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Arsen und Spitzenhäubchen (1944)

Eine Kritik von Dionysos (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 16.09.2005, seitdem 1189 Mal gelesen


Es hätte ein Hochzeitstag nach Maß werden können, wäre der Theaterkritiker Mortimer (Cary Grant) nicht gewillt gewesen, sein beiden Tanten Abby und Martha zu besuchen. Diese haben es sich nämlich zum „Hobby“ gemacht, einsame Herren zu vergiften und im Keller zu begraben, um sie „von ihrem Leid zu erlösen“. Um seinen Ruf fürchtend gerät Mortimer sofort in Panik, doch alle Versuche, die Angelegenheit unter den Teppich zu kehren scheitern an immer neuen Schwierigkeiten, die mit dem Auftauchen seines verschollenen Bruders Jonathan (Raymond Massay), ebenfalls ein gesuchter Mörder, ihren Höhepunkt finden.

Der Reiz von Frank Capras Broadway-Adaption besteht insbesondere in der erfrischenden Unbekümmertheit, mit der hier agiert und inszeniert wurde. Die beiden alten Damen, hervorragend dargestellt von den beiden Original-Theater-Schauspielerinnen Josephine Hull und Jean Adair, versprühen von der ersten Minute an einen Charme, der sie trotz ihrer grausigen Taten zu echten Sympathieträgern macht, denen man einfach nicht böse sein kann. Genauso ergeht es auch dem großartigen und urkomischen Cary Grant, der verzweifelt versucht, die Sache mit Hilfe seiner Beziehungen zu bereinigen und bald dem Wahnsinn nahe ist, während seine frisch Angetraute Elaine im Nachbarhaus darauf wartet, endlich in die Flitterwochen zu fahren. Und schließlich ist da noch der geistig verwirrte Teddy (zum Totlachen: John Alexander), der sich für Präsident Roosevelt hält und unfreiwillig den Totengräber für die alten Damen spielt. Summa summarum also ein Ensemble, das bis in die Nebenrollen vollauf überzeugt und in die herrlich überdrehte Handlung perfekt hineinpasst.

Diese Handlung ist zudem mit einer Vielzahl an makaberen bis slapstickartigen Gags durchsetzt, die hier nahezu ausnahmslos zünden und den Film ohne Längen über die vollen 113 Minuten tragen können. Sei es der verrückte Teddy, der mehrmals mit einem lauten Schrei die Treppe hinaufrennt, im Glauben, einen strategisch wichtigen Hügel zu erstürmen (ein Running-Gag, der ähnlich wie der stolpernde Butler James in „Dinner For One“ mit jedem Mal lustiger wird) oder die aberwitzigen Erklärungsversuche Mortimers, wenn die Polizei nahe daran ist, das morbide Geheimnis der Ladys zu enträtseln. Die skurrilen Entwicklungen und plötzlichen Wendungen zeugen von einer Kreativität, die in der Zukunft auf ähnlich hohem Niveau selten erreicht wurde.

„Arsen und Spitzenhäubchen“ glänzt mit hochkarätigen und spielfreudigen Darstellern und einer temporeichen Inszenierung, deren böser, manchmal überdrehter, aber nie geschmackloser Humor auch heute noch bestens funktioniert. Ein zeitloser Klassiker.


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