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Crying Fist (2005)

Eine Kritik von eagle_vision
eingetragen am 16.07.2008, seitdem 325 Mal gelesen


Südkoreaner die sich am Genre des Boxfilms versuchen wollen? Nicht unbedingt gang und gäbe, aber wenn dabei sowas rauskommt dann kann man nur sagen, dass man vielleicht mehr davon sehen möchte. Aus Korea versteht sich. "Crying Fist" stellt mit ziemlicher Sicherheit einen der besten, wenn nicht gar den besten Boxerfilm der letzten Jahre da. Warum? Eigentlich weil es gar nicht mal so sehr primär ums Boxen geht. Vielmehr legt der Film allergrößten Wert auf genaue Charakterstudien zweier gebrochener, am Abgrund stehender Figuren die voneinander nichts wissen. Der eine, ein 40-jähriger ehemaliger Silbermedaillengewinner, ist total am Boden: Scheidung, kein Job, nicht gerade mit Intelligenz gesegnet, fristet er sein Dasein in dem er sich als menschlicher Sandsack den Passanten zur Verfügung stellt um so etwas Geld zu verdienen(Hilarious!!!).
Der andere ist gerade mal halb so alt, steckt aufgrund seiner kriminellen Aktivitäten bald im Knast wo er das Boxen erlernt(welches als Resozialisierungsmaßnahme im Jugendgefängnis gelehrt wird).
Beide befinden sich schon tief im Mist als das Leben noch weitere Schicksalsschläge für die bereithält. Der eine verliert den Respekt seines Sohnes, der andere seinen Vater und gewinnt nur die Enttäuschung seiner Großmutter. An diesem Punkt entscheiden nun beide endgültig: Sie haben sich und anderen Menschen noch etwas zu beweisen. Das sie es noch einmal packen können. Das sie gewinnen können. Das sie doch kein elender Abschaum sind. Das sie trotz allem den Respekt und die Anerkennung ihrer nächsten Mitmenschen verdienen. Wenn am Ende beide aufeinandertreffen kämpft jeder um nicht weniger als seine komplette Daseinsberechtigung.
Das die Spannung dort ihren Zenit erreicht kann nur dadurch bewerkstelligt werden, dass man in den 2 Stunden vorher fast ausschließlich die beiden Hauptcharaktere und ihren Absturz begutachten kann. Dem Zuschauer werden sie als gescheiterte Personen sehr nahe gebracht, in vielen kleinen Episoden, die dann am Ende die Verbissenheit beider im Kampf nur 1000%-ignachvollziehbar erscheinen lässt. Dies ist keine große Sportlerbiographie die vom Erfolg erzählt. Es ist ein Film über den Kampf mit sich selbst.
Getragen wird der Film ausnahmslos von oscarreifen Darstellungen beider Hauptakteure. OLDBOY Choi Min-Shik stellt einmal mehr sein unbestreitbares Talent als Großmime unter Beweis und wirkt wie die Symbiose sowohl aus Robert DeNeiro als auch Al Pacino.
Sein jüngerer Gegenpart steht dem aber in nichts nach und kann ihm definitiv Paroli bieten. Unglaublich die Physis beider. Die Kämpfe im Film werden durchzogen von vielen Plansequenzen, Einstellungen ohne Schnitt also, in denen die Gesichter der Darsteller deutlich zu erkennen sind. Eine große körperliche Leistung wird hier zur Schau gestellt und ringt einem den nötigen Respekt ab.
Der Film ist frei von zu großem Kitsch und sollte, summasummarium, wirklich von jedem angesehen werden, der sich zumindest im Entfernten für die Thematik interessieren kann. Zu Unrecht "nur" direct-to-Video hierzulande, liegt es an euch, dass hieraus kein verschlafenes Meisterwerk wird. Denn hier passiert große Klasse.
9/10


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