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Jungfrau (40), männlich, sucht... (2005)
Eine Kritik von Hey_Yo (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 23.09.2005, seitdem 763 Mal gelesen
Das RomCom-Genre hat eigentlich ein ziemliches Problem, da es so mit das innovationsloseste überhaupt ist: irgendwelche Teenies oder Twentysomethings durchleben immer wieder die gleichen Situationen, um dann doch am Ende mit ihrer großen Liebe zusammen zu kommen. Dennoch sind die Filme, solange man die Vorliebe dafür teilt, des Öfteren sehr unterhaltsam - und wenn man ihn sich nur mit der Freundin anguckt/angucken muss. Was die neueste RomCom "The 40 Year Old Virgin" dann aus dem ganzen Einerlei von Filmen wie "She's all that" und "...along came Polly" hebt, deutet der Titel schon an. Hier befinden wir uns nicht an einer Highschool, hier haben wir es mit einem 40jährigen Hauptdarsteller zu tun. Sein Problem im Gegensatz zu 99,9% der Teenies in den Teeniefilmen: er hatte selbst in seinem Alter noch keinen Sex. Bis heute ging jeder sexuelle Ausflug nach hinten los und irgendwann war er es dann leid und schwor dem Sex im Gegensatz zu Josh Hartnett in "40 Days and 40 Nights“ nicht nur für 40 Tage ab, sondern für immer. Denn wie die Werbezeile schon weise verlauten lässt: Je länger man wartet, desto härter wird es. Das muss auch Andy (Steve Carell; "Bruce Almighty") realisieren, als seine Freunde anfangen, ihn zu verkuppeln. Das ist aber dermaßen unterhaltsam, dass die fast zwei Stunden wie im Fluge vergehen und für jede Menge gute Laune sorgen...
Andy ist wie gesagt 40 Jahre alt und hatte noch nie Sex. Das dürfte zum einen an seiner schüchternen Art und zum anderen an seinen Hobby, nämlich Actionfiguren, die immer noch original verpackt sind, liegen, aber dennoch sorgt es für reichlich Gelächter unter seinen Arbeitskollegen aus dem Elektroladen, als sie davon erfahren. In gewisser Weise tut er ihnen leid, sodass sie, jeder auf seine Art, versuchen, ihm eine Freundin zu verschaffen...
Ob es die Tipps vom Romantiker David (Paul Rudd) sind oder entsprechende vom untreuen schwarzen Sexisten Jay (Romany Malco). Andy wird in allerhand Situation geworfen, in denen er sich sichtlich alles andere als wohl fühlt. Zuerst muss er, Jay sei dank, "Schlampen anbaggern“, um sich schnell von seiner Unschuld zu befreien. Das aber endet in einer der witzigsten Autofahrten seit Tim Robbins und Martin Lawrence sich das erste Mal in "Nothing to lose" begegnen. Er steigt in das Auto einer blonden, betrunkenen "Schlampe" (er kann ja nicht fahren, da er nur Fahrrad fährt) und ist auf dem Weg in ihr Bett, als sich die Autominuten als einige der schlimmsten in seinem Leben herausstellen. Denn neben dem Erzählen kann sie sich nicht auch noch auf den Verkehr konzentrieren und verursacht den ein oder anderen Blechschaden.
Das soll aber nicht die einzige Szene bleiben, bei denen man durchaus in die Nähe von Tränen in den Augen kommt. Die "Wachsszene" ist ebenso genial wie die "Kondomszene". Auf den schlimmsten Fäkalhumor verzichtete man glücklicherweise, da der in dieser Umgebung auch völlig deplatziert wäre. Auf Grund einiger "Formulierungen" ist der Film aber auf einem guten Weg zum American Pie-Niveau ohne dessen Tiefschläge zu erreichen.
Selbst wenn man noch lange nicht das Alter des Protagonisten erreicht hat, kann man hier einen Heidenspaß haben. Denn Andy benimmt sich alles andere als reif für sein Alter. Die introvertierte, schüchterne Jungfrau kommt einem eher wie eine 15jährige vor, der ihr Herz aufgeht, wenn sie vor Actionfiguren steht, Comics liest oder Videospiele spielt. Allerdings passt es nicht ins Jugendbild, dass Andy jegliche Form von Pornos ablehnt.
