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History of Violence, A (2005)

Eine Kritik von Cinegate (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 17.03.2006, seitdem 929 Mal gelesen


Cronenberg ist ein elender Spielverderber. Da wartet man mit Hummeln im Hintern auf Alexander Ajas neustem Thrill-Exzess "The Hills have eyes", und dann fährt einem der Kanadier voll in die Parade!
Aber der alte Knabe hat's immer noch drauf. Hinsichtlich des reduzierten Plots spricht der Regisseur durchaus berechtigt von einem seiner "kommerziellsten Filme". In dieser "Ein Mann sieht Rot"-Variante bricht die Gewalt über eine Cosby-Familie herein, in der die Albträume der Kleinsten noch im Kollektiv im Kinderbett ausgestanden werden. Nachdem das Familienoberhaupt Tom Stall heldenhaft einen Überfall vereitelt und dabei Tote hinterlässt, ist die Daumenschraube angesetzt und Cronenberg demontiert mit quälender Präzision das überschattete Familienleben.
Der Mann meint es ernst und Tom Stalls Gewaltätigkeit schmerzt nicht nur seine Kontrahenten. Dargestellte Gewalt ist zwar explizit dokumentiert, aber sie wird zu keiner Zeit ausgeschlachtet oder gar zelebriert. Es geht hier nicht um einen wohligen und kalkulierten Thrill - das Blutvergiessen in diesem Film unterhält nicht, es zermürbt und erschreckt zutiefst, auch weil es Cronenberg vorrangig bei Andeutungen belässt.
Auch wenn sich die Story der größtmöglichen Eingängigkeit verschrieben hat, nutzt Cronenberg diese auf höchst effiziente Weise als Podium für seinen Kommentar zu dem Naturell, dass natürlich jeden betrifft und das er bereits in früheren Filmen ausführlich behandelt hat - aber selten so intensiv und frei von Ballast wie in "A History of Violence". Erneut gellingt ihm der Spagat zwischen rüdem Entertainment und Gesellschafts- bzw. Sozial-Kritik. Eine exzellente Besetzung und hervorragende Kamera-Arbeit versieht den Film mit den nötigen Nuancen und definiert das Schicksal der Talls mit einer bitteren Authentizität. Nüchtern wird der moralische Verfall der Portagonisten beschrieben, bei dem Viggo Mortensen und Maria Bello eine großartige Darstellung abliefern. Insbesondere Maria Bello ("The Cooler") kann mit einem absolut großartigem Schauspiel brillieren - soll sich das Johnny Cash-Beiwerk doch irgendwelchen Goldplunder in die Vitrine stellen, Maria Bello befindet sich damit in bester Gesellschaft der unterschätzten Schönheiten wie Monica Bellucci...who cares?
Dass auch Cronenberg übergangen wurde, überrascht ebenso wenig. Vielleicht war seine Sicht auf die amerikanische Familie nicht kompatibel genug gestaltet. So düster und roh "A History of Violence" auch erscheint, der Faszination von Gewalt kann man sich nicht entziehen ...weder eine zutiefst abgestossene Hausfrau, deren Ehemann mit äusserster Brutalität gegen jede Bedrohung seiner Familie vorgeht, und schon gar nicht der Genre-Freund, der dem nächsten "Kick" entgegenfiebert. Bis nächsten Donnerstag!


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