Eine Kritik von Boooshido (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 10.01.2007, seitdem 283 Mal gelesen
DIE INSEL
Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Lincoln Six-Echo (Ewan McGregor) und Jordan Two-Delta (Scarlett Johansson) sind zwei von 1000enden, die in einen kontrollierten Komplex leben und deren einziger bewusster Lebensinhalt darin besteht, bei einer regelmäßig stattfindenden Lotterie eine Reise ins Paradies auf "Die Insel" - den letzten Zufluchtsort auf der Erde, zu gewinnen. Letzter Zufluchtsort deshalb, weil die Welt so wie wir sie kennen verseucht und somit unbewohnbar ist. Lincoln leidet unter dem sterilen und stupiden Tagesablauf und er beginnt Fragen zu stellen. Die Antworten sind jedoch alles andere als zufrieden stellend. Dann überschlagen sich die Ereignisse, denn Jordan Two-Delta, seine heimlich Angebetete, gewinnt als nächste bei besagter Lotterie. Diese Erkenntnis und das, eigentlich unmögliche, Auftauchen einer lebenden Motte, bestätigen ihn darin das hier etwas nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint. Er recherchiert verbotenerweise und kommt zu der überwältigenden Erkenntnis das sein Leben, so wie er dachte das er es kennt, von Anfang bis Ende ein Lüge ist und sein Dasein nur einem einzigen Zweck dient. Er ist ein Klon, ein menschlicher Ersatzteillieferant. Lincoln nimmt dies natürlich nicht hin und begibt sich auf eine spektakuläre Flucht, im Schlepptau Jordan Two-Delta und gejagt von den Leuten, die mit ihm Geld verdienen. Sein Antrieb sind höchst menschliche Eigenschaften, die Neugierde und der Drang zu leben.
Leider zu unrecht verkannter Actionknaller mit ein wenig Tiefsinn und damit wohl auch der bis zu diesem Zeitpunkt beste Film von Regisseur Michael Bay.
Optisch eröffnet sich dem Zuschauer ein wahrer Leckerbissen, denn die Ausstattung ist exquisit und die Macher hauen echt auf die Kacke. Detailverliebtheit bis zum Abwinken packt einen von Beginn an und harmoniert wunderbar mit der sich langsam entfaltenden Geschichte. Langsam deshalb, weil hier für Michael Bay sehr untypisch, der Film nicht mit einer Actionexplosion eingeleitet wird, sondern eher einen Gang zurück geschalten, mit Bildfetzen aus einem Traum. Man bekommt einen sehr guten Einblick in die Welt, quasi das Leben der Klone, bevor sie auf die Insel kommen. Auch bleibt der Zuschauer nicht unwissend was die Entstehung der Klone angeht, umfangreich und detailliert wird dies visualisiert, weshalb dahin gehend nicht wirklich Fragen offen bleiben.
ACHTUNG SPOILER!!!
Umso ernüchternder die Tatsache das diese Insel gar nicht existent ist. Für die Protagonisten wie für den Zuschauer. Bis dahin vergeht allerdings locker eine Stunde Laufzeit vom Film ohne dass man über Längen klagen könnte. Doch die Flucht aus dem Komplex ist dann der Startschuss für eine Bay’sche Actionorgie die es in sich hat. In einer Stadt der Zukunft gibt es natürlich viel technischen Schnickschnack und darin kann man es natürlich ordentlich krachen lassen, weshalb dann z.B. eine Highway-Chase zum, rein auf die Inszenierung bezogen, innovativen Blechschadenfest für Aug und Ohr wird. Hammerhart was die Macher da auf die Beine gestellt haben und wohl irgendwie der heilige Gral für alle Actionfans, welche keine Abneigung gegen die sehr im Trend liegende MTV-Optik haben. Es knallt, raucht und fackelt wie schon lang nichts mehr, es gibt Mainstreamtode und natürlich nimmt das Szenario comichafte -weil teils unrealistisch- Züge an und passt somit perfekt in einen Sci-Fiction-Action-Film. Irgendwie hat es den Anschein dass Bay die, quasi verschwendete, Zeit der ersten Hälfte wieder aufholen wollte, nur um dann ein schnelles klärendes Ende herbei zu führen. Soll heißen die zweite Hälfte vergeht ebenfalls wie im Flug.
Am Ende kann man dann trotzdem wieder sagen, es ist ein üblicher Actionflick von Bruckheimers Lieblingsregisseur. Denn das in der Tat interessante Thema dient nur als Aufhänger für die Hatz und sollte dahin gehend wohl keiner tieferen Bedeutung beigemessen werden. Der eventuelle Versuch aus der Popcorn-Action-Schublade herauszukommen gelingt natürlich nur bedingt, denn dafür konzentrierte sich Bay zu sehr auf die optische Präsens. Dafür liegt hier, wie bereits erwähnt auch seine große Stärke.
Steve Buscemi ist wieder mal der coole Antiheld und Verlierer den man einfach lieben muss und sofort ein Sympathieträger, Scarlett sieht einfach nur schweinegeil aus und muss, trotz guter Performance, mit der Reduzierung auf nettes Beiwerk, leben. Ewan ist meiner Meinung auch ne gute Wahl für den Hauptpart, da er nach wie vor als Darsteller recht unverbraucht wirkt und als verletzlicher, wissbegieriger, in einer Ausnahmesituation über sich hinauswachsender Gepeinigter, wohl viel glaubwürdiger rüberkommt, wie z.B. ein Vin Diesel. Sean Bean als Bösewicht fetzt auch und zeigt dass er als Darsteller richtig gut ist wenn er fies sein darf. Im Prinzip ist der Stab durch die Bank weg sehr gut besetzt und das tut der Glaubwürdigkeit sehr gut.
Hans Zimmers Score betont die Geschehnisse gewohnt theatralisch. Fast schon klassischer Orchester Sound donnert aus den boxen und untermalt die einzelnen Passagen mal peitschend, mal melancholisch jedoch immer sehr treffend.
Gute Darsteller ein gewisses Maß an Selbstironie und der (vielleicht zu wenig) kritische Ansatz zum Thema Klonen findet man in „Die Insel“, dass alles gepaart mit ordentlich übertriebener Action und 1A Bildern, sowie der geilen Tonabmischung machen den Film zu einem kleinen Erlebnis und sorgen für perfekte Unterhaltung, in die man Problemlos eintauchen kann.
Die Tatsache das der Film, wegen schlechter Einspielergebnisse, die Produktionsfirma fast in den Ruin getrieben haben soll ist allerdings trotzdem ein Beweis dafür das man Erfolg nicht immer planen kann. Ich als Michael Bay-Geblendeter kann nur hoffen das dieser Mann doch noch den einen oder anderen Zelluloid-Streich verzapft, immerhin macht er Filme fürs Kino: Groß, Laut und Unterhaltsam. Mit Transformers hat er ja auch schon den nächsten großen Kracher in der Mache. YEAHHH.