Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 02.11.2006, seitdem 357 Mal gelesen
Das Rezept sah eigentlich gut aus: Top-Darsteller, ein recht versierter Regisseur und eine spannende Prämisse, doch trotzdem will „Under Suspicion“ nicht gänzlich funktionieren.
Zwei Männer stehen im Mittelpunkt der Geschichte: Der erfolgreiche Anwalt Henry Hearst (Gene Hackman), hoch angesehen und schwerreich, der von Arbeit besessene Polizeichef Victor Benezet (Morgan Freeman), der Henry schon lange kennt. Nebenfiguren wie Henrys Frau Chantal (Monica Belluci) oder der Cop Felix Owens (Thomas Jane) sind ebenfalls durchaus wichtig, doch zentral ist das den ganzen Film einnehmende Rede- und Psychoduell der beiden älteren Herren, das am Abend einer Wohltätigkeitsveranstaltung stattfindet, auf der Henry sprechen soll.
An sich will er nur kurz vorher seine Aussage wegen des Fundes einer Mädchenleiche machen, doch Victor stellt viele Fragen aufgrund derer sich Henry in Widersprüche verstrickt, was Victor zu weiteren Spekulationen führt...
Derartige Kammerspiele können doch immer wieder packend werden und so versucht „Under Suspicion“ moderat zu starten, das Tempo zu steigern und zum Schluss dann noch mit einer Art Knall zu gehen. Anfangs funktioniert das Konzept noch gut, es sind kleine Dinge in Henrys Aussage, die sowohl Victor als auch den Zuschauer stutzig machen. Felix verschärft die Situation zusätzlich, brodelt angesichts zweier Mädchenmorde und ist mit seinen Anschuldigungen weitaus direkter als Victor.
Das Ganze spitzt sich immer weiter zu, Regisseur Stephen Hopkins lässt den Film zum Großteil im Verhörraum des Polizeireviers spielen und das Ende kommt tatsächlich überraschend und halbwegs einfallsreich daher. Das große Problem von „Under Suspicion“ ist bloß das Dazwischen: Sämtliche Abläufe, fast sogar die Dialoge wiederholen sich. Victor fragt leicht provokativ nach, Felix unterstellt dem Befragten stets etwas, während sich Henry in Widersprüche verläuft und direkt auskeilt, wenn man ihm auf die Pelle rückt. Äußere Faktoren wie die Wohltätigkeitsveranstaltung und Henrys Ansehen werden erwähnt, immer wieder aufgegriffen, aber spielen trotzdem eine bestenfalls marginale Rolle in dem Verhör. Auch der Versuch eines Subtextes, nämlich die Schädigung von Henrys Privatsphäre, um die Wahrheit zu erfahren, ist zwar vorhanden, bleibt aber ebenfalls ein Klassenziel, dass „Under Suspicion“ nicht erreicht.
Immerhin lockert die optische Präsentation den etwas drögen Hauptteil des Films auf: Die Erzählungen werden meist visualisiert und teilweise in mehreren Varianten durchgespielt, je nachdem wie die Aussage bzw. Vermutung gerade aussieht. Dabei geht „Under Suspicion“ auf die Mordtat ebenso wie auf das Privatleben der Hearsts ein und schafft es auch aus beiden Strängen ein Geflecht zu weben, das für die Lösung am Ende wichtig ist.
Gene Hackman und Morgan Freeman versuchen das meiste aus ihren sich wiederholenden Parts herauszuholen und schaffen dies auch mit Geschick, denn durch ihr Spiel können sie den Film tragen, aber nicht alle langweiligen Passagen überbrücken. Monica Belluci ist als Ehefrau kaum gefordert, Thomas Jane hingegen legt sich in einer frühen Rolle mächtig ins Zeug und bleibt positiv im Gedächtnis.
Somit ist „Under Suspicion“ ein ganz netter Thriller, doch das Kammerspiel ist bei weitem nicht so intensiv wie es sein könnte. Bis zur gelungenen Auflösung wiederholt sich „Under Suspicion“ leider arg, worunter die Spannung empfindlich leidet und auch die guten Schauspieler können dieses große Manko nur teilweise ausbügeln.