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Zwielicht (1996)

Eine Kritik von zeckpetzki (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 04.04.2006, seitdem 315 Mal gelesen


Typischer Gerichtsthriller mit allerhand dramatischen Wendungen

Manchmal erwischt ein Schauspieler Rollen, die ihm wie auf den Leib geschnitten sind. Bei Al Pacino war das „Scarface“, Robert de Niro ist ein „Good Fella“, kein anderer hätte „Indiana Jones“ besser verkörpern können als Harrison Ford...und Richard Gere als smarter Anwalt ist ebenfalls ein Paradebeispiel. Im Grunde ist Gere kein großer Schauspieler, aber er sieht gut aus, mit seinen silbergrauen Haaren besitzt er Ausstrahlung, sein Lächeln kann überzeugen...all das braucht ein Anwalt, wenn er im amerikanischen Justizsystem nach vorne kommen will, denn wir wissen, hier geht es nicht um Schuld oder Unschuld, sondern einzig und allein darum, zwölf Geschworene zu überzeugen, und dazu sind alle Mittel erlaubt.

Gere nun verkörpert den Staranwalt Martin Vail, immer Sieger, raffiniert, eloquent und nur an seiner Karriere interessiert. Ideal also, wenn er die Verteidigung in einem spektakulären Mordfall übernehmen kann...ein Ministrant wird beschuldigt, den Erzbischof grausam erstochen und zerschnitzelt zu haben. Doch der junge Mann namens Aaron Stampler – in einer sehr frühen, aber dennoch gut ausgefüllten Rolle Edward Norton – beteuert seine Unschild, obwohl alle Indizien gegen ihn sprechen. Doch es scheint, als leide der Junge an Schizophrenie, und offensichtlich hat sein anderes Ich namens Roy den Mord begangen. Mittels gewiefter Tricks spielt Vail die Staatsanwältin, mit der er einst ein Verhältnis hatte, zu seinen Gunsten aus und erwirkt einen Freispruch für seinen Mandanten. Doch dieser hat noch einen letzten Kniff auf Lager...

Sie laufen immer nach dem gleichen Muster ab, die Justizthriller, ganz egal ob als Buch oder Film. Stets ist die Lage ausweglos, stets hat die Anklage Beweise um Beweise, und niemals sieht es gut aus für den Angeklagten. Es folgt dann immer der geniale Auftritt der Verteidigung mit einem überraschenden Kniff, und das ist auch gut so, denn der Angeklagte ist IMMER unschuldig, und da wäre es fatal, diesen verurteilt zu wissen. Aber obwohl man die Muster kennt, kann man sich durch dieses Genre prima unterhalten lassen, manchmal auch miträtseln, wiewohl man ja um die entscheidenden Beweise nicht weiß und die Intuition der Verteidigung bewundert. Daher ist auch „Zwielicht“ ein gelungener Beitrag zum Genre, denn er spielt mit den notwendigen Puzzleteilchen, hat aber als finale Wendung eine auf Lager, die nicht ins Schema paßt. Gere spielt den Anwalt traumwandlerisch sicher, hat in Edward Norton auch einen guten Partner, der Rest des Ensembles ist Staffage. Spannend bis zum Schluß und insgesamt auf hohem Niveau – 8/10.


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