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Wallace & Gromit: Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen (2005)

Eine Kritik von Mr. Hankey (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 26.10.2005, seitdem 333 Mal gelesen


Nick Park und sein Produktionsstudio "Aardman Animations" sind wahre Künstler! Und das obwohl sie eigentlich nur alle paar Jahre mal zu mit etwas Neuem zu sehen sind. Der Grund dafür ist einfach: "Aardman Animations" bringt nämlich Animationen mit Knetfiguren aufs Zelluloid, was nichts anderes bedeutet, das jede einzelnes Frame, von insgesamt 24 Frames in der Sekunde, von Hand bewegt werden muss, damit die Knetfiguren zu Leben erwecken. Eine Heidenarbeit, die nicht selten Jahre in Anspruch nimmt. Deshalb gab es am Anfang auch nur kurze Streifen, wobei die "Abenteuer von Wallace & Gromit" (3 an der Zahl) noch die beliebtesten und berühmtesten Knetfiguren-Shortis waren, die weltweit ein Millionenpublikum begeisterten und Oscars einheimsten. Der Ruf nach einem richtigen Film in Spielfilmlänge wurde somit laut und Nick Park brachte dann, im Jahre 2000, rennende Hühner in "Chicken Run" auf die Leinwand, ein Genre-Meisterwerk sondergleichen! Nun, 5 Jahre später, sollten aber auch die Oscar-Preisträger ihren Film abbekommen und in "Auf der Jagd nach dem Riesenkaninchen" gibt es W&G nun endlich fast 1 1/2-Stunden zu sehen. Ein Riesenspaß!

Schon die Geschichte birgt unheimlich viel Potenzial, für unterhaltsame 90 Minuten. Unser aller liebste "Herren-WG", bestehend aus dem schusseligen Erfinder Wallace und seinem cleveren Hund Gromit, hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Karnickel-Nagern in ihrer Heimatstadt den Kampf anzusagen. Denn das Hoppel-Vieh macht sich nur allzu gerne über das gezüchtete Gemüse der Nachbarschaft her. Eines Tages kommt Wallace dabei auf die Idee, seine neuste Erfindung an einem der Hoppler auszuprobieren, nämlich eine Maschine mit der er die ewige Sucht nach Möhren etc. aus den Köpfen der Kaninchen löschen will. Und dabei kommt es zu einem folgenschweren Unfall... Ja, die Geschichte und das Skript sind wirklich wunderbar ausgefallen und den beiden Figuren regelrecht auf den Leib geschneidert worden. All die liebenswerten Verschrobenheiten von Wallace und Gromit sind genauso mit von der Partie, wie ein überschäumendes Potpourri an herrlichen Einfällen. Auf Dinge wie Logik etc. sollte man dabei natürlich nicht achten, ist ja schließlich ein animierter Fantasystreifen. Und der Ideenreichtum kennt wirklich keine Grenzen.

Angefangen bei Wallace, der sich jeden Tag von einer seiner Maschinen zum Frühstückstisch chauffieren läst, an dem er angekleidet wird und von seinem geliebten Hund verwöhnt wird, wo es nur geht. Dann natürlich die Jagd nach den Karnickeln, die allesamt herrlich vorlaut und so witzig und niedlich ausgefallen sind, das selbst der herbste Grießgram ein Lachen aufs Gesicht kriegt. Dazu die herrlichen Bewohner des Dorfes. U.a. gibt es da einen Priester, der zwar fest in seinem Glauben ist, aber natürlich dennoch lieber an sich selber denkt. Dann Lady Campanula Tottington, mit den Lippen von Angelina Jolie, genauso verschroben wie herzensgut. Und den schmierigen Victor Quartermaine, Verehrer der Lady, der Karnickel lieber durch das Zielfernrohr seiner Flinte sieht und damit der Lady anscheinend irgendwie imponieren will. Und das sind nur drei Beispiele einer ganzen Fülle von herrlichen Charakteren, die allesamt mehr Schmackes besitzen, als so manche Figur eines Hollywood-Streifen.

