mit den französischen Behörden, die in Casablanca die Oberhand haben und nach der Besetzung Frankreichs mit den Nazis kooperieren müssen. Bogart verkörpert als Rick fast den Archetypus des distanzierten Zynikers, dem alles egal zu sein scheint, und der natürlich erst durch einen Schicksalsschlag dazu wurde.

Doch dann wird Rick nahezu wider Willen in eine Angelegenheit hineingezogen: Man versteckt besonders wertvolle Ausreisepapiere, die durch den Mord an deutschen Kurieren erbeutet wurden, bei ihm. Diese sind ausgerechnet für Victor Laszlo (Paul Henreid) und dessen Freundin Ilsa Lund (Ingrid Bergman) bestimmt – und diese ist in gewisser Weise für Ricks Lebenswandel zum Zyniker verantwortlich…
„Casablanca“ ist ein Mix aus verschiedenen Genres, wobei gerade das des Liebesfilms, das „Casablanca“ so berühmt machte, nicht immer so gut funktioniert. Sehr positiv fällt auf, dass der Film nicht zur simplen Schnulze wird, sondern stattdessen Liebe hier oft als etwas schmerzhaftes dargestellt wird. Auf der anderen Seite aber erscheinen viele der Figuren oft so kalt wie Fische, weshalb man keinem seine gelegentlichen, dann leicht schwülstigen Liebesschwüre so recht abnehmen mag. Allerdings erweckt das legendäre Klavierspiel von Sam (Dooley Wilson) immer mal wieder romantische Stimmung.
Die Handlung geht aber oft viel mehr in Richtung Thriller oder Spionagefilm, denn deutsche Soldaten sind bereits über Victors Kommen informiert und wollen seine Ausreise um jeden Preis verhindern. Auch die Frage, wie sich Rick, über dessen Vergangenheit als Idealist immer mehr enthüllt wird, bleibt den ganzen Film über spannend und auch viele andere Figuren (z.B. den schlitzohrigen Polizeipräfekten) kann man nie so recht einschätzen. Vor allem gegen Ende kann der Film einige sehr spannende Wendungen präsentieren. Leider braucht der Film etwas um ihn Fahrt zu kommen und in der Mitte bricht die Spannung ein. Hier stagniert der Film etwas und erst im letzten Drittel, als Rick sich langsam entscheiden muss, kommt wieder Tempo auf.

Zudem ist der Film teilweise reichlich patriotisch und pathetisch, z.B. in der Szene, in der die Gäste den Gesang der deutschen Soldaten mit französischem Liedgut übertönen und selbst die Französin einstimmt, die vorher noch am Arm eines deutschen Offiziers in die Bar spazierte. Dafür kann der Film oft mit einem humorvollen Unterton glänzen: Rick lässt zynische Sprüche ab und auch das offene Sein-Fähnchen-nach-dem-Wind-hängen des Präfekten ist immer wieder amüsant (z.B. als er das Cafe wegen Glücksspiel schließt und dabei noch seinen Gewinn aus selbigem einsackt). Vor allem das Finale kann seine pathetischen Töne glücklicherweise unter Süffisanz verstecken (man beachte den legendären Spruch bezüglich der üblichen Verdächtigen).
Aus heutiger Sicht merkt man „Casablanca“ natürlich an, dass die meisten Schauspieler ihr Star-Image verkörperten und nicht immer allzu tiefgründig spielten. Bogart markiert die unnahbare Machopose und Bergman die leicht naive Frau, die Leuten wehtut ohne es zu wollen. Doch insgesamt ist das Schauspiel für einen Film dieser Ära wirklich gut und die gut aufgelegten Nebendarsteller, vor allem Claude Rains als Polizei-Präfekt Louis Renault, können überzeugen.

So bleibt unterm Strich ein auch noch aus heutiger Sicht unterhaltsamer Klassiker – zwar hat „Casablanca“ so seine Schwächen, aber gut ist er ohne Frage.


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