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Syriana (2005)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 26.03.2006, seitdem 904 Mal gelesen


Die Welle der politisch-kritischen Filme rollt, doch „Syriana“ ist vor allem im Vergleich zu „Lord of War“ und „Jarhead“ der schwächste der neueren Beiträge zu dem Thema.
Ähnlich wie der bereits von Regisseur Stephen Gaghan geschriebene „Traffic“ stehen hier verschiedene Handlungsstränge im Mittelpunkte, die alle einen kleinsten gemeinsamen Nenner haben: Die Fusion zweier Ölkonzerne, einer in Amerika, einer im nahen Osten. Da mischen dann so unterschiedliche Figuren wie der eiskalte CIA-Mann Bob Barnes (George Clooney), der herzensgute Analytiker Bryan Woodman (Matt Damon) oder der großkotzige Firmenchef Jimmy Pope (Chris Cooper) mit, die allesamt auf die eine oder andere Weise mit der Fusion zu tun haben.
Doch leider liegt hier auch direkt der Hund begraben, denn eine wirkliche Story kann „Syriana“ nicht bieten. Einzelschicksale und Subplots werden aneinandergereiht, die Menge von Ort- und Zeitsprüngen ist teilweise echt extrem und es ist nicht immer einfach den Überblick zu behalten. Die Fusion ist zudem als roter Faden einfach zu schwach und der Film scheint schließlich auch nur zu enden, weil einige der Hauptfiguren tot sind.

So mangelt es „Syriana“ viel zu häufig an Spannung, da man keinen der Plots so richtig verfolgen kann und auch die Psychologisierung der Figuren teilweise auch nicht besonders ist. Nach jahrelanger Drecksarbeit entdeckt Bob ohne besonderen Grund sein Gewissen und setzt sein Leben für Ideale aufs Spiel, die er vorher nie hatte; selbst die Verwandlung des aufrechten Anwaltes Bennett Holiday (Jeffrey Wright) in einen zu schmutzigen Tricks greifenden Karrieristen kann „Syriana“ nur wenig faserig und wenig packend darstellen. Vielleicht wären ein paar Handlungsstränge weniger nützlich gewesen; gerade die Geschichte um Bryan lässt doch an Pep und nützlichen Informationen missen.
Mag „Syriana“ auf der Erzählebene scheitern, so kann er doch stilistisch immerhin einige Punkte verbuchen. Vor allem die Optik mit grobkörnigen Bildern und häufigem Einsatz von Handkamera wirkt realistisch und passt zum ernsthaften Tenor des Films, denn „Syriana“ ist kein Unterhaltungskino der einfachen Sorte. Einige etwas unpassende Elemente stören den Realismus zwar (cooles Davontraben vor der Explosion einer selbst gelegten Autobombe, das total überzogene Plädoyer für Korruption), doch insgesamt schafft „Syriana“ es doch ein recht realistisches Bild von den Problemen und Konflikten im Nahen Osten zu zeichnen.

Es ist auch eine Leistung, dass Gaghans Film angