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Ghettogangz - Die Hölle vor Paris (2004)

Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 30.06.2009, seitdem 642 Mal gelesen


Man benötigt keine Zusatzinformationen, um innerhalb weniger Minuten zu begreifen, daß Luc Besson bei „Ghettogangz“ seine Finger im Spiel hatte, das riecht hier alles so dermaßen nach ihm, das es schon quietscht, von den waffenstarrenden aber nicht sonderlich intelligenten Gangstern über die hohe Opferrate bis zum kindlich gebauten Girl mit Schnauze.

Aber das macht in diesem Fall nichts, denn abgesehen von der Spielerei mit einer naheliegenden, aber reizvollen dystopischen Idee (Absperrung eines kriminell außer Kontrolle geratenen Stadtteils nach Vorlage von „Escape from New York), bietet der Film lockere Unterhaltung auf der Basis der ausufernden Präsentation des Trendsports „Parkour“, das die Könner befähigt, sich fast schwerelos über alle Hindernisse kraft ihres Körpers hinwegzubewegen und sogar Fassaden zu erklimmen oder praktisch an der Decke und den Wänden entlang zu gehen.

Der Plot dahinter ist nur Mittel zum Zweck, eine Nuklearwaffe wird entführt und landet ausgerechnet im gesetzlosen Niemandsland, die ein Polizist und ein Ex-Bulle zurück beschaffen sollen, bevor die Gangster (passenderweise die Todfeinde des Ex-Bullen) damit Blödsinn anstellen. Bei der Chose gibt’s natürlich noch einen politisch-gesellschaftskritischen Trick, aber auf den kommt sogar der bierbetäubte Actionfan recht schnell, was aber nicht wirklich etwas ausmacht.

Für 84 Minuten reißt Pierre Morel (der danach „96 Hours“ realisierte) den Zuschauer schlicht und ergreifend mit, ständig ist was los, immer ist Action und auf Humanität oder Menschenrechte wird eh geschissen, stattdessen Action, Akrobatik, Ballereien und jede Menge blöde Sprüche – „Banlieue 13“ wäre ein idealer Film für Rainer Brandt und Konsorten gewesen, aber es genügt auch so.

Die Anleihen bei Carpenter fügen sich übrigens recht beachtlich ins Gesamtbild ein, das erste Drittel geht für den Aufbau und die Figuren drauf, für Vorgeschichte und Schicksalsetablierung, dann darf man bis zur Halbzeit den zweiten Hauptdarsteller im Einsatz genießen, ehe man die tickende für die zweite Hälfte runterzählt und die große Abrechnung beginnt.
In Erinnerung bleiben dabei meistens nur die Parkourläufe, die man jedoch nicht so schnell vergißt; die haben Drive, die sind schnell, irrwitzig und machen einfach Spaß und mehr als das hat hier auch niemand gewollt, nur einen kleinen, gemeinen und kaltschnäuzigen Film mit großer Klappe drehen und das haben Morel und Besson wieder geschafft – und das ohne den Drive von zähen Lovestories oder geballter Tragik zerdehnen zu lassen.
Die Fortsetzung kann kommen! (7,5/10)


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