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Moderne Zeiten (1936)

Eine Kritik von Marcel (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 06.06.2005, seitdem 387 Mal gelesen


Charlie Chaplins letzter Trotzversuch gegenüber dem Tonfilm gilt heute als eines seiner bekanntesten Werke. Dennoch kann „Moderne Zeiten“ nicht an seine früheren Meisterwerke aus der Stummfilmzeit „Der Vagabund und das Kind“ (1921) und „Goldrausch“ (1925) heranreichen.

Wie schon früher verbindet er auch hier die für ihn typische Situationskomik mit einer sozialkritischen Handlung. Dabei nimmt er sich in diesem Fall die Industrialisierung und den Kapitalismus vor, ein Thema, dass auch noch viele Jahrzehnte später höchst aktuell ist.

Es beginnt damit, dass man Chaplin als Fließbandarbeiter in einer riesigen Fabrik sieht. Hier reizt der Leiter die Leistungen seiner Arbeiter bis aufs äußerste aus, solange bis der gute Chaplin in seiner Eigenschaft als Schraubendreher durchdreht, alles fest drehen will, was irgendwie einer Schraube ähnelt und dabei sogar in einigen weltberühmten Einstellungen munter in die Zahnrad – Mechanik der Fabrik gerät.

Dieser Anfangsteil in der Fabrik, der sich im Übrigen ausgiebig des Bilderschatzes aus Fritz Langs „Metropolis“ (1927) bedient, ist dann auch der treffsicherste und auch lustigste Teil des Filmes, der allerdings auch schon nach knappen 20 Minuten (oder so) vorbei ist. Danach nehmen Witz und Tempo des Films zunehmend ab.

Den Hintergrund einer Wirtschaftskrise und eine damit verbundene Übermacht der Unternehmen (des Kapitals) lässt Chaplin die Zuschauer nie aus den Augen verlieren. Doch setzt Chaplin in der zweiten Hälfte mehr auf Melodramatik und stark emotionalen Szenen, wenn wir das tragische Schicksal der verwaisten Arbeitertochter, in die sich der gute Charlie verguckt hat, anschauen. Da war die beißende Komik, die der Teil in der Fabrik versprühte doch viel treffender. Zu dieser findet Chaplin immerhin auch in der zweiten Hälfte kurzzeitig zurück, als Charlie wieder einen Job in der Fabrik bekommt und dort eine ganz besondere Art der Mittagspause vorführt.
Doch auch diese Szene ist schnell vorüber und der abschließende Teil im Restaurant wirkt dagegen eher ermüdend. Das bemerkenswerteste hier ist noch die Gesangseinlage Charlie Chaplins (ich glaube das erste Mal, dass man auf der Leinwand seine Stimme vernehmen konnte, so ganz verzichtete er dann doch nicht mehr auf den Ton). Die Rettung seiner Freundin vor den Sozialarbeitern, die sie ins Waisenhaus stecken wollen, wirkt dagegen wie eine Anspielung auf „The Kid“, kommt einen dabei aber auch ziemlich aufgesetzt vor.

In der Schlussszene wird dann noch einmal das Gefühl und die Aussage „Niemals aufgeben“ vermittelt, immerhin für das Entstehungsjahr 1936 kommt einem das recht weissagend vor. Der Zweite Weltkrieg stand bevor und auch Chaplins persönliches Leben sollte noch einige dramatische Ereignisse parat haben.

7 / 10


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