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Vier Brüder (2005)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 13.01.2006, seitdem 796 Mal gelesen
„Vier Brüder“ ist eine modernisierte Ghettoversion des Western „Die vier Söhne der Katie Elder“.
Evelyn Mercer (Fionnula Flanagan) ist die gute Seele der Vorstadt von Detroit. Sie holt Kinder aus Waisenhäusern und bringt sie in Pflegefamilien unter, ist auch sonst allseits beliebt und hilft auch fremden Kindern auf den rechten Weg zu kommen. Doch bei einem Überfall auf einen Lebensmittelladen wird sie ebenso wie der Besitzer erschossen. Damit haben wir schon mal einen guten Anlass für einen Rachefeldzug, fehlen an sich nur noch die Rächer.
Dabei handelt es sich um Evelyns Adoptivsöhne, damals schwerste Pflegefälle, die nun unterschiedliche Karrieren gemacht haben: Der Knastvogel Bobby (Mark Wahlberg), der Soldat Angel (Tyrese Gibson), der erfolglose Musiker Jack (Garrett Hedlund) und der Gewerkschafter Jeremiah (André Benjamin), genannt Jerry. Seit Jahren haben sich die Brüder aus den Augen verloren und treffen sich nun wieder. Der Hintergrund eines jeden Bruders ist auch recht gut ausgearbeitet, sodass „Vier Brüder“ mit lebhaften, detaillierten Hauptcharakteren aufwarten kann.
Die Brüder wollen den Tod ihrer Mutter nicht ruhen lassen, trauen der Polizei sowieso nicht viel zu und stellen eigene Ermittlungen an. Dabei finden sie heraus, dass es kein Überfall war, sondern ihre Mutter das Ziel eines Anschlags war...
John Singletons Film hat etwas von Racheaktion der guten alten Schule wie „Zum Töten freigegeben“ und das Flair derartiger Filme springt sofort über. So bekommen die Helden selten Probleme mit der Polizei, trotz rabiatester Aktionen, die man nur mit viel Wohlwollen als Notwehr auslegen kann. Diese nehmen zwar nicht überhand, sind aber sehr gut in Szene gesetzt und nicht zu unrealistisch. Highlight ist sicherlich die große Schießerei im letzten Drittel, ansonsten bestimmen kurze Schusswechsel, eine Verfolgungsjagd mit netten Stunts sowie eine Schlägerei als Showdown das Geschehen. Neben der überzeugendem Actionchoreographie fällt dann auch die erfrischende Portion Härte ins Auge, denn die Brüder haben keine Skrupel die Mörder ihrer Mutter über den Jordan zu schicken.
Doch auch die Geschichte an sich ist recht flott und spannend. Zum einen legt John Singleton ein hohes Tempo an den Tag, sodass die Ermittlungen der Brüder nur selten unterbrochen werden, zum anderen vermengt der Plot richtige und falsche Fährten ziemlich geschickt, sodass man das Ende nicht sofort absehen kann. Nur gegen Ende, wenn man endlich durchblickt und nur noch die letzten Fieslinge beseitigt werden müssen, hängt der Film etwas, ehe das Finale mal wieder ein paar handfeste Überraschungen präsentiert.
Im Gegensatz zu vielen andere Racheactionern menschelt es bei „Vier Brüder“ aber sehr und das gibt dem Ganzen eine etwas realistischere Note. Die Brüder sind keine gefühllosen Killer, sondern trauern auch weinend um gestorbene Familienmitglieder, haben Angst oder streiten sich untereinander. Kitsch vermeidet Singleton dabei, auch wenn die Szenen, in denen jeder der vier seine tote Mutter auf einmal vor sich sieht, etwas unnötig wirken. Nur teilweise passend hingegen sind die Anflüge von Humor: Die Streitereien von Angel und seiner Freundin wirken teilweise gekünstelt und leicht peinlich, die Aktionen des Oberfieslings sind teilweise etwas klamaukig (z.B. einen Untergebenen zur Demütigung an den Kindertisch setzen). Dafür legt man den Brüdern ein paar treffende Oneliner in den Mund, die zünden.
Mark Wahlberg zeigt sich hier in Bestform und liefert als großmäuliger Chefbruder auch die beste Leistung des Films ab. Überraschend gut sind Tyrese Gibson und André Benjamin, aber auch Newcomer Garrett Hedlund braucht sich nicht zu verstecken. Die Supportcast leistet durch die Bank weg überzeugendes, wenngleich die wenigsten von ihnen viel Screentime bekommen.
Für Actionpuristen ist „Vier Brüder“ sicher nichts, aber trotz einiger Hänger und ein paar unpassender Subplots (z.B. die Streitereien von Angel und seiner Freundin) erhält man einen erfrischend kompromisslosen Rachefilm, nicht immer realistisch, aber stets spannend und unvorhersehbar. Auch die Action überzeugt auf ganzer Linie, wenn sie dann mal auftritt.
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