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Sonatine (1993)

Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 01.03.2003, seitdem 1447 Mal gelesen


Was machen Yakuza, wenn sie Urlaub haben? Sie spielen Russisches Roulette, bauen sich am Strand Fallen und bekriegen sich aus Spaß mit Silvesterfeuerwerk. So zumindest in den wenigen freien Tagen in Takeshi Kitanos Gangsterdrama "Sonatine". Dies sind die zentralen Szenen aus Kitanos viertem Film von 1993.

Die Geschichte ist relativ einfach: Es ist das Porträt des erfahrenen Gangsters Aniki Murakawa (Kitano selbst), der des Yakuza-Lebens überdrüssig ist, und gerne "in Rente" gehen würde. Doch Murakawa bekommt noch einen Auftrag überschrieben. Er wird mit einer Gruppe seiner Killer und ein paar unerprobter Yakuza-Greenhorns nach Okinawa abkommandiert, wo er einen Gang-Streit schlichten soll. Die ganze Sache soll möglichst unblutig über den Tisch gehen. In Okinawa jedoch schliddert die Gruppe sofort in einen Hinterhalt und stellt in einer öffentlichen Bar ein blutiges Massaker an. Fortan verstecken sich die Gangster an einem verschlafen-abgelegenen Strandhaus.

"Sonatine" ist kein gewöhnlicher Gangsterfilm. Sondern eher ein obskurer Genremix, der schwer einzuordnen ist. Viele Szenen scheinen parodistisch angelegt zu sein, entlarvend für das eigene Genre. Zum Beispiel die Sequenz, in der die Killertruppe nach Okinawa reisen - engepfercht in einem Reisebus und mit Hawaiihemden angezogen, sehen die eher aus wie eine wild zusammengewürfelte Truppe Extremtouristen - aber sicher eins nicht: gefährlich. Oder die ausgelassen kindischen Momente am Strand, in denen die albernsten Spielchen zelebriert werden. Da wird getanzt, und mit Muscheln geschnappt, und ein Sumoring-Kampf nachgestellt. Ein Kerl, der eine junge Frau in der Nacht am Strand vergewaltigen will, wird erschossen - das Mädchen gehört vortan zum von den Killern faszinierten Inventar.

Doch gerade das Ende zeigt uns dann doch auf ernüchternde Weise, dass der kurze Ausflug in die Ausgelassenheit und Unbekümmertheit nur von kurzer Dauer sein konnte. Die kindliche Unschuld in der die harten Gangster schwelgen, wird nur allzu schnell zerstört. Und wie man an dem pessimistischen Ende merkt, war es nie in der Absicht des Hauptcharakters Murakawa lag, sich der Ausflucht vollends hinzugeben. Es gibt nun mal kein gutes Ende für einen Gangster. Da muss sich nicht nur Murakawa, sondern auch der sonst so hinterhältig-überraschende Film dran halten.

Ansonsten ist "Sonatine" natürlich beste Kitano-Unterhaltung. Schöne Musik von Joe Hisaishi und eine exzellente Bebilderung. Harsche Gewalt, aber auch paradiesisch schöne Aufnahmen von dem idyllischen Strand. Viele der hübschen Shots gegen Mitte des Films könnten glatt in eingerahmten Zustand Gemälde werden. Und doch unterbricht Kitanos extrem blutige Filmgewalt immer wieder sein schickes Äußeres. Beim Stroboskop-Showdown verzichtet Kitano dann auf den erwarteten Actionshootout, sondern lässt uns lieber die leisen Töne seines Endes genießen.

"Sonatine" ist ein hervorragender, eleganter, grotesker Film, der nicht unbedingt als das verstanden werden sollte, wie er überall außerhalb Asiens beworben wurde; nämlich als "Reservoir Dogs"-Inspirator und "GoodFellas"-Ripoff. "Sonatine" besitzt sicherlich die Gewalt von "Reservoir Dogs", ist aber ansonsten deutlich nachdenklicher und persönlicher.


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