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Revenge of the Warrior - Tom yum goong (2005)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 24.02.2006, seitdem 2607 Mal gelesen


Das thailändische Kino mag im internationalen Wettbewerb eigentlich keine ernsthafte Rolle spielen, hat 2003 aber nun einmal „Ong-bak“ hervorgebracht, der schnell voreilig zu einem Meisterwerk gekürt wurde, obwohl er außer ein paar, zugegeben guter, harter Fights von Hauptdarsteller Tony Jaa nichts Erwähnenswertes zu bieten hatte.
Die Production Values waren gering, die Alibistory eine Zumutung und die Darsteller nebst Dialoge für die Katz’. Dass es auch besser geht, zeigte „Ong-bak“ – Martial Arts Choreograph Panna Rittikrai, auch Ziehvater von Tony Jaa, dann bereits ein Jahr später mit „Born To Fight“, der von einer zweckmäßigen Geschichte ausging und maximale, akrobatische Action bestellte, die Martial Arts mit Gunplay und diversen Stunts nebst explosiven Verfolgungsjagden ergänzte. Das Potpourri ging auf, weil es sich als kurzweiliges Actionfeuerwerk präsentierte, das die schauspielerischen und inhaltlichen Defizite mit seinen spektakulären Momenten und dem hohen Tempo geschickt retuschierte.

Nun sind die „Ong-bak“ – Macher allerdings wieder zurück, knüpfen dort mit sichtlich angehobenem Budget an, wo sie aufgehört haben und machen einen Großteil der Fehler leider noch einmal.
Anstatt „Tom yum goong“ mit einem Drehbuch zu versorgen, das einen 90minütigen, rasanten Actionflick garantiert, recyceln die Macher die leicht variierte Story ihres Erstlings noch einmal, schicken Tony Jaa, dieses Mal auf der Suche nach seinem heiligen Elefanten, von Thailand nach Sydney, Australien, um nun mit aller Macht weiter den internationalen Markt anzusprechen und fassen sich dabei mit 105 Minuten mindestens 15 Minuten zu lang.

Denn das Storykonstrukt um die erstklassige, referenzverdächtige Kampfakrobatik ist auch hier wieder nur Crap, der zum Vorspulen einlädt. Die schillernde Metropole Australiens nutzt der Film leider überhaupt nicht. Dafür darf der Zuschauer in aller Ausführlichkeit dabei zuschauen, wie Tony Jaa von Kindheitsbeinen an, wie in einem Kinderfilm der Marke „Das Dschungelbuch“, sich mit seinen Elefanten, die dort eine heilige Bedeutung genießen, im märchenhaften Dschungel tummelt und den großen Otto los macht, als man seinen Vater (?) auf dem Markt schwer verletzt und den Nachwuchs-Trompeter verschleppt, worauf Tony Jaa den das volle Spektrum (Drogen, Tierhandel, Prostitution, etc.) bedienenden Schurken nachreist, um den Elefanten zu befreien und sich mit der fiesen Peitscherin Madam Rose (Xing Jing) anzulegen.

Nun ist Jaa zwar ein wirklich außergewöhnlich talentierter Techniker, der mit seinen akrobatischen Sperenzchen und knallharten Martial Arts – Moves unzähligen Widersachern auch in seinem zweiten Auftritt Angst und Schrecken lehrt, Knochen dutzendfach bricht oder gar gleich umbringt, aber ohne Charisma und kein sonderlich guter Schauspieler, der diesen Film abseits der Action zu tragen vermag, was „Tom yum goong“ doch immer wieder deutlich hinunterzieht. Saltos, unglaublich hohe Sprünge, Kicks, wieselflinke Manöver und eine unglaubliche Körperbeherrschung hat der Mann drauf, aber wenn er den Mund aufmacht, ist es aus.

Nichtsdestotrotz gibt es auf dem Martial Arts - Terrain aktuell kaum gleichwertige Produktionen. „Sha Po Lang“, der „wirkliche“ Fights höchster Güteklasse auffuhr, oder der französische „Banlieue 13“ fallen mir da höchstens spontan auf Anhieb noch ein. Während beispielsweise das Motorboot-Rennen noch ein wenig unter den schwachen Effekten leidet, steht der Rest ganz im Zeichen von Tony Jaas außergewöhnlicher Körperbeherrschung. Die Choreographie ist topp und hart, die Gegner dieses Mal abwechslungsreicher und exotischer, reichen von Wrestlern (Nathan Jones wird demnächst auch in Jet Lis „Fearless“ zu sehen sein) über Wu Shu - Kämpfer bis zu Capoeira-Fightern, bieten deswegen auch unterschiedliche Stile und sind Jaa absolut ebenbürtig. Der Junge muss teilweise schon ganz schön einstecken, bevor er austeilen darf.
Trotz etlicher, abwechslungsreicher Kampfszenarien, wie u.a. der Kampf in einem Lagerhaus gegen eine Horde skatender Widersacher und einem erstklassigen, sehr langen Endkampf, in dem Jaa minutenlang nicht mehr zur Ruhe kommt, weil Dutzende von Akteuren auf ihn einprügeln und er sie der Reihe mit ständigen Knochenbrüchen nach kampfunfähig macht, ist sein Eindringen in den Club (Restaurant, Puff, was weiß ich...), Brian de Palma - mäßig minutenlang in nur einem (!) Take inszeniert, über mehrere Etagen mit halsbrecherischen Stunts wohl das wahre Highlight des Films. Ohne Unterlass krachen dort Gegner in die Tiefe, knallen Köpfe durch Wände, wird das Interieur zerlegt oder werden die Henchmen kampunfähig gemacht, während mittendrin Tony Jaa wie ein nicht zu bändigender Wirbelsturm durchpfercht.