Und dann natürlich die Sache mit dem Riesenkaninchen. Nick Park und seine Mannschaft haben es sich nicht nehmen lassen, dass Kinoabenteuer der Legenden ungewöhnlich gruselig zu gestalten, wenn natürlich immer noch auf familienfreundlichem Niveau. Hier gibt es nicht nur Spaß am laufenden Band, sondern auch eine gehörige Portion Nervenkitzel. Es gibt gruselige Verwandlungen, Monster die auf Gebäude klettern ("American Werewolf" und "King Kong" werden hier sehr stark und mit Augenzwinkern zittert) und vieles mehr. Dabei wird sogar ein gewisser Spannungs- und Atmosphäre-Grad mit ins Geschehen gebracht, den man sicher nicht erwartet hätte. Natürlich nicht mit Horrorfilmen und anderen Thrillern zu vergleichen, dies ist schließlich ein Familienfilm der hauptsächlich komisch sein will, aber bei einem "Wallace und Gromit"-Film hätte man das sicher nicht erwartet und für die Kleinsten ist der Spaß auch sicher, hier und da, eher ungeeignet. Unterm Strich ist diese Idee aber eigentlich nur köstlich und für Erwachsene und etwas größere Kiddies ein Heidenspaß.

Doch den allergrößten Spaß hat man beim Zusehen der Animationen an sich, die wieder einmal köstlich, ja gerade zu brillant, geraten sind. Aufwändiger als jeder Zeichentrickfilm und dennoch höchst glaubwürdig und visionell prachtvoll, agieren hier die Knetfiguren so toll, als wären sie wirklich echt. Flüssige Animationen sind hier durchgehend gegeben, selbst wenn es sich nicht um Figuren oder Objekte handelt. (Bestes Bsp. wäre da die Szene in der sich Wallace seinen Morgen-Kaffee eingießt!). Nick Park und seine Animatoren haben hier wirklich großartige Arbeit geleistet, die hoffentlich bei der nächsten Oscarverleihung auch entsprechend gewürdigt wird. Schade eigentlich, dass man diese Animationen, aufgrund des, schon angesprochenen, enormen Aufwands, nur aller paar Jahre zu Gesicht bekommt. Dafür kann man sie dann aber auch entsprechend genießen!

Und auch außerhalb der Animationsschiene stimmt eigentlich so weit alles. Kamera- und Regiearbeit, Schnitt, Dekoration etc. alles von der besten und schönsten Sorte. Dazu eine wunderbare Sounduntermahlung, die sich locker mit großen Werken vergleichen lässt. Egal ob es die eher lieblichen, realistischen Geräusche bei W&Gs Müßiggang sind oder die gruseligen, regelrecht brachialen Geräusche, wenn das Ungetüm im Karnickelfell seine Runde macht. Alles klingt hier absolut optimal und in jeder Hinsicht glaubwürdig. Dazu die wunderbare Musikuntermahlung von Hans Zimmer, die einmal mehr beweist, dass Zimmer, trotz des Spotts von allen Seiten, mit zu den besten Filmkomponisten gehört, die es überhaupt gibt. Vor allem das Titeltheme in allen möglichen Variationen zu hören, macht großen Spaß.

Was die Stimmenauswahl angeht, hat man sich dieses mal allerdings nicht auf die Stimmen prominenter Künstler verlassen und auch nur selten auf eine bekannte Stimme aus der Reihe der Synchro-Ase zurück gegriffen. Bei Wallace ist dies sicherlich eine gute Entscheidung, denn so bekommt er hier seine Stimme, die man auch schon aus den Shorties kennt. Bei den anderen Figuren hätte die ein oder andere bekannte Stimme aber sicher gut getan. Im Original sieht es da schon ein wenig anders aus. Dort wirken u.a. Helena Bonham Carter als Lady Campanula Tottington mit und Ralph Fiennes als Victor Quartermaine. Aber nun gut, vom fehlenden Promi-Bonus abgesehen, ist die Synchronisation dennoch sehr gut gelungen und die einzelnen Stimmen passen auch gut zu ihren Charakteren. Und das ist, unterm Strich, sicher das Wichtigste.

Fazit: Ein wirklich großer Knetfiguren-Spaß, aus dem berühmten "Aardman Animations"-Schmiede, der sich sehen lassen kann. Eine herrliche Geschichte, die von Spaß bis dezenten Grusel wirklich alles zu bieten hat, wunderbare Charaktere, eine tolle, mega-aufwändige Inszenierung, sowie eine bravouröse Sounduntermahlung, ergeben gut 85 Minuten beste Unterhaltung am Stück, die sich kein Fan der Hauptfiguren entgehen lassen darf. Auch wenn sich die kleineren Zuschauer hier und da lieber die Augen zu halten sollten und auch die ein oder andere bekannte Stimme noch etwas zu Wirkung des Films beigetragen hätte, so kann man unterm Strich eigentlich nur vollauf zufrieden sein, mit Wallace & Gromits erstem Kinostreifen.

Und in der Hoffnung verbleiben, dass sie es in ein paar Jahren vielleicht noch einmal auf die Leinwand schaffen! Gut so!

Wertung: 8/10 Punkte


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