Review

Die Geschichte der Schwarzen in Amerika - ein heikles Thema, welches sicherlich verschiedenste Kontroversen auszulösen versteht, und eigentlich aus einer Ansammlung von Ungerechtigkeiten, Schmerz und Ausbeutung besteht. Dieser "Mondo", welcher von den Menschen ersonnen wurde, die zuvor für "Afrika Addio" und den berühmt-berüchtigten "Mondo Cane" verantwortlich waren, möchte uns in Episodenform und ohne den Schleier der ach so verhassten Political Correctness einen Abriss über eben diese Geschichte liefern. Inwiefern das klappt, sei mal dahingestellt.

Die Director's Cut Fassung setzt mit den Unruhen der 60er Jahre ein, und serviert schonmal als kleinen Aperitif einige Szenen der Black Panther Bewegung usw. Danach setzt der richtige Film ein, und es wird auf die Geschichte der Sklaverei eingegangen. Hierbei greifen die Regiesseure auf viele kleine Episoden zurück, die uns verschiedene Aspekte dieses Leidensweges semidokumentarisch aufführen sollen.

Eines mal vorweg: der Informationsgehalt von Addio Zio Tom ist von fragwürdiger Natur. Die Episoden sind zu 100 % gestellt, und reißerisch noch dazu. Der Film wurde, wie böse Zungen behaupten, primät deshalb ins Leben gerufen, da den beiden Regiesseuren nach "Afrika Addio" unterschwelliger Rassismus vorgeworfen wurde. Erstaunlich ist das nicht wirklich, schließlich werden unter anderem Kommentare wie "So jagten die Afrikaner die Kolonialisten aus dem Land, wo sie sie doch am meisten bräuchten" vom Stapel gelassen. Aber der italienische Mondo Film ist ja auch keine Time Life Doku. Jedoch muss man ganz klar sagen, dass die Macher mit diesem Werk wirklich den Vogel abgeschossen haben, und eigentlich zehn Mel Gibson Awards, die von Thilo Sarazzin persönlich überreicht würden, verdient hätten.

Zunächst einmal fällt einem auf, dass Jacopetti und Prosperi ihr Handwerk absolut verstehen. Die Kameraeinstellungen sind auf hohem Niveau, und die Inszenierung eigentlich allererste Sahne. Durch die Struktur und die Episodenhaftigkeit kommt auch absolut keine Langeweile auf. Natürlich hat dies keiner bezweifelt, schließlich waren die Beiden auch für den erhabenen "Mondo Cane" verantwortlich, aber da der Film teilweise einen sehr zwielichtigen Ruf genießt, sollte man ihm dieses Privileg schon einräumen.

Wie gesagt, der Film ist absolut gestellt, und deshalb auch total süffisant. In einer Szene sieht man zum Beispiel, wie ein Sklavenschiff ankommt, und der Kapitän solche Sachen sagt wie "Wir müssen sie anketten, sonst fangen sie an rumzuvögeln und sich gegenseitig aufzufressen". Insofern wird die Demütigung der Schwarzen absolut schonungslos und offen gezeigt. Dazu kommen noch einige sehr grausame Szenen, wie zB die Kastration eines Schwarzen (durch andere Schwarze), Einstellungen, wie die Schwarzen wie Schweine gefüttert werden usw. Es wird auch sehr stark auf die sexuelle Ausbeutung der Schwarzen durch ihre weißen Besitzer: so wird zum Beispiel eine weiße Tyrannin dargestellt, welche ihre Sklaven nicht nur zum Sex zwingt, sondern dabei auch quält. Aber da hört der Spaß noch lange nicht auf: Sex mit extrem jungen farbigen Frauen, Zwangsprostitution, Szenen der "Heraufzüchtung" von Mulatten, welche angeblich attraktiver sein sollen und vieles mehr. Im Zusammenspiel mit den teilweise unmenschlichen Gewaltakten (zB wie der Schwarze die Zähne ausgeschlagen bekommt, damit er zwangsgefüttert werden kann) und den semiwissenschaftlichen Szenen (brilliant ist hierbei der absolut wahnsinnige Wissenschaftler, der erklärt, warum Schwarze keine Menschen sind usw) ergibt sich ein extrem seltsamer und eigentlich auch pietätsloser Mix, der aber unfassbar unterhaltsam daher kommt.

Der Film gewinnt durch die Dokumentation der Rassenunruhen der jüngeren Vergangenheit ein wenig an Relevanz, aber irgendwie wirken diese Szenen fehl am Platze. Der eigentliche Film besteht ganz klar aus den oben erwähnten, nachgestellten Szenen. Diese sind teilweise beeindruckend komisch, gerade weil viele der Erzähler (nämlich die Sklavenhalter) einfach die übelsten Sachen vom Stapel lassen. Da wird zum Beispiel eine ca 15 jährige Jungfrau von einem sogenannten "Hengst", also einem sehr potenten (und offenbar geistig zurückgeblieben) Schwarzen vergewaltigt, da so die "besten Babies" zu Standen kommen. Am Ende drückt der Sklavenhalter der Frau einen Dollar in die Hand, und kommt sich wie der größte Wohltäter überhaupt vor. Sicherlich ist dies nicht ganz fälschlich dargestellt, aber man muss sagen, dass der Film die Neger auch wirklich als absolute Primaten darstellt: sie sind faul, gehorsam, dumm, unfähig und kommen einem (so wie sie in diesem Film dargestellt werden) wirklich als unterlegen vor (was natürlich Quark ist). Durch diese Darstellung, sowie die Ausschachtung der Thematik zugunsten der Tabubrüche, kann man schon von einem Werk mit zweifelhafter Aussage sprechen, dass in dieser Form in unserer heutigen Gesellschaft undenkbar wäre. Aber ich finde gerade diese absolute Missachtung sehr sympathisch, vorallem da man den Film trotz des Themas und trotz der dargestellten Grausamkeiten eigentlich zu keiner Sekunde ernst nimmt, und mehr von einem Exploitation Film, als von einem Mondo sprechen kann. Als solcher funktioniert der Film aber grandios.

Fazit: Bitterböser und dennoch sehr guter Exploiter, der zwar unfassbar rassistisch daherkommt, aber gerade dadurch wirklich einzigartig und kultverdächtig wird. In meinen Augen einer der besten Exploitation Filme, den die Italiener jemals gemacht haben, und bedingungslos zu empfehlen, wenn man ein Faible für ausgefallene und vorallem sleazige Filme hat, die auf gute Weise schlecht sind. Am besten mit einem guten Freund und einer Kiste Bier anschauen, dann wirds auch nicht langweilig, und man hat trotz der Überlänge einen Heidenspaß.

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