Ansicht eines Reviews

Moderne Zeiten (1936)

Eine Kritik von Mr. Barlow (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 15.12.2009, seitdem 241 Mal gelesen


Charlie Chaplins letzter (halber) Stummfilm geriet zum Zeitdokument, dass heute so aktuell wie damals scheint. Über die Probleme der Arbeitslosen, der maschinellen Aufreihung der Menschen bis hin zum verzweifelten Wunsch, in dieser Zeit Fuß zu fassen in der Gesellschaft. Chaplin zeigt als Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller mal wieder pures Talent, während er mit seinem selbstkomponierten Soundtrack zudem noch die Tränendrüse drückt.

Die erste halbe Stunde beschäftigt sich mit der technischen Aufbereitung der Industrie - jeder Arbeiter ist seiner schier endlosen Arbeit zugeteilt, während der Boss puzzelnd in seinem Büro sitzt. Chaplin stellt hier einmal mehr den Tramp da, doch diesmal viel mehr als sonst eine Identifikationsfigur für den Zuschauer. Wie eine Maschine dreht er seine Schrauben, und menschliche Fehler werden mit wütenden Blicken gestraft. Schön hier auch die Fabrik an sich, die verzwickter gar nicht sein könnte. Überall zahnräder, Hebel und Knöpfe, die für das Leben verantwortlich zu sein scheinen. Mittendrin auch ein muskulöser Mann mit nacktem Oberkörper, der schwitzend die Hebel umlegen darf.

Nachdem Chaplin verrückt geworden war (inklusive der legendären Szene, in der er durch die Welt der Zahnräder rollt), landete er im Krankenhaus, kam als geheilt raus und schwenkte unbeabsichtigt plötzlich die rote Fahne, was ihm wiederum einen Platz im Gefängnis bescherte. Derweil wird das arbeitslose Mädchen vorgestellt, dass zusammen mit seiner Familie (Vater, ebenfalls ohne Arbeit, und drei, vier kleinerer Kinder) versucht zu überleben. Wenig später wird der Vater bei einer Demonstration erschossen, die Kinder werden zur Pflege mitgenommen, nur unser Mädel kann fliehen.

Derweil wird Chaplin (wahrscheinlich wegen guter Führung) freigelassen, hat aber Angst vor dem harten Leben dort draußen. Er bekommt zwar einen Brief vom Gefängnisdirektor mit, in dem dieser bescheinigt, Chaplin sei ein guter Mann, aber trotzdem sieht das Leben noch nicht so rosig aus. Schließlich trifft er auf das verwaiste Mädchen, dass gerade ein Brot gestohlen hat. Chaplin nimmt die Schuld auf sich, um wieder ins friedliche Gefängnis gehen zu können, doch alsbald werden sie beide gefangen genommen. In einer halsbrecherischen Aktion können sie jedoch fliehen.

Chaplin versucht sich, mit ein paar kurzen Jobs über Wasser zu halten, landet dabei meist im Knast, kommt aber wieder früh raus. Das Mädchen (nun seine Freundin) organisiert ein schlichtes Holzhüttchen für sie beide (was mir zumindest aus "Goldrausch" bekannt vorkommt...). Doch für Chaplin scheint das Arbeiterglück nur Pech zu beinhalten und so landet er immer wieder hinter schwedischen Gardinen. Seine Freundin findet derweil endlich einen Job als Tänzerin in einem Lokal, und als Chaplin wieder ein freier Mann ist, besorgt sie auch ihm einen Job als Kellner und Sänger. Doch die Leute vom Sozialamt (glaub ich jedenfalls, das oder Jugendamt) arbeiten unermüdlich und finden das entflohene Mädchen schließlich. Doch Chaplin und sie können fliehen und versprechen sich, nicht im Leben aufzugeben, auch wenn immer dunkle Wolken am Himmel erscheinen.

Das ist alles wunderbar kurzweilig dargestellt und bringt verdammt oft zum lachen. Ich persönlich finde zum Beispiel nicht, dass der Film im laufe der Zeit seinen Humor verliert, er bleibt eigentlich auf einer Linie. Und selten hat die romantische Geschichte hier besser zu der Hauptgeschichte gepasst. Das Werk hat so viele schöne Momente, doch der schönste bleibt das Ende, wenn Chaplin seiner Freundin ein Lächeln aufs Gesicht zaubert, weil sie nicht traurig sein soll. Derweil wird im Hintergrund das herzzereißende Stück "Smile" vorgetragen, was ungefähr dreißig Jahre später mittels Nat King Cole nochmal ein Hit wurde. Smile, whats the use of crying?

Fazit

Ein unersetzliches Zeitdokument der damaligen Probleme, heute so aktuell wie noch vor siebzig Jahren. Und einmal mehr kommt die Botschaft zum Einsatz: "Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag."

10/10


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Mr. Barlow" lesen? Oder ein anderes Review zu "Moderne Zeiten (1936)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Mr. Barlow

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

1.085 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Gefährten (2011)
Fight of the Dragon (1999)
Schrei, wenn Du kannst (2001)
New Rose Hotel (1998)
Razorback - Kampfkoloss der Hölle (1984)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich