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Ghettogangz - Die Hölle vor Paris (2004)

Eine Kritik von holgocop (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 07.10.2006, seitdem 391 Mal gelesen


Im Jahre 2005 kamen die beiden Jugendlichen Ziad Benna und Bouna Traoré bei einem Fluchtversuch vor der Pariser Polizei ums Leben. In Folgemonaten Oktober und November des selben Jahres begannen die größten Massenunruhen der letzten Jahrzehnte in Frankreich, in deren Verlauf 9267 Autos verbrannt und 2823 Festnahmen vollzogen wurden. Mit ein Grund für die gewalttätigen Ausschreitungen, war die zunehmende Ghettoisierung der armen, zum großen Teil immigrierten Bevölkerungsschichten Paris´.

Ein Jahr zuvor entwarfen Luc Besson (Das 5. Element, Leon der Profi, La femme Nikita) und Bibi Naceri eine Utopie der nahen Zukunft in der diese Ghettoisierung bereits vollständig abgeschlossen ist. Schulen und Ordnungskräfte haben sich völlig zurückgezogen. Um die Elendsviertel wurde eine große Mauer gezogen. Resignation statt Hilfe! Eine wirklich progressive Idee für einen Actionfilm. Warum also nur magere 6 Punkte ?

"Sich Federn in den Arsch zu stecken, macht einen noch lange nicht zum Huhn."

Zwar hat es die Grundidee wirklich in sich, jedoch wird auch nur der kleinste Anflug an Sozialkritik im Keim erstickt durch die vordergründig unkritische und völlig sinnfreie Geschichte.

Könnte man ja drüber wegsehen, sagt ihr ? Würde ich auch, hätte Luc Besson nicht in der Vergangenheit derart großartiges geleistet. Trotz Taxi und weiterer Gurken, habe ich immer auf einen zweiten Leon der Profi gewartet und wurde regelmäßig enttäuscht.

Die wirklich tollen Actionszenen mit dieser neuen hippen "ich hupf über jede Mauer und hab die Stadt als Sportplatz entdeckt" Mentalität wissen zu gefallen und überzeugen, sind aber viel zu selten. Überwiegend werden Pseudo Martial Arts Szenen und obercoole Sprüche vorgeführt. Und wer hat eigentlich durchgesetzt dass mittlerweile jeder Actionfilm einen Hauptdarsteller braucht der Vin Diesel zum Verwechseln ähnlich sieht ? Bei Bruce Willis ist die Fleischmütze ja ganz okay, aber muss jetzt jeder eine haben ??? Die eigentliche Geschichte des Ganzen ist ein Witz und wie immer nur Vorwand.

Aber, Herr Besson, gerade Sie haben uns doch gezeigt dass es auch anders geht!

Musik, Kamera und Schnitt sind hingegen - wie von einem französischen Film nicht anders zu erwarten - erste Sahne. Wer also einen Film möchte der alle Sinne anspricht, bei dem aber jegliches Denken ausfällt, wird hier bestens bedient. Wem zusätzlich noch ein paar Ungereimtheiten nichts ausmachen (Wenn nur bei jedem der Entzug so schnell ginge wie bei der Schwester des Protagonisten - die übrigens wie die süße und unverbrauchte Version von Asia Argento aussieht), kann eigentlich nichts verkehrt machen. Alle anderen hoffen mit mir auf eine Rückbesinnung alter Tugenden seitens Luc Besson.


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