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Insel, Die (2005)

Eine Kritik von Mike Lowrey (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 08.08.2005, seitdem 502 Mal gelesen


Actionspezialist Michael Bay liefert seine erste Regiearbeit ohne Rückendeckung von Stammproduzent Jerry Bruckheimer ab. Ob es jetzt auch noch so kracht und explodiert?

„Du hast gewonnen!“
Im Jahr 2019 hat sich die Welt rigoros geändert. Der Traum vom ewigen Leben besteht schon lange, nun scheint der Zeitpunkt gekommen, an dem diese Illusion möglich gemacht werden kann. Das Mericks Institute bietet reichen Oberschichtlern die Möglichkeit, einen Klon ihrer selbst zu züchten und quasi als Lebensversicherung gut behütet unterzubringen, bis sie wegen Krankheit oder anderen körperlichen Gebrechen neue Organe benötigen. Dann werden die Klone „geerntet“, die entsprechenden körperlichen Ersatzteile ausgeweidet und dem reichen Auftraggeber eingepflanzt. Der Klon ist danach nichts mehr wert und wird getötet. Doch davon haben die Bewohner des unterirdischen Instituts, das wie ein modernes Konzentrationslager anmutet, keinen blassen Schimmer. Ihnen wurde eingetrichtert, sie wären die einzigen Überlebenden einer endzeitlichen Kontamination, das Leben an der freien Luft sei unmöglich und nur der Aufenthalt in ebenjenem Institut sei möglich. Bis auf eine Ausnahme: Die Insel. Der letzte unberührte Fleck Erde, auf dem nahezu paradiesische Zustände herrschen würden.
Die einzige Möglichkeit, dorthin zu gelangen, ist „Die Lotterie“. Alle paar Tage wird diese Ziehung durchgeführt und der Gewinner darf auf das sagenumwobene Eiland. Dass sich dahinter nichts anderes als ein Todesurteil für den Auserwählten verbirgt und das nur bedeutet, dass seine Organe benötigt werden, weiß natürlich niemand.
Auch Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johannsson) geklonte Bewohner des Instituts. Doch Lincoln kommen erste Zweifel an seinem Dasein, als er eine erschreckende Entdeckung macht. Als dann noch Jordan die Lotterie gewinnt, bleibt ihm nur noch ein Gedanke: Die beiden müssen fliehen und die Wahrheit herausfinden.

Zuerst leise, dann ganz laut
Ja, es kracht und explodiert immer noch ordentlich im neuesten Werk des Regisseurs von Actionorgien wie „Armageddon“, „The Rock“ oder „Pearl Harbor“. Aber dass die ersten 20 Minuten ohne eine einzige Explosion auskommen, ist ein echtes Novum im Bay`schen Filmkosmos. Interessant zu sehen, dass der Pyroexperte es auch versteht, Charakteren eine Einführungszeit von mehr als 3 Minuten zu geben. Somit entwickelt der Zuschauer erheblich mehr Sympathie für Lincoln Six-Echo und seine Leidensgenossen. Der Humor kommt ebenfalls mal wieder nicht zu kurz. So steht Scarlett Johannsson in einer Szene vor einem Schaufenster und starrt mit offenem Mund auf einen Fernseher, in dem ihr eigener Werbespot für Calvin Klein läuft. Ein toller Insidergag für alle Eingeweihten! Sehr löblich auch, dass die Thematik des Klonens nie aus dem Blickwinkel verloren wird. Kontinuierlich wird hier immer wieder die klaustrophobische Enge, in der sich die beiden Helden in der eigentlich freien Welt befinden, gejagt von Polizei und kompromisslosen Söldnern, geschürt. Die angesprochene Action ist dann mal wieder typisch Bay. Dass der frühere Werbefilmer seinen ganz eigenen Stil entwickelt hat, konnte man schon in seinen früheren Filmen erkennen. Auch „Die Insel“ spart nicht mit 180°-Schwenks, Slow Motion und Verfolgungsjagden per pedes, per Auto oder per futuristischem Flugmotorrad. Der offensichtliche CGI-Einsatz trübt das Bild nicht wirklich, schließlich handelt es sich um eine Zukunftsvision. An einigen Stellen merkt man Bay jedoch an, dass ihm offenbar die Ideen ausgegangen sind. So waren die Verfolgungsjagd mit einem LKW oder ein Bullett-Time-Einschuss in ähnlicher Weise auch schon in „Bad Boys II“ zu sehen.

Denken und Staunen
Michael Bays Vision war es, einen Film zu machen, der zum Nachdenken anregt. Ist Klonen ethisch vertretbar oder nicht? Erstaunlicherweise gelingt ihm eine erschreckende Zukunftsvision, die beeindruckend die perversen Rechtfertigungen der Befürworter aufzeigt. „Die Insel“ ist der erste Michael Bay-Film, der nicht als tumbes Unterhaltungskino erscheint, welches coole Sprüche und Explosionen aneinanderreiht und man sich nach der Vorstellung noch leerer fühlt als davor. „Die Insel“ gibt tatsächlich Anstoss zum Grübeln. Allein diese Tatsache hätte man diesem Popcornregisseur im Vorhinein niemals zugetraut. Hut ab, Mr. Bay!

Dialoghighlight: „Die Sache mit der Zunge ist toll. Warum haben wir das nicht schon früher gemacht?“

Insgesamt 8 von 10 Retorten-Lebern für uneingeschränkten Alkoholgenuss


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