Eine Kritik von Mr. Vincent Vega (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 22.04.2006, seitdem 620 Mal gelesen
„Metropolis“, „Coma“, „Total Recall“, „Matrix”, “The 6th Day”, “Minority Report” – das sind nur einige Filme, die hier zum einen reichlich zitiert werden, vor allem aber auch wesentlich besser demonstrierten, ihre Geschichte nie einer schonungslosen Effekthascherei unterzuordnen. Vom ungekrönten König belangloser („Pearl Harbor“) und zuweilen auch fragwürdig debiler („Bad Boys 2“) Actionkost, Michael Bay, hätte man möglicherweise nicht unbedingt einen in Ansätzen anspruchsvollen Science-Fictioner erwartet – ironischerweise scheitert „The Island“ jedoch gerade daran mehr oder weniger, trotz seiner angenehm zurückgeschraubten Machoallüren.
Die Utopie des Klonens, hier geschickt mit einer bizarren Lebensversicherung erweitert, besitzt seit eh und je einen Reiz, dem filmisch schon oftmals adäquat und künstlerisch unterschiedlich Rechnung getragen wurde. Leider dient die Idee des Menschenhandels hier – wie erwartet – nur als Aufhänger für eine weitere laute und unsagbar schnell montierte Actionhatz ohne den Hauch einer Seele, kühl und rough durchgestylt, hektisch photographiert und beinahe epileptisch in seiner Wirkung.
Im ersten Drittel konzentriert sich der Film angenehm fokussiert und unter Einsatz leiser Suspense-Momente auf seine solide durchdachte Geschichte. Relativ klassisch ahnt der Zuschauer wie auch Ewan McGregor zunehmend, dass die große Angst vor der Kontamination wohl nur der trügerisch indoktrinierte Gedanke einer gigantischen Manipulationsmaschinerie ist. Sehr eindrucksvoll und vor allem höchstspannend (trotz konventioneller Erzählweise) schreitet der Film voran und erliegt leider allzu schnell der Gefahr, eine philosophische Weiterspinnung des Gedanken mit halsbrecherischer Action gleichwertig kombinieren zu wollen. Das will natürlich nicht funktionieren: Fortan dominiert – im Unterschied zu oben genannten Vorbildern – die Action. Offensichtlicher wird dabei, dass der interessante und diskussionswürdige Kern der Geschichte lediglich Einleitung für die von Bay so geliebte, aber mittlerweile auch hinreichend variierte Orgie karambolierender Autos darstellt und sich schließlich ganz und gar in einer zwar perfekt produzierten, aber letztlich doch sehr oberflächlichen und wenig innovativen Big Budget-Produktion verliert. Schade deshalb, weil der Film sein Potential ähnlich konsequent zertrümmert wie Ewan McGregor im gewohnt pathetischen Finale die bereits in der vierten Generation befindliche Großanlage.
Was bleibt sind zwei überaus hübsch anzuschauende, aber reichlich unterforderte Hauptdarsteller, eine viel versprechende Idee und die Erkenntnis, dass Bay eben Bay bleibt. Seine Fans wird’s wohl freuen. Alle anderen wurden zumindest schon schlechter unterhalten.