Steve Carell passt perfekt in die Rolle und spielt einfach klasse. Seine Annäherungsversuche und Bekanntschaften werden erst durch die geniale Darstellung so lustig. Als er im Buchladen Beth (Elizabeth Banks) anspricht, wirkt er so verkrampft, dass man ihm am liebsten in den Arsch treten möchte. Hilflosigkeit gepaart mit Schüchtern- und Unerfahrenheit führen zu den komischsten Situationen, in denen man sich befindet, wenn man das erste Mal ein, wohlgemerkt nicht Frau, Mädchen anspricht. Alle anderen dürften das mit 40 längst hinter sich haben. Doch ihn packt immer wieder die nackte Angst - und das merkt man ihm jede Sekunde an. Als er mal nicht krampfhaft versucht, eine Handynummer zu bekommen, klappt es aber wie von alleine, da er einfach nicht darauf vorbereitet war, und er lernt Trish (Catherine Keener, "The Interpreter") kennen, der er langsam näher kommt. Doch die Angst seiner Unerfahrenheit schwingt immer mit...
Dass der typische RomCom-Ablauf eingehalten werden muss, ist von vornherein klar. Wie es ausgeht, sieht man nach spätestens 34 Sekunden und das führt logischerweise zur Vorhersehbarkeit. Allerdings ist das ganze so spaßig, da Andy halt einmal nicht einer ist, der um die 20 nach der ersten großen Liebe sucht. Er sucht diese zwar auch, aber ist dabei doppelt so alt, sodass die Szenen, die man eigentlich schon des Öfteren gesehen hat, noch mal in einem neuen Licht erstrahlen und unterhalten. Kennen lernen, Streit, Happy End. So läuft es aber auch hier ab. Wieso nicht mal der Mut zu weiterer Variation durchkommt, ist zwar schade, aber man sollte immer mit dem Vorhandenen zufrieden sein, wenn es auch noch zu solch einem spaßigen Kinogang führt wie hier. Immerhin gönnt man es gerade Andy, dass es doch mal alles mehr oder weniger so klappt, wie er sich das vorstellt.
Der Rest der Darsteller ist zwar neben Carell ein wenig Nebensache, doch auch die haben Spaß an dem, was sie da machen. Die Frauen kommen hier nicht besonders gut weg (es gibt so jedes Klischee an Frau; "Schlampen" gleich des Öfteren), aber dafür gibt es noch den schwarzen Arbeitskollegen, der seine Freundin ebenfalls betrügt. Seine weiteren Freunde sind von Grund auf verschieden und versuchen, auf unterschiedliche Weise zum Erfolg zu kommen, während sie Andy noch helfen. Auch sie werden schlussendlich fündig - trotz ihrer Eigenarten, die den Film um weitere Lacher bereichern.
Negatives gibt es neben dem Ablauf der Geschichte kaum. Einzig die Schlussgesangs- und Tanzszene hätte man sich schenken können. Die ist nämlich im Gegensatz zum Rest des Films in keiner Weise lustig und nervt fast schon. Aber ganz zur Not kann man zwei Minuten vor Ende aus dem Kino gehen.
Was bleibt ist eine verdammt unterhaltsame RomCom, die diesmal nicht in der Highschool spielt. Die Tatsache, dass der Protagonist mit 40 noch Jungfrau ist, bringt die bekanntesten Situationen durcheinander und sorgt so für knapp zwei Stunden pure Unterhaltung. Der Liebesaspekt und die ewigen Streiterei vor dem Happy End nehmen mit der Laufzeit immer mehr zu, doch der Humor wird nie verloren wie es schon bei manchem Genrevertreter vorkam. So herzlich habe ich seit langem nicht mehr gelacht, obwohl der Platz an der Komödien-Sonne in diesem Jahr immer noch für "Meet the Fockers" reserviert ist. Trotz der enormen Laufzeit (für eine RomCom) wird es nie langweilig, was den tollen Darstellern zu verdanken ist. Eine klare Empfehlung und sicherlich eine DER RomComs dieses Jahr. Für Fans des Genres sowieso Pflicht, alle anderen sollten aber ruhig auch einen Blick riskieren...
Das Review basiert auf der Kinofassung, also der 17 Minuten kürzeren Version. Da diese mir schon ab und an mal zu lang vorkam, wäre eine niedrigere Wertung für die XXL-Fassung, die ich allerdings nicht kenne, möglich.
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