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Jungfrau (40), männlich, sucht... (2005)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 04.02.2006, seitdem 1075 Mal gelesen


Ob der deutsche Titel „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ auf „Weiblich, ledig, jung, sucht…“ anspielen ist nicht ganz klar, aber ausnahmsweise klingt er mal etwas spritziger als der biedere Originaltitel „The 40-year Old Virgin“.
Die titelgebende Figur ist Andy Stitzer (Steve Carrell), ein liebenswerter, aber etwas naiver Verkäufer in einem Elektrofachgeschäft. Er hat wenig soziale Kontakte, seine Wochenenden sind wenig aufregend und er sammelt Actionfiguren sowie Videospiele. Etwas von einem Nerd hat er schon, aber nicht im negativen Sinne: Er ist ein liebenswerter Außenseiter, der das Thema Frauen nach einigen Misserfolgen aus reiner Angst und Schüchternheit an den Nagel gehängt hat.
An Andys Arbeitsplatz fast nur Männer und ein paar von ihnen laden Andy zu einer nächtlichen Pokerrunde im Laden ein, an deren Ende außer Andy nur noch drei von ihnen da sind: Der hoffnungslose Romantiker David (Paul Rudd), der immer noch seiner Ex-Freundin nachtrauert, die ihn vor zwei Jahren auf mieseste Weise verließ, der tätowierte Rockmusikfan Cal (Seth Rogen) und der stets sprücheklopfende Kleinmacho Jay (Romany Malco). Damit haben wir drei höchst unterschiedliche Sidekicks und drei höchst unterschiedliche Ansichten zum Thema Frauen.

Genau in dieser Gesellschaft platzt Andy heraus, dass er noch Jungfrau ist. Danach fühlen sich die drei zu einer Mission berufen: Andy sein erstes Mal zu verschaffen und schleifen ihn dafür mit in Clubs, zum Speed-Dating usw.
Die Ausgangsidee mit der 40jährigen Jungfrau ist neu, das Strickmuster nicht unbedingt. Ähnlich wie bei „American Pie“ ist klar, dass Andy Erfolg haben (aber erst am Ende), dass bis dahin viele Pannen passieren und dass wir natürlich lernen, dass echte Gefühle doch noch das Wichtigste sind. Insofern bietet der Plot wenige Überraschungen, das Auftauchen der properen Trish (Catherine Keener) vom Laden gegenüber gibt Raum für romantische Parts. Doch das Ganze erzählt „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ dermaßen spritzig und elanvoll, dass die Laufzeit von ca. 126 Minuten (in der DVD-Version) kaum auffällt. Stellenweise hätte man etwas kürzen können, doch Langeweile kommt hier nie auf.
Grund dafür sind die wunderbar getimten Gags mit denen „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ um sich wirft. Gross Out Humor gibt es nur ganz selten (an sich nur die Szene, in der eine besoffene Frau Andy voll kotzt), dafür dominieren wunderbar getimter Slapstick (herrlich: Davids Ausraster im Laden beim Gedanken an seine Ex-Freundin, was zu einem seltsamen Video führt oder die „Dude, teach me“-Szene) und extrem lustigen Wortgefechten führt (z.B. die launige Szene, in der sich Cal und David gegenseitig mit dem Spruch „How I know that you’re gay“ auf die Schippe nehmen). So gut wie hier war das Gagtiming in letzter Zeit selten und es ist wirklich kaum ein Rohrkrepierer bei der hohen Gagdichte dabei.

Doch „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ hat eines bei dem „American Pie“-Rezept verstanden, was viele Nachahmer nicht haben: Derber Humor alleine reicht nicht, sondern auch die Protagonisten sollten einem sympathisch sein und so werden die Charaktere trotz ihrer Macken nie zu Witzfiguren. Zwar erleiden alle Pannen, doch man lacht mehr mit ihnen als über sie und auch Andys etwas verträumte Lebensweise wird nie lächerlich gemacht. Trotzdem bleibt „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ selbst beim Happy End angenehm kitschfrei und in Andy oder seinen Sidekicks kann man sich zumindest teilweise selbst ein wenig wieder erkennen.
Der bisher ziemlich unbekannte, meist im US-Fernsehen tätige Komiker Steve Carrell (der hier auch als Co-Autor fungierte) spielt Andy auf absolut liebenswerte Weise und kann den Film auch sehr gut auf seinen Schultern tragen. Catherine Keener als eine der wenigen Frauen im Ensemble ist umwerfend und auch die drei Sidekicks spielen fantastisch. Vor allem Paul Rudd („Friends“-Fans noch aus Staffel neun und zehn bekannt) ist einfach wunderbar in der Rolle des Romantikers mit der schlechten Erfahrung.

Neu ist das Strickmuster von „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ nicht, die Grundidee schon. Zudem füllt der Film seine recht stolze Laufzeit mit vielen wunderbar getimten Gags und vergisst auch nicht, die Charaktere sympathisch rüberkommen zu lassen, sodass eine der besten Komödien der letzten Jahre dabei herauskommt.


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