Abwechslung zur Ernüchterung gibt es bis zum langen Showdown dafür regelmäßig und sie nerven enorm, weil diese Albernheiten in so einem Film einfach nichts zu suchen haben. Den trotteligen Cop Mark (Petchtai Wongkamlao) hätte man beispielsweise komplett streichen können, denn er ist Tony Jaa keine große Hilfe und stört ständig den Ablauf des Films, der ab und an sogar mal Tempo entwickelt.
War „Ong-bak“ noch eine bierernste Angelegenheit, so will „Tom yum goong“ schon langsam witzig sein, doch das geht gewaltig nach hinten los, denn anstatt Selbstironie wird der Slapstick-Hammer geschwungen – ohne Erfolg.

Meine Güte, warum einfach, wenn es auch kompliziert geht, oder wie?
Die Szenen um Madam Rose hätte man auf ein Minimum herunterfahren können, so dass sich gleich auch ein paar überflüssige Nebenfiguren als Ballast über Bord gegangen wären und schon hätte das Resultat ganz anders ausgesehen. Noch etwas Pathos subtrahiert und es hätte sogar für einen guten Genrefilm gereicht. Aber so...
Regelmäßige Langeweile, blasse und nicht einmal ansatzweise interessante Stereotypen, teilweise ohne einen Zweck, bevölkern die Szenen zwischen der Action.
Dann schwenkt die Stimmung auch noch öfter abrupt zwischen ernst und spaßig, was der Unterhaltung auch nicht gerade zugute kommt. Ich habe mich hier jedenfalls nie „gepackt“ gefühlt oder gar mit Tony Jaa gefiebert, sondern fand einfach nur die Kampfszenen klasse.

Immerhin sorgt der im Vergleich zu „Ong-bak“ aufgebohrte Look für ein paar optische Reize und etwas mehr Abwechslung, da mehr Handlungsspielorte bereist werden konnten. Prachya Pinkaew macht da wirklich einen sehr soliden Job und hat seit seinem Erstling, insbesondere was den Umgang mit der Kamera angeht, einiges dazugelernt.
Diesen absolut mies animierten, traumartigen Flashback hätte er sich allerdings sparen können und die Halle, in der das Finale stattfindet, sieht auch schon arg trist aus. Dagegen war das unter Wasser stehende Gebäude, im Inneren durch Flammen flankiert, in dem Tony Jaa während des Films zum ersten Mal einen Kampf-Marathon überstehen muss, wesentlich attraktiver. Aber, sofern chronologisch gedreht wurde, vielleicht begann das Budget am Ende auch knapp zu werden.


Fazit:
Da kann die sich mit Scheuklappen bedeckende Hardcore-Fan-Fraktion noch so vehement einreden, dass es in einem Film nur auf die Action ankommt, und man deswegen eben 10 Punkte geben muss. Muay Thai – Artist Tony Jaa, übrigens mit wenig Text, bricht leider nicht zu neuen Ufern auf, zeigt in „Tom yum goong“ aber, dass „Ong-bak“ keine Eintagsfliege war, mit ihm auch in Zukunft zu rechnen ist und Hongkong sich warm anziehen kann. Wenn der thailändische Film demnächst über die finanziellen Mittel verfügt, optisch noch ansprechender zu inszenieren und die Screenplays ausgereifter werden, wächst da ernstzunehmende Konkurrenz heran.
„Tom yum goong“ kann da noch nicht ganz mithalten. Auf die harte, spektakuläre Action mit allen ihren exotischen Beteiligungen will ich dabei nichts kommen lassen, denn die ist ohne Frage aller erste Sahne. Da fallen einem in manchen Szenen fast die Augen aus, denn was Tony Jaa da für Moves reißt, ist unglaublich.
Aber der Rest ist leider für die Mülltonne. Das Tempo stimmt nicht, die Alibistory gehört flotter, zweckmäßiger und kürzer, die Darsteller sind durchgehend schwach und der alberne Slapstick-Humor, auf den ich gar nicht kann, nervt ungemein.
Ich bin gespannt wie „Sword“, das nächste Projekt von Tony Jaa und Regisseur Prachya Pinkaew, ausfallen wird, denn der Fortschritt gegenüber „Ong-bak“ ist hier allgegenwärtig.


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