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Brokeback Mountain (2005)

Eine Kritik von Leto (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 18.03.2006, seitdem 430 Mal gelesen


Ang Lees Filme vereinen seit jeher eine kongeniale Art der unspektakulären Darstellung der zwischenmenschlichen Beziehungen mit grandiosen Kamerabildern als "Unterstrich" der Intensität dieser Situationen. In seinem bisher grössten Erfolg jenseits seiner taiwanesischen Heimat und nach seinem unentschiedenen "Hulk" übernahm er nun das Projekt "Brokeback Mountain" als Regisseur von Kollege Gus Van Sant, der bereits seit Erscheinen der Kurzgeschichte von E. Annie Proulx den Plan einer Verfilmung dieser ungewöhnlichen Liebesgeschichte hegte.
Herausgekommen ist dabei einer der schönsten, intensivsten, weil unspektakulärsten Liebesfilme des neuen US-Kinos.

Der Rodeoreiter Jack Twist und der wortkarge Rancharbeiter Ennis Del Mar werden zusammen angeheurt, den Sommer über eine Herde Schafe für den unsympathischen Joe Aguirre in den Bergen der Rocky Mountains zu begleiten und dafür zu sorgen, dass der Verlust der Tiere durch Kojoten sich in Grenzen hält.
Durch die erzwungene Einsamkeit und Eintönigkeit ihrer Arbeit lernen sich die beiden jungen Männer näher kennen und aus dem anfänglichen Band der Freundschaft wird schnell mehr - sie verlieben sich ineinander und verbringen die schönste Zeit ihres Lebens gemeinsam auf dem Brokeback Mountain.
Doch als der Herbst naht und sie in die Ebene zurückkehren, trennen sich ihre Wege wieder - Ennis heiratet seine Verlobte Alma und bekommt zwei Töchter mit ihr, schlägt sich mit schlechtbezahlten Hilfsjobs auf Viehtrieben und Ranchen durch während Jack zunächst versucht, nach Ennis ein selbständiges Leben zu führen. Er trifft die junge Tochter eines Landmaschinenvertreibers, heiratet sie schließlich und steigt in die Firma seines Schwiegervaters mit ein.
Erst nach vier Jahren treffen sich die beiden wieder und ihre Liebe ist stärker denn je. Über Jahre hinweg verbringen sie immer wieder Wochen der Zweisamkeit in den Bergen, doch als Ennis' vernachlässigte Frau Alma die Scheidung einreicht und Jack mit den gelegentlichen Treffen nicht zufrieden ist und mehr will, steht Ennis vor einer schwierigen Entscheidung, denn anders als Jack ist er nicht bereit für die Liebe sein bisheriges Leben aufzugeben...

In ruhigen, ja beinahe stoischen Bildern wird die langsame Annäherung der beiden Männer und auch ihre Liebe zueinander dargestellt. Dabei verkneift sich Lee glücklicherweise plakative Liebes- oder gar Sexszenen, die als reine Zugeständnisse an die Sehgewohnheiten der Zuschauer gelten müssten, denn Liebe ist hier etwas Universales und genau so wird sie gezeigt.
Über seine gesamte Lauflänge bleibt "Brokeback Mountain" ein sperriger und ruhiger Film - keine plötzlichen Ortswechsel, keine kurzen Porträtaufnahmen. Intensität ist das Mittel des Erzählens, so bleibt die Kamera schmerzhaft lange und nah auf die Gesichter der Protagonisten gerichtet, die ihre Gefühle so größtenteils in Gesichtsausdrücken rüberbringen müssen und diese Aufgabe durchweg gekonnt meistern.
Sowohl Heath Ledger als auch Anne Hathaway verbreiten dabei eine geheimnisvolle Kühle - sie werden nicht zu Sympathieträgern par excellence gemacht sondern bilden eher den Gegenpart zu den genialen Darbietungen von Michelle Williams und Jake Gyllenhaal. Die Enttäuschung, Wut, Verzweiflung und Freude huschen wie Schatten über Jacks Gesicht und der Zuschauer leidet still mit, wenn er eine 1200-Meilen-Route zu Ennis zurückfährt, voller Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft und dann das erste Mal abgewiesen wird, weil sein Freund immer wieder den engen Konventionen seines Lebens nachgibt.
Der Augenblick der Wahrheit wird auch für Alma eine Tragödie, die sie niemals aus sich rauskommen lässt - Michelle Williams schafft es so mit nur wenigen Gesten, Mitleid, Wut und Trauer für ihre Figur zu wecken - die Oscarnominierungen für alle drei Hauptdarsteller waren für mich selten so gerechtfertigt wie in "Brokeback Mountain".

Erfreulicherweise hält sich das Oscarprämierte Drehbuch von Diana Osana und Larry McMurty beinahe minutiös an die literarische Vorlage und schafft es, die Kurzgeschichte zu einer eindrucksvollen Filmhandlung auszubauen. Die weitgewinkelten Landschaftsaufnahmen, die so geschickt das Innenleben der Figuren unterstreichen werden sicher nicht zur Hauptsache auf der Leinwand, sind aber dermassen passend zu der jeweiligen Situation ausgewählt, dass sie immer wieder beweisen, dass die Handlung in einer Großstadt mehr als einmal ihre Wirkung komplett verfehlt hätte.

Was bleibt ist ein sensibler, dramatischer Film über die Dramatik der reinen Liebe ohne den üblichen Beziehungsscharmon, mit dem andere Fime dieser Art zu kämpfen haben. Dadurch wirkt "Brokeback Mountain" intensiv, traurig und kommt ohne den Hauch eines Klischees aus und das soll erst einmal jemand Ang Lee nachmachen!


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