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Insel, Die (2005)

Eine Kritik von movieguide (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 06.08.2005, seitdem 295 Mal gelesen


Ein neues Zeitalter in der Filmgeschichte ist angebrochen: Michael Bay, der Mann wenn es um fulminante Action mit Hang zum Patriotismus geht, versucht sich an einem komplexen Zukunftsthriller. Seine Gegner werden ihm eine schmerzhafte Bruchlandung wünschen, am Box-Office war dem schließlich auch so. Das ändert aber nichts daran das „Die Insel“ der ambitionierteste Science-Fiction Beitrag dieses Jahres ist.


Im 21. Jahrhundert ist die Erde flächendeckend verseucht, ein Leben außerhalb ist nicht möglich. In großen unterirdischen Habitaten leben und arbeiten Menschen, ihr großer Traum ist es in der „Lotterie“ zu gewinnen um auf „Die Insel“ zu kommen. Diese Insel ist das letzte unberührte und nicht kontaminierte Stückchen Erde, das Paradies sozusagen. Lincoln Six Eco (Ewan McGregor) wird seit einiger Zeit von Alpträumen geplagt in denen die Insel eine zentrale Rolle spielt. Er beginnt zu zweifeln, da scheinbar niemand seine Fragen beantworten will. Um mehr zu erfahren, erforscht er den Komplex und gelangt auf eine für ihn verbotene Ebene. Dort sieht er mit eigenen Augen was mit jenen passiert die auf die Insel dürfen, sie werden ausgeschlachtet und dann getötet. Da Lincolns Freundin Jordan Two Delta (Scarlett Johansson) noch am selben Tag ebenfalls auf die Insel soll, läuft die Zeit davon. Den Sicherheitskräften gerade noch entkommen, beginnt an der Oberfläche ein gnadenloser Wettlauf ums Überleben. Die Firma will um keinen Preis das ihre geheime Anlage der Öffentlichkeit bekannt wird...

„Die Insel“ wagt sich in bester Tradition vieler Genre-Klassiker an eine Thematik von höchster Aktualität. Die Debatte um Stammzellenforschung oder das Klonen von Tieren liegt noch nicht sehr weit zurück und wird durch seine ethischen und moralischen Fragen auch in Zukunft noch aktuell sein. Grund genug sich dieses Stoffes anzunehmen und in einem Film zu verarbeiten.
„Die Insel“ beginnt sehr ruhig und räumt reichlich Platz ein um die Charaktere vorzustellen und das Leben in den abgeriegelten Anlagen zu zeigen. So herrschen innerhalb des Komplexes strenge Regeln, es ist vorgeschrieben was man essen darf, welche Kleidung man trägt und intime Kontakte sind untersagt. Das erinnert sehr an ein Hochsicherheitsgefängnis, da die Menschen innerhalb aber nichts anderes kennen hinterfragen sie auch nicht. Wir erfahren das es für die Personen innerhalb des Komplexes nur ein großes Ziel gibt, eines Tages in der Lotterie zu gewinnen um auf die Insel zu kommen. Die Insel ist in Wirklichkeit aber ein moderner Täuschungsapparat, der die Klone gefügig machen soll damit sie ihre Existenz nicht hinterfragen oder sogar aufsässig werden. Außerhalb der freundlichen Umgebung in der die Klone leben, ist die Anlage nichts anderes als eine hypermoderne Schlachtfabrik, die in ihrer Art den Menschenzüchtungskomplexen aus Matrix in nichts nachsteht: Die Klone sind Produkte die von wohlhabenden Leuten in Auftrag gegeben werden für den Fall das eine gefährliche Krankheit oder ein Unfall das Leben bedroht, eine Art gesellschaftliches Statussymbol für Superreiche. Für zeugungsunfähige Paare können Kinderwünsche erfüllt, Organe für Kranke jederzeit bereitgestellt werden.

Eine grausige Zukunftsvision, welche überspitzt aber durchaus nachvollziehbar dargestellt wird. Besonders die erste Hälfte des Films verwendet sehr viel Zeit darauf uns an der Seite von Ewan und Scarlett von der Illusion in die reale Welt zu führen. Die Darstellung dieser Zukunft ist schockierend und regt durchaus zum nachdenken an. Noch viel wichtiger ist aber das man die Debatte über Pro/Contra klonen mal aus einer anderen Perspektive zu sehen bekommt.

Ab dem Moment als Ewan und Scarlett an die Oberfläche gelangen legt das Tempo dann gehörig zu. Vom kritischen Thriller wandelt sich „Die „Insel“ nun zum packenden Actionstreifen. Ab hier setzt Michael Bay auf all seine Stärken wie wir sie aus seinen besten Filmen kennen: Hochglanz-Action mit bestechender Optik. Den beiden geflohenen Produkten ist ein Team von Auftragskillern auf den Fersen, was den Besuch in Los Angeles zum gefährlichen Abenteuer macht. Mit Eye Candy wird von nun an nicht mehr gespart: Schon allein die vielschichtige Skyline ist beeindruckend, viele futuristisch durchgestylten Autos oder Jet-Bikes runden den Blick in die Welt von Morgen ab. Die Actionszenen sind ebenfalls bombastisch: von Autoverfolgungsjagden mit Slow-Motion Einlagen und reichlich Blechschäden bis zur Helikopter-Hochhauskarambolage a la Matrix ist alles dabei. Bay verliert aber nie den Faden in zusammenhangslosen Actionszenen, die Story wird plausibel weitergesponnen. So darf Lincoln Six Eco seinen Spender treffen und muß herausfinden das er sich einen Dreck um seinen Klon scherrt. Im Showdown gibt’s dann zwar keine Überraschungen mehr, aber das war ohnehin nicht zu erwarten.

Zum Schluß noch ein paar kleinere Kritikpunkte: Ewan McGregor und Scarlett Johannsson spielen gut, können sich aber nicht wirklich als Charakterdarsteller abheben. Die Story und Action stielt den beiden eh etwas die Schau, besonders Johannsson darf oft nicht mehr als hübsch lächeln. Zum zweiten ist die Länge der Einführung vielleicht etwas zu hoch ausgefallen, es dauert schon eine ganze Weile bis das Tempo ansteigt.


Michael Bay gelingt auf eindrucksvolle Art und Weise der Spagat zwischen ernstgemeinter Sci-Fi Geschichte und actiongeladenen Popcornkino. Wer bisher glaubte der Mann könne nur sinnfreie Unterhaltung produzieren irrt, „Die Insel“ beweist das Gegenteil und gehört neben „The Rock“ zu seinem bisher besten Werk. Wer ernstgemeinte Sci-Fi in der Art von „Logan´s Run“ oder „Soylent Green“ mag, kommt an „Die Insel“ nicht vorbei.


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