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Zwielicht (1996)

Eine Kritik von niklas90 (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 17.04.2008, seitdem 260 Mal gelesen


Der Erzbischof von Chicago wird ermordet aufgefunden und dessen 19-jähriger Ministrant, gespielt von Edward Norton, wird verdächtigt und schließlich vor Gericht gestellt. Sein Anwalt, gespielt von Richard Gere, hält ihn anfangs für unschuldig, muss dann aber feststellen, dass sein Mandant zwar schuldig ist, allerdings eine gespaltene Persönlichkeit hat und sich nicht mehr an seine Tat erinnern kann. Gere beginnt um das Leben seines Mandanten zu kämpfen und diesen vor der Todesstrafe zu bewaren.

"Zwielicht" ist ein Thriller in seiner besten Form, mit hervorragenden Wendungen und einigen Überraschungen gespickt und bis zum letzten Moment nicht zu durchschauen. Die Grundidee mag nicht neu sein, aber die Story, die drumherum gestrickt wurde, hat es wirklich in sich. Darüber hinaus schafft "Zwielicht" es, einen Psycho-Thriller überaus erfolgreich mit einem Justiz-Drama zu kombinieren. Die Charakterkonstruktion ist dabei ebenfalls ziemlich gut. Einerseits beschäftigt sich der Film, wenn auch nur am Rande, mit dem Rechtsanwalt des Angeklagten, und der Anklägerin, deren Verhältnis zueinander und mit ein paar juristischen und ethischen Grundfragen. Die Charakterkonstruktion Nortons steht dabei aber natürlich die meiste Zeit über im Vordergrund. Und gerade hier, in diesem psychopathischen und undurchschaubaren Charakter liegt das große Plus des Films, wobei ich das Ende vorwegnehmen würde, wenn ich weiter darauf einginge. Aber so viel sei gesagt: Das Ende ist ein Schlag in die Magengrube, vollkommen überraschend und definitiv mit furiosen Finalen wie bei "Fight Club", "The Sixth Sense" oder "Identität" vergleichbar. Die Handlung hat darüber hinaus genügend Wendungen und Komplexität, um die volle Laufzeit des Films füllen zu können.

Bei einem solch überraschenden und relativ einzigartigen Thriller ist es natürlich wichtig, dass die genialen und überraschenden Wendungen geschickt platziert werden und ihre Wirkung beim Zuschauer erzielen. Und wer könnte dies besser meistern, als Regisseur Gregory Hoblit. Er platziert die Wendungen genau richtig und hält das Erzähltempo einerseits die ganze Zeit über so niedrig, dass der Film zu keinem Zeitpunkt überhastet wirkt, wird aber nicht zu langsam, sodass der Film die ganze Zeit über bestens unterhält. Darüber hinaus steigert er sowohl die Spannung, als auch die Dramatik zum Ende hin und hält die ganze Zeit über eine relativ emotionale Atmosphäre. Der überragende Edward Norton spielt ihm dabei hervorragend in die Hände, da man ihn als Zuschauer in seiner Rolle des stotternden und geisteskranken Ministranten einfach mögen muss und sein Schicksal natürlich entsprechend dramatisch dargestellt wird. Die Musik steuert ebenfalls ihren Teil zu Atmosphäre bei. Die Umsetzung ist somit gut und Hoblit schaffte zu Recht seinen Durchbruch als Regisseur. Auch seinen nächsten Werken, zum Großteil relativ innovative Thriller, wie "Frequency", "Dämon" oder "Untraceable" merkt man seine Handschrift deutlich an.

Edward Norton ist hier in seiner ersten Rolle zu sehen und leistet überragende Arbeit. Er überzeugt sowohl in der Rolle des armen, stotternden Ministranten, als auch in der Rolle, dessen brutaler zweiten Hälfte. Er rechtfertigt seine Oscar-Nominierung und schaffte darüber hinaus mit "Zwielicht" seinen großen Durchbruch und konnte mit "American History X" und "Fight Club" auch weiterhin sein Talent beweisen. Richard Gere ist ausnahmsweise mal nicht ganz so eklig schleimig, wie in "Pretty Woman" oder "Der 1. Ritter". Er liefert eine seiner wenigen, wirklich überzeugenden Leistungen und ist in der Rolle des relativ sympathischen Anwalts ausnahmsweise sogar einmal richtig besetzt und auch Laura Linnely kann in einer ihrer ersten Rollen, als Staatsanwältin und ehemalige Geliebte von Gere überzeugen. Mit ihren nächsten Rollen in "Die Truman Show" und "Absolute Power" schaffte sie schließlich endgültig ihren Durchbruch.

Fazit:
Zwielicht ist auf jeden Fall ein überdurchschnittlicher Thriller, der sowohl als Psycho-Thriller, als auch als Justiz-Drama etwas taugt. Mit überraschenden Wendungen, einer soliden Charakterkonstruktion und guten Darstellern, allen voran natürlich dem brillierenden Edward Norton liefert Gregory Hoblit einen wirklich guten Thriller. "Zwielicht" ist auf jeden Fall empfehlenswert.


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