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Im Visier des Falken (1970)

Eine Kritik von Lesotho (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 28.02.2009, seitdem 317 Mal gelesen


Zwei Männer, einer älter (Robert Shaw), einer jünger (Malcolm McDowell), sind auf der Flucht in einem nicht genannten lateinamerikanischen Land. Immer wieder verfolgt sie ein schwarzer Hubschrauber, wobei der Pilot sie offensichtlich nicht töten will, obgleich er die Chance dazu hättet. Es erscheint wie ein Spiel, bei dem die Fliehenden nur verlieren können, bevor sie nicht die rettende Grenze erreichen.

Vor Ewigkeiten sah ich diesen Film im niederländischen Fernsehen, das wir damals im Rheinland empfangen konnten und war irritiert, aber auch sehr angetan. Nun hatte ich erneut die Gelegenheit und war begeistert. Ähnlich wie „Duell“ von Steven Spielberg oder Richard C.Sarafians „Fluchtpunkt San Franzisko“ ist dieser Film pure Energie, Bewegung und Kybernetik. Doch darüber hinaus gelingt es „Im Visier des Falken“ und dem Regisseur Joseph Losey, ein Gefühl der Ohnmacht im Angesicht totalitärer Zustände und Bedrohungen zu erzeugen. Man erfährt, wie gesagt, nie exakt, in welchem Land der Film spielt und doch übt er eine auch noch heute aktuelle Kritik an diktatorischen und militärischen Zuständen auf. Es kann sein, dass der Film in Chile oder Argentinien spielt, denn an einer Stelle tauchen Grenzbefestigungen in den Farben hellblau und weiß auf, den argentinischen Nationalfarben.
Obgleich der Zuschauer nie wirklich erfährt, warum beide überhaupt im Gefängnis waren oder wirklich ihre Vorgeschichte (bis auf einige Hinweise, so ist McDowell Lehrer gewesen), sind sie Identifikationsfiguren in einem existenzialistischen Szenario. Der schwarze Hubschrauber taucht immer wieder auf und wird am Ende geradezu ein institutionalisiertes Racheinstrument.
Interessant ist auch, dass Robert Shaw das Drehbuch geschrieben hat und in der grandiosen Landschaft der spanischen Sierra Nevada gedreht wurde, die Losey perfekt einfängt und die organischer Teil der Handlung ist. Die Schauspieler sind erstklassig und das Gefühl der Isolation wird dadurch noch forciert, dass alle anderen Schauspieler nicht sprechen oder nur unverständliche Befehle bellen.
Wenn man sich auf die Prämisse des Films einlässt, so wird man mit einem, trotz einiger kleinerer Länge, faszinierenden Film konfrontiert, der noch lange in einem nachhallt.
Deprimierend ist aber, dass er, soweit ich weiß, nur in den Niederlanden auf DVD erschienen ist, diese aber vergriffen ist. Eine Veröffentlichung hier oder in USA oder England wäre Pflicht. Sehenswert!


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