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Es handelt sich um einen nicht zu tolerierenden Eingriff in unsere Individualität, wenn Außerirdische Besitz von unserer menschlichen Hülle ergreifen. Denn plötzlich werden die so verwandelten Individuen zu Musterknaben, rauchen und trinken nicht mehr, führen ein in jeder Hinsicht diszipliniertes Leben, aber verzichten völlig auf die geliebten menschlichen Emotionen. Wer möchte mit solchen "Monstern" schon zu tun haben ?

Don Siegels "Bodysnatcher"-Film von 1956 war eine Reaktion auf die McCarthy Ära, die hinter jeder abweichenden Meinung gleich die Gefahr des Kommunismus spürte und bekämpfte, und er verschlüsselte mit der so geschilderten "feindlichen Übernahme" von Außerirdischen den Angriff auf die geistige und künstlerische Individualität. "I Married a Monster from Outer Space" hat einen ähnlichen Ansatz, der sich aber weniger gesellschaftskritisch äußert, sondern sich als klassisches B-Picture in die Schlafzimmer der amerikanischen Gesellschaft wagt.

Der offensichtlichste Unterschied zeigt sich schon zu Beginn, denn während Don Siegel auf personifizierte Außerirdische bewusst verzichtete, greift ein Monster Bill Farrell (Tom Tryon) direkt an. Er war auf dem Heimweg nach seiner Jungesellen-Abschiedsfeier und hatte einen Körper auf der Strasse liegen sehen. Doch statt diesem helfen zu können, wird er von einer Kralle gepackt und von einer Nebelwolke umschlossen. Als er am nächsten Morgen zu seiner Hochzeitsfeier auftaucht, scheint alles in Ordnung, aber seiner jungen Frau Marge (Gloria Talbott) fallen schnell Ungereimtheiten auf. Die Flitterwochen sind ein emotionales Desaster, so dass sie einen Brief an ihre Mutter schreibt, wie sehr Bill sich verändert hat und das es sich nicht um den Mann handelt, den sie geliebt hat. Doch der Brief wird von ihr nicht abgeschickt...

Erzählerisch gibt es ein paar Ungereimtheiten, wenn etwa gezeigt wird, dass Bill den Lichtschalter im Auto nicht findet, aber immerhin wusste, wo die Hochzeit stattfand und er auch sonst recht gut bescheid weiß. Doch diese Details verschwinden hinter einer sehr gelungenen optischen Atmosphäre, die das gesamte Szenario ständig in dunkles Licht taucht. Das unterstützt die leblose Statik, die über dem gesamten Geschehen liegt, und die dem Ganzen einen unheimlichen Charakter gibt. „I Married a Monster from Outer Space” entwickelt seinen Suspense ganz klassisch daraus, dass Marge mit der Zeit herausfindet, dass ihr Mann in Wirklichkeit ein Außerirdischer ist, ihr aber Niemand glaubt und sie feststellen muss, dass die polizeilichen Schaltstellen von den Außerirdischen eingenommen wurden. Es scheint kein Entrinnen zu geben…

Glücklicherweise beschränkt sich der Film meistens auf dezente Überblendungen der menschlichen Gesichter. Dadurch entsteht eine ausreichende Wirkung, ohne zu sehr in trashige Gefilde abzugleiten, denn die Darstellung der Außerirdischen und des Raumschiffs wirken – gerade im Gegensatz zu den sehr schönen Schwarz-Weiß-Bildern – sehr primitiv. Trotzdem ist das frühe Erkennen der Außerirdischen nur konsequent, denn es verdeutlicht den eigentlichen Sub-Text, der dem Film erst seine Eigenständigkeit gibt.

Zwar erkennt Marge sehr schnell, dass sich ihr Ehemann verändert hat, aber sie zieht keine Konsequenzen daraus. Noch vor der Hochzeitsnacht sieht man im Blitzlicht dessen wahres „monströses“ Antlitz, aber ganz offensichtlich wird diese Nacht vollzogen. Die eigentliche Handlung beginnt dann auch erst ein Jahr nach der Hochzeit und Marge ist trotz aller Frustration über den lieblosen Ehemann ganz die perfekte Ehefrau. Die natürlich auch von einem großen Kinderwunsch getrieben wird (der einzige im religiösen Sinne legale Grund für Geschlechtsverkehr), was sie angesichts ausbleibender Schwangerschaft zur Verzweiflung bringt.

Den Horror, den der Film hier zeichnet und der sich schon im plakativen Filmtitel andeutet, geht über den üblichen Alien-Angriff hinaus, denn hier werden sämtliche moralische Werte der späten 50er Jahre mit diabolischer Freude auseinander genommen. Das zeigt sich schon in einer der ersten Szenen, als Bill und seine Freunde in die Bar gehen und an einem knutschenden Pärchen vorbeikommen, das sich nicht einmal durch ein Klopfen an die Autotür stören lässt. Als Bill die Bar nach der Feier wieder verlässt, befinden sie sich immer noch im Clinch – doch gerade als dieser in sein Auto steigt, knallt sie ihrem Partner eine.

Diese unterschwelligen Anspielungen werden immer weiter voran getrieben, indem die Außerirdischen einerseits die amerikanischen Frauen – für diese natürlich unbewusst – schänden, andererseits wie die Moralapostel auftreten. Ausgerechnet Bill’s lebenslustiger Freund wird ebenfalls verwandelt und will auch plötzlich seine langjährige Freundin heiraten.
Und wenn die Außerirdischen kurzerhand die einzig promiskuitive Frau in der Kleinstadt mit ihrer Laserkanone eliminieren, dann verzeiht man dem Film sein etwas profanes und an den Haaren herbei gezogenes Ende (7/10).

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