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American Werewolf (1981)

Eine Kritik von Mr. Vincent Vega (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 02.11.2006, seitdem 531 Mal gelesen


Bereits die Eingangssequenz lässt keine Fragen offen – das ist ein Horrorfilm, so einer wie er im Buche steht: Zwei Studenten, Vollmond, Nebelschwaden, ein dunkler Wald voller Morast begegnen uns hier, und meist ist das erst der Anfang. Denn für gewöhnlich wird in diesem typisierten Ambiente jetzt entweder ein geistesgestörter Meuchelmörder mit Hockeymaske, ein Kettensägen schwingender Kannibale – oder eben ein blutrünstiger Werwolf, wie ihn einst Lon Chaney verkörperte, sein Unwesen treiben. In diesem Falle kündigt der trügerische Schunkelsong „Blue Moon“ letzteres an, und Regisseur John Landis („The Kentucky Fried Movie“) ist mit großer Freude dabei, die Klischees des Genres vorzuführen, um sie entsprechend augenzwinkernd auch zu bedienen und mit Verweisen auf „The Wolf Man“ und „The Werewolf in London“ anzureichern – es ist also doch nicht alles so, wie es scheint.

Mit diesem erneut unernsten Genrebeitrag knüpft Landis an seinen rund 10 Jahre zuvor inszenierten „Schlock“ an, der ebenfalls gelungen archetypische Muster und Monster zu parodieren verstand. „American Werewolf in London“ funktioniert ähnlich wie dieser kaum als Horrorfilm, ist als solcher auch nicht konstruiert, sondern vielmehr als bissige Gesellschaftssatire, die nur unfreiwillig zu einer Reanimation des Subgenres führte. Das ist vor allem darin erkennbar, wie inkonsequent der Film seine Werwolfsgeschichte aufzieht. Auch wenn er es vortäuscht – an der romantisch-tragischen Passion des Helden ist Landis ebenso wenig interessiert wie an der Herausarbeitung von Ambivalenzen, die den Mythos des Monsters ohnehin kaum kennzeichnen: Der Werwolf verendet entgegen den Regeln, die einzuhalten der Film ebenfalls nur flunkert, nicht durch Silberkugeln, sondern irgendwo im kühlen Stadtmilieu, umgeben von Blinklichtern, Neonreklamen und gaffenden Engländern, also im übertonten Kontrast zur eingangs entworfenen Bestätigung der Erwartungshaltung.

„American Werewolf“ beschäftigt sich tatsächlich mehr mit der feinen Betrachtung und überspitzten Darstellung der Londoner Gepflogenheiten, als mit seinen Gruselzutaten. Im ebenso spektakulär wie übertreiben inszenierten Finale, das nicht zufällig Erinnerungen an „Blues Brothers“ hervorruft, kristallisiert sich Landis’ Absicht, zahlreiche Seitenhiebe auf sein britisches Umfeld loszulassen, besonders heraus. Denn inmitten eines schäbigen Pornokinos erregt das blutige Treiben Davids offenbar ähnlich wenig Interesse wie bei der gierigen Jagd rund um den Piccadilly Circus – was ist schon ein Werwolf mehr oder weniger im Groß der Penner, Punks und Skinheads, die sich im nächtlichen Underground Londons tummeln. Doch wenn der junge Mann eines Morgens im städtischen Zoo mit Adamskostüm erwacht, dann ist das Entsetzen kaum mehr zu halten: So etwas gehört sich nicht!

Der wahre Horror mit all seinen Klischees offenbart sich somit erst in Landis’ Gesellschaftsbild: Spießige Mittelstandsbürger treffen auf verwahrloste Gestalten im Vereinten Königreich, ergeben einen überdeutlichen Gegensatz zwischen Upper- und Lower Class im verregneten London, den selbst ein ruheloser Werwolf nicht zu durchbrechen im Stande ist. Dieser Pessimismus des Films ist eigentlich ernster Natur, bleibt aber wie in vielen anderen Arbeiten des Regisseurs nur ironisches Mittel zum Zweck, um sich genüsslich zu amüsieren. Folgerichtig tritt „American Werewolf in London“ auch mit einem hemmungslos ausufernden Einsatz von Blut und detailliert ausgearbeiteten Mordsequenzen zu Tage. Die gelungenen und effektiv positionierten Spezialeffekte Rick Bakers waren im Übrigen auch der Grund, warum die Academy 1981 schließlich die Verleihkategorie Bestes Make-Up einführte und dem durch seine Arbeit am Remake von „King Kong“ (1976) bekannt gewordenen Künstler den verdienten Oscar zusprach.


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