Ansicht eines Reviews

Descent - Abgrund des Grauens, The (2005)

Eine Kritik von Dr. Phibes (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 11.01.2006, seitdem 836 Mal gelesen


Neil Marshalls Debütfilm „Dog Soldiers“ war ein solider Horrorfilm, der auch nicht mit schwarzem Humor geizte. Doch nun ist Schluss mit lustig, mit „The Descent“ liefert Marshall einen knallharten Horrorfilm, der ohne die üblichen dummen Witze des Genre auskommt.


Eben war es noch eine aufregende Bootsfahrt mit ihren Freundinnen, kurze Zeit später trifft Sarah das Schicksal mehr als hart. Auf dem Weg nach Hause verunglücken Sarah, ihr Mann und ihre Tochter, beide letzteren sterben. Ein Schlag, von dem sich Sarah kaum erholt.
Ein Jahr später reist Sarah mit fünf Freundinnen in die USA, um ein wenig zu klettern und Höhlen zu besichtigen. Geführt wird die Gruppe von Juno, die ihren Freundinnen aber schon zu Begin verschweigt, dass sie nicht in einer bestens bekannten Höhle sind, sondern in einer noch unbekannten, deren Inneres noch nirgends verzeichnet ist. So kommt es zu einem Unfall, in dem der Ausgang verschüttet wird und die sechs Frauen sich einen anderen Weg nach draußen suchen müssen, falls es einen gibt. Doch dies ist nur ein kleines Problem. Im inneren der Höhle scheinen sie nicht allein und bald muss jeder um sein eigenes Leben kämpfen...


Zunächst einmal Respekt für Herrn Marshall. Endlich mal wieder ein Horrorfilm, der zu 100%ig ernst, hart und direkt ist. „The Descent“ verzichtet komplett auf dümmliche Witze, nervige Teenydarsteller, die man später eh nur eng umschlungen wieder findet, wo sie dann meistens einen grausamen Tod sterben. Nein, „The Descent“ ist vollkommen anders.
Hier sind es nur sechs Frauen, die sich endlich mal so verhalten, wie man es sich wünscht.

Nachdem Marshall erst mal zwei Schocks gesetzt hat, wird es ruhiger im Film. Marshall nimmt sich viel Zeit, die Charaktere vorzustellen und dies ist auch wichtig. Besagte Sarah ist auch ein Jahr nach dem Unfall immer noch ziemlich labil. Zwar soll der Trip ihr neuen Mut geben, der Kopf soll frei werden, doch so richtig will es nicht klappen. Im Gegensatz dazu steht Juno, der Leader der Gruppe. Sie will das Sagen haben und zeigt, wo es lang geht. Anfangs mag es noch gut gehen, doch sobald die Truppe in der Höhle gefangen ist, entstehen Reibungspunkte, da langsam jeder weiß, es geht hier ums Überleben. Auch hier sehen wir wieder einen Unterschied zum Horrorfilm mit nervigen Darstellern. Die würden wahrscheinlich schreiend und heulend durch die Höhle ziehen und wenn sich eine Stille Ecke findet, vielleicht noch mal den letzten Sex haben. Aber bei „The Descent“ ist es eben anders, realistischer.

Ein weiterer Reiz von „The Descent“ ist die unglaubliche Stimmung und Atmosphäre. Der aufmerksame Zuschauer merkt schon zu Begin, dass zwischen den Frauen nicht alles so ist, wie es scheint, besonders bei zweien macht es sich bemerkbar, aber eben nur, wenn man gut aufpasst. Schon her bekommt man einen ersten Hinweis darauf, was einen erwartet. Doch der richtige Terror geht dann in der Höhle los. Die klaustrophobische Stimmung ist selbst im heimischen Wohnzimmer spürbar, was durch eine gute Heimkinoanlage noch verstärkt wird.
Der Zuschauer fiebert richtig mit, wenn es darum geht, den Weg nach draußen zu finden, auch wenn es so scheint, als laufen die sechs nur noch weiter in ihr verderben.

Doch damit nicht genug. Nicht nur, dass die sechs Darsteller jetzt schon um ihr Leben kämpfen müssen, Marshall setzt noch einen drauf. Sarah ist die Erste, die merkwürdige Geräusche hört und auch meint, jemanden oder irgendetwas gesehen zu haben. Natürlich glaubt ihr keiner, doch alle werden später eines besseren belehrt.
Nach einer Stunde wandelt sich „The Descent“ vom Psychothriller zum knallharten Horrorfilm, denn wie sich dann herausstellt, ist wirklich was in der Höhle und die Wesen sind alles andere als freundlich.
Natürlich könnte man jetzt sagen, Marshall gehen jetzt spätestens jetzt die Ideen aus, wenn er die Monster auf die Frauen los lässt. Doch dadurch verstärkt sich die Stimmung noch mehr. Die Monster sind nicht unbesiegbar, ganz im Gegenteil, können sie doch nicht mal etwas sehen, sondern orientieren sich nur durch ihr Gehör. Gerade dies macht den Film so spannend, jetzt beginnt der richtige Kampf ums Überleben und spätestens jetzt merkt man, wie die Gruppe von „Freunden“ komplett auseinander fällt, jeder kämpft für sich und jeder ist nur darauf bedacht, heil aus der Höhle zu kommen, was interessieren mich da die anderen, wenn es ums eigene Leben geht.
Spätestens dann wird dem einen oder anderen Zuschauer schwindelig, denn die Action im Film ist schnell und noch schneller geschnitten. Man muss schon höllisch aufpassen, um wirklich alle Details mitzubekommen, denn neben der Schnitttechnik kommt noch das natürliche Dunkel der Höhle hinzu, die nur dank einiger Fackeln etwas ausgeleuchtet ist.
Hinzu kommen teilweise wirkliche graphische und harte Effekte, die ihre Wirkung nicht verlieren, aber dank der Dunkelheit und der schnellen Schnitte nicht mehr ganz so blutrünstig wirken. Trotzdem geht es aber ganz schön zur Sache, das Blut fließt literweise.

Wie der ganze Film, so ist auch das Ende. Auch hier lässt sich Marshall auf keine Spielerein ein. Auch hier geht es kompromisslos zur Sache, auch wenn man vielleicht die wenig mystischen Elemente kritisieren könnte, da sie nicht ganz zum gradlinigen Film passen. Dennoch, auch hier gibt es eine Wendung, so dass man am Ende eigentlich kaum Zweifel hat, wie die Geschichte ausgehen wird, auch wenn das Ende offen bleibt. Aber jeder wird wissen, was passiert. So schließt der Film ab, wie er begonnen hat.


Fazit: „The Descent“ ist einer der besten Horrorfilme aus dem Jahre 2005. Endlich mal wieder ein Film, der das europäische Kino salonfähig macht. Nach „Haute Tension“ aus Frankreich folgt nun „The Descent“ aus Großbritannien. Und diese europäische Note merkt man. Der Film ist knüppelernst und braucht keine hohlen und sexgeilen Teenager, denen man den Tod wegen ihrer Dummheit wünscht. Nein, hier fiebert man wirklich mit, denn bei diesen Darstellern lohnt es sich endlich mal, da sie so reagieren, wie wir es wohl alle tun würden. „The Descent“ ist ein großartiger Film, bei dem sich Thrill und Horror die Klinke in die Hand geben. So soll es sein und kann ich jedem nur wärmstens empfehlen, doch auch mal in die Höhle hinabzusteigen.


Surprise me!
"Surprise me!" BETA
Lassen Sie sich überraschen! Wir führen Sie zu einem zufälligen Treffer zu einem Thema Ihrer Wahl... Wollen Sie eine andere Kritik von "Dr. Phibes" lesen? Oder ein anderes Review zu "Descent - Abgrund des Grauens, The (2005)"?


Zur Übersichtsseite des Films
Liste aller lokalen Reviews von Dr. Phibes

Zurück





Copyright © 1999-2012 KI Media GbR
Alle Rechte vorbehalten.
Nutzungsbedingungen · Werben · Impressum
Hosted by Net-Build



Quicksearch






User-Center

Benutzername: 
Paßwort:
Login nur für diese Sitzung:

·

266 Besucher online





Abonnement


Abonnement - Bitte erst anmelden
Melden Sie sich bitte an, um Abonnements vornehmen zu können



Neue Reviews


Ich spuck auf dein Grab (1978)
Paragraph 78: Punkt 1 (2007)
Traxx (1988)
Scorpion King 3 - Kampf um den Thron, The (2012)
Men Suddenly in Love (2011)



News


Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.

» Zum neuen News-Bereich