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Pakt der Wölfe (2001)

Eine Kritik von Der Pate (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 03.05.2005, seitdem 305 Mal gelesen


Es geschah im Jahre 1764, dass in der dünn besiedelten Region Gévaudan im Süden Frankreichs eine schreckliche Bestie ihr Unwesen trieb. Meist waren es Frauen und Kinder, die von dem geheimnisvollen Ungeheuer, das in den dunklen, nebligen Wäldern hausen musste, angefallen und getötet wurden. Die Leichen, die man fand, waren brutal verstümmelt worden. Schließlich gab der König den Befehl, irgendeinen großen Wolf zu fangen und als Bestie zu präsentieren. Die Sache war beendet – die Morde gingen weiter…

Soweit die Historie, was Christophe Gans "Der Pakt der Wölfe" zugrunde liegt. Denn der Film ist die spannende Aufbereitung dieser legendären Vorgänge, die sich sozusagen am Vorabend der französischen Revolution ereigneten.
Die Charaktere die Christophe Gans auftreten lässt, sind authentisch. Da ist einmal der Naturwissenschaftler Grégoire de Fronsac (Samuel Le Bihan), der den Geist der Aufklärung vertritt. Er wurde vom König angeheuert, um das Phänomen zu erforschen. Dabei ist er bemüht, den Leuten zu beweisen, dass man es mit keinem mörderischen Fabelwesen oder irgendwelchen übernatürlichen Kreaturen zu tun hat, sondern mit etwas naturwissenschaftlich Erklärbarem. Dabei hat Fronsac stets einen Begleiter bei sich – Der wortkarge Indianer Mani (Mark Dacascos) und zugleich Fronsacs Blutsbruder. Unbeirrt folgt er allen Hinweiden und hilft seinem Freund, das Rätsel zu lösen. Zudem beherrscht der Spurensucher die waghalsigsten Kampftechniken. Mit Mani bringt der Regisseur hier einen Charakter voller Mysterien, Action und einem Hauch von Naturphilosophie ins Spiel.
Ist die Bestie das sie suchen von übernatürlichen Ursprungs oder ein reales, vielleicht auf schreckliche Weise manipuliertes Wesen. Immer mehr verdichtet sich der Verdacht, dass es nicht von sich aus zuschlägt, sondern von jemandem gelenkt wird. Doch von wem?

Auf den ersten Blick klingt die Handlung wie nach Jean-Jacques Annauds dunklen Historienkrimi Der Name der Rose, doch man sollte sich davon nicht täuschen lassen. Die, die eine typische Geschichtsaufbereitung erwarten, werden von einer wilden Mischung aus Historiendrama, Krimi-Ermittlung, Kung-Fu-Action und Gore-Effekten überrollt. Der Film behält trotz der historischen Kulisse viel Manga Flair. Vor allem die von Gans selbst favorisierte Figur des Mani dient dem Regisseur dazu, einen typischen Manga-Charakter in die Handlung zu integrieren, eine faszinierende Mischung aus letztem Mohikaner und einem begabten Kämpfer. Zudem ist das vorrevolutionierte Frankreich bei Gans zugleich historische Epoche, eine Fantasie Welt und exotischer Hintergrund für eine moderne Monster-Geschichte.
Die darstellerischen Leistungen sind einfach fantastisch. Samuel Le Bihan ("Der Kodex") spielt als Fronsac den typischen, über alles mögliche Bescheid wissenden Wissenschaftler einfach klasse. Mark Dacascos ("Crying Freeman", "Drive") dagegen spielt den Charakter Mani, der mehr ist als nur ein Begleiter Fronsacs. Er ist mysteriös, besitzt magische Verbindungen zur Natur und besitzt einen perfekt ausgefeilten Kampfstil – ebenfalls eine grandiose Leistung. Der Rest des Ensembles ist schauspielerisches ebenfalls allererste Sahne. Von Émile Dequenne als Marianne über Vincent Cassel ("Dobermann") bis hin zu Monica Bellucci ("Tränen der Sonne").

Mit "Der Pakt der Wölfe" hat der Regisseur Christophe Gans viel gewagt. Was auf den ersten Blick wie ein atmosphärischer Horrorfilm wirkt, ist im Grunde genommen viel mehr. Nach einem furiosen und bedrohlichen Einstieg könnte er ein wenig langweilig wirken, wenn eine Fülle an Dialogszenen das Tempo etwas runterzieht. Doch anderseits sind das natürlich keine unnötigen Szenen, sondern sie dienen dazu, um mehr Aufklärung zu liefern.

Fazit: Regisseur Christophe Gans ("Crying Freeman") hat mit "Der Pakt der Wölfe" eine herausragende Mixtur aus Kostümdrama, Krimi und Kung Fu inszeniert, das dank dieser Einflüsse ein eigenwilliger und ungewöhnlicher Film geworden ist und der sich hinter grandios ähnlichen Vorgängern wie. Z.B. "Der Name der Rose" nicht zu verstecken braucht, da er sein eigenes bildgewaltiges Universum schafft.


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