Eine Kritik von DrunkenMast3r (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 13.09.2007, seitdem 220 Mal gelesen
Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich mir damals The Descent im Kino ansah. Ein Freund und ich saßen gelangweilt rum und überlegten uns schließlich in eine Spätvorstellung zu gehen. Also Computer an und nachgesehen, was denn so alles im Moment läuft. Das Augenmerk dabei vor allem auf 18er gerichtet. Schließlich entschieden wir uns für The Descent, da er in der OFDB auch eine gute Wertung hatte. Das Kino war damals zu später Stunde noch sehr gut gefüllt – leider, muss man im Nachhinein sagen – und ich sollte einen Horrorfilm zu sehen bekommen, wonach ich mich lange gesehnt habe.Â
Zur Story: Sarah verliert Mann und Kind bei einem Autounfall. 1 Jahr nach diesem Unglück unternimmt sie mit fünf Freundinnen eine Höhlenexpedition um von diesem Trauma endgültig weg zu kommen, da sie immer wieder Alpträume plagen. Anfangs noch wild entschlossen, müssen die sechs Frauen - je weiter sie in die Höhle eindringen – schließlich feststellen, dass es sich nicht um die Höhle handelt, die im Reiseführer beschrieben wurde, sondern um eine Höhle, welche wohl zuvor noch kein Lebewesen betreten hat. Nur noch in den Sinn habend die Höhle zu verlassen, müssen sie bald feststellen, dass sie doch nicht alleine sind.Â
Der Horrorfilmgucker wird sich jetzt denken: Und was macht den Film nun so besonders? Ist doch schon tausend Mal da gewesen. Diesen Menschen würde ich ganz klar Recht geben, denn das Grundprinzip von The Descent gab es zuvor wirklich schon zu Genüge. Dass wir mit Urängsten wie engen Räumen oder Dunkelheit konfrontiert werden, genauso wie es keinen Ausweg zu scheinen gibt.Doch im Vergleich zu allen anderen typischen Horrorfilmen dieser Sorte, gibt es keine typischen Nebelschwaden oder „angsteinflössende“ Musik, die einem eigentlich genau zu hören geben, wann der nächste „Schockeffekt“ eintritt. Die Musik tritt häufig so stark in den Hintergrund, dass man sie kaum noch wahr nimmt, wodurch ein Schockeffekt oft unerwartet vor kommt, denn erst einen Moment – wenn auch nur Zehntelsekunden - nach dem man möglicherweise schon vom Kinosessel aufgesprungen ist, erklingt sie, wodurch man gewissermaßen gezwungen wird selbst seine Augen offen zu halten, statt sich an die Ohren zu orientieren. Doch leider funktionieren auch hier nicht alle Schockeffekte, da auch sie zu vorhersehbar sind. Solche, die jedoch funktionieren, verfehlen ihren Sinn jedoch schon beim zweiten Mal ansehen.Marshall nimmt sich jedoch nicht die Zeit alle Figuren besser zu beschreiben, so dass sie zu keine Identifikationspersonen werden. Dennoch sind beinahe alle typischen menschlichen Charaktere vorhanden – wenn auch nur von Frauen verkörpert – die für einen Horrorfilm beinahe schon normal sind. (Ich spare es mir mal in diesem Moment alle aufzulisten). Trotzdem schafft es der Film die nötige Sympathie für die Frauen aufzubauen. Durch den Spannungsaufbau der ersten 60 Minuten fiebert man die letzte halbe Stunde mit und hofft, dass sie dort lebend aus der Höhle herauskommen, obwohl man im Innern weiß, dass sie den Tod näher sind als dem Ausgang. Und dass ist etwas, was ich bei den meisten heutigen Horrorfilmen vermisse. Das Dramatische. Ich weiß noch wie ich das erste Mal das Ende empfand. Ich saß gemütlich in meinem Sessel – anders als mein Sitznachbar, der vor lauter Übelkeit seinen Kopf in die Popcorntüte hielt – und weinte. Obwohl ich mir vor diesem Ende erhoffte ein Unhappy End erleben zu dürfen, freute ich mich schließlich für die Hauptprotagonistin, dass sie es doch aus dieser Hölle heraus schaffte. In keinen anderen Horrorfilm zuvor fühlte ich so mit und freute mich so sehr für einen fiktiven Horrorfilmcharakter, dass dieser überlebt. In den meisten anderen Horrorfilmen sind einem die Leute eigentlich völlig egal. Sie saufen sich halbtot, kiffen, lassen dumme Sprüche aber oder nerven in sonst irgendeiner Art und Weise, dass man ihnen eigentlich nur noch den Tod wünscht. Als jedoch schließlich das richtige Ende eintritt, war ich nicht wirklich enttäuscht. Es passte einfach zu dem Film, der eigentlich sowieso so dauerdeprimierend war. Da hätte es einfach nicht gepasst, wenn eine Person lebendig aus der Höhle herauskommt. So bekommt schließlich einen Teil der Höhle aus der Entfernung zu sehen(ohne natürlich auch nur annähernd einen Ausgang erblicken zu können), woraufhin schließlich auch der Abstand beginnt, begleitet mit einem Lied des komplett instrumental gehaltenen Soundtracks. Dazu im Hintergrund das Bild der sechs Frauen. Einen besseren, deprimierenden Abspann hätte man meiner Meinung nach nicht auswählen können.Desweiteren möchte ich noch die Atmosphäre ansprechen, die – wie ich finde – zu den besten gehört, welche ich bisher in Horrorfilmen gesehen hab, auch wenn ich es nicht richtig begründen kann wieso. Es war jedenfalls nach Tanz der Teufel erst der zweite Horrorfilm, bei dem ich so empfand und wurde mit Silent Hill noch ausgeschmückt. Natürlich gibt es auch etwas Negatives zu sagen:Da wäre ein typisches Merkmal für einen Horrorfilm: Irgendeine Person dreht plötzlich auf, verspürt keine Angst mehr und kämpft sich durch die Gegner. Während die Meisten hingegen einfach nur versuchen zu überleben und irgendwie den Weg nach draußen zu finden, mausern sich dafür die beiden Hauptprotagonistinnen zu wahren Kampfmaschinen. Es passt zwar zum typischen Horrorfilm und irgendwie nicht so sehr zu solchen – doch eher – zierlichen Frauen. Es heißt zwar immer, dass in bestimmten Situationen der Mensch zu allem mögliche wäre, doch realistisch gesehen kann ich mir nicht vorstellen, dass in so einer bedrohlichen Umgebung plötzlich jemand zu Arnie wird. Â
Zum Schluss bleibt zu sagen, dass The Descent einer der besseren Horrorfilme der Neuzeit ist und meiner Meinung nach auch gut und gerne als Horrordrama angesehen werden kann.9/10 Punkte