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Last Boy Scout - Das Ziel ist Überleben (1991)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 14.02.2006, seitdem 593 Mal gelesen


„Was würde Joe tun? Joe würde alle umlegen und sich dann eine Zigarette anzünden…“ Wenn so ein Spruch fällt, kann ein Bruce Willis eigentlich nie weit entfernt sein und die Vermutung liegt nah, dass es den bösen Buben bald gehörig an den Kragen geht. In „Last Boy Scout“ legt er sich als abgehalfterter Privatdetektiv mit korrupten Hintermännern des Profi-Football, Auftragskillern und Leuten aus den eigenen Reihen an.

Für Willis ist das natürlich erneut eine Paraderolle, ähnelt doch sein Joe Hallenback in einigen Punkten John McClane, womit nicht nur sein Äußeres (verschwitztes Unterhemd, unrasiert, Kippe im Mundwinkel) gemeint ist. Stress mit Ehefrau, Tochter und Vorgesetzten sowie unglückliche Ereignisse in der Vergangenheit haben ihn zu einem versoffenen Zyniker werden lassen, der seinen Rausch öfter im Auto ausschläft als bei seiner Gattin, welche ihn mittlerweile mit einem Kollegen betrügt. Allein seine erste Szene, in dem er im Katerzustand von Kindern gehänselt wird, ist bezeichnend. So weit, so Willis.

Ein Routineauftrag führt ihn allerdings in einen Sumpf aus Macht und Korruption, der bis in höchste Kreise hinaufreicht und wie es der Zufall so will, stolpert er im Zuge seiner Ermittlungen auf Ex-Footballer Jimmy Dix, der seine besten Zeiten ebenfalls hinter sich hat und als Drogen- und Glücksspielsüchtiger ein trauriges Dasein fristet. Da sich beide aber zusammenraufen müssen, um persönliche Verluste zu rächen, bzw. mit ihrer Vergangenheit abzuschließen, wird „Last Boy Scout“ zu einem Buddy-Movie erster Klasse, das vor allem von der hervorragenden Chemie zwischen Willis und Wayans lebt. Jede ihrer gemeinsamen Szenen ist ein Heidenspaß, schenken sie sich doch gar nichts, wenn es um coole Sprüche und Schlagfertigkeit geht. Dialoge der Marke „Hey, Sie sind ein Niemand“ – „Pst, dann verrat’s auch niemand!“ sind unter Genrefans längst zu Klassikern avanciert.

Das eigentlich Bemerkenswerte an „Last Boy Scout“ ist jedoch sein zutiefst zynischer und menschenverachtender Unterton, den man so rabiat in den 90ern nur noch selten zu Gesicht bekam. Die Bad Guys beißen gleich reihenweise ins Gras (und das meistens auf sehr explizite Weise), ansonsten wird so beiläufig gestorben, als ob es nichts wäre. Fans alter Schwarzenegger- und Stallone-Streifen kommen da voll auf ihre Kosten (für die vertümmelte TV-Version gilt das natürlich nicht) zumal Hallenback keinen auslöscht, ohne vorher noch einen coolen One-Liner vom Stapel zu lassen. Tony Scott setzte das hervorragend in Szene, verwendete viel Farbfilter und verleiht dem Film somit stellenweise ganz spezielle optische Reize, wie man das später vom Team Bruckheimer/Bay kennen sollte. Trotzdem ist hier nichts glatt poliert wie in den Hollywood-Actionern zu Mitte der Neunziger, sondern immer schön dreckig und verrucht.

Wer jetzt denkt, das sei nur ein toller Actionfilm unter vielen, liegt falsch, denn „Last Boy Scout“ ist im Grunde genommen DER Abgesang auf das Machokino der 80er schlechthin. Ein rabiater Held, die Inszenierung laut und vor Blut nur so triefend, dazu ein Frauenbild, dass die holde Weiblichkeit auf Nutten und untreue Ehefrauen reduziert, das pubertierende Gör als Willis Tochter mal nicht mitgerechnet. Anfang der 90er war das längst nicht mehr zeitgemäß, aber Erfolgsproduzent Joel Silver, auch einer, der das hier gefeierte Genre hinter den Kulissen mitprägte, zeigte damit noch ein letztes Mal derart konsequent, worauf es in den Achtzigern ankam. Später ging er wie so viele andere seiner Ära einen anderen Weg und hatte mit „Matrix“ auch beträchtlich mehr Geld in den Kassen zu verzeichnen.

Für Fans guter, alter Old-Scool-Action ist „Last Boy Scout“ dennoch so etwas wie eine feierliche Bestattung sämtlicher Genremythen, die bei aller (erfreulicher) Härte die sentimentalen Seiten nicht vergisst. Oder verdrückt ihr nicht auch jedes Mal wieder eine Träne, wenn Willis und Wayans in den Sonnenuntergang verschwinden und Pat Boone seinen Klassiker „Moody River“ zum Besten gibt? Two Thumbs up!


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