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Casablanca (1942)

Eine Kritik von Philipp_Marlowe (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 22.01.2006, seitdem 347 Mal gelesen


Der 1942 gedrehte Klassiker gilt als Quintessenz des Hollywoodfilms. Gut gegen Böse. Eine mitreissende Dreiecksgeschichte. Dramatische Wendungen und die wohl bekanntesten Dialoge der Filmgeschichte, wenngleich nicht alle korrekt rezitiert werden. Dazu später mehr.

Zu Beginn des Films werden in Form einer kurzen Dokumentation die politischen Umstände geschildert und die Rolle der marokkanischen Stadt Casablanca beschrieben: Während des Zweiten Weltkriegs hoffen Flüchtlinge aus ganz Europa in Casablanca auf Ausreisevisa, um über Lissabon in die USA emigrieren zu können. Ausgestellt werden diese vom Polizeipräfekt Capt. Renault, jedoch nur gegen das nötige Kleingeld. Formal gesehen untersteht Casablanca noch der französischen Vichy-Regierung, steht aber schon spürbar unter dem unwillkommenen Einfluss des Deutschen Reiches, hier in Person von Maj. Strasser.

In diesem multikulturellen Schmelztigel hat der Amerikaner Rick Blaine - ein politisch scheinbar desinterresierter Einzelgänger, dem es aus unbekannten Gründen verboten ist, in sein Land auszureisen - ein Café, das Café Américain, der gesellschaftliche Treffpunkt. Eines Tages betritt Victor Laszlo, ein intellektueller Führer des Widerstandes, das Café um Kontakt mit der Resistance in Casablanca aufzunehmen. Begleitet wird er von seiner Frau Ilsa. Sie und Rick haben sich in Paris unter falschen Voraussetzungen kennen und lieben gelernt; Ilsa glaubte, ihr Mann, der in einem KZ gefangen war, sei tot. Als Paris von den Nazis besetzt wurde, war Rick gezwungen, zu fliehen, da auch er zuvor Flagge gegen die Nazis bekannt hat. Am Bahnhof las er im Regen stehend ihren Abschiedsbrief, in dem sie ihm ihre Gründe aber nicht offenbarte.
Das barg natürlich großes Konfliktpotenzial für ein Wiedersehen. Rick, menschlich zutiefst verletzt, will von Ilsa nichts mehr wissen. Ausgerechnet jetzt, wo sie seine Hilfe am meisten braucht. Durch glückliche Umstände gelangte Rick zuvor in den Besitz von zwei Blanko-Transitvisa, die Victor Laszlo braucht, um ohne Probleme in die USA auszureisen und den Nazis, denen er schon mehrfach entwischt ist, endgültig zu entkommen.

Bemerkenswert an CASABLANCA sind die sich ständig ändernden zwischenmenschlichen Konstellationen. So stellt der Film Blaine vor die Entscheidung, Casablanca mit Ilsa zu verlassen und Victor Laszlo der Staatsgewalt als möglichen Flüchtling auszuliefern oder Victor und Ilsa entkommen zu lassen und so der guten Sache Vorzug vor den eigenen Sehnsüchten zu geben. Gegenüber Ilsa, die Rick noch immer ehrlich liebt und ihn "kein zweites mal" verlassen wollte, begründet er seine Entscheidung emphatisch mit idealistischen Motiven; Ilsa sei Victors Antrieb weiter im Widerstand zu arbeiten.
Am Flughafen kommt es zum dramatischen Höhepunkt, bei dem der Opportunist Renault eine große Rolle spielt...

Der berühmteste Satz des Films "Ich schau dir in die Augen, Kleines" (im Original: "Here's looking at you") wird oftmals falsch als "Schau mir in die Augen, Kleines" zitiert. Aus "Play it once, Sam" wurde aus unerfindlichen Gründen "Play it again, Sam".
"Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen" und "Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft" sind zwei weitere bekannte Zitate.

Dieser glänzend gespielte und inszenierte Hollywood-Klassiker, der in derselben Zeit gedreht wurde, in der er spielt, schafft den Spagat zugleich spannender Politthriller und ergreifende Romanze zu sein ohne dabei übertrieben sentimental zu wirken oder dem Zuschauer Emotionen zu oktroyieren.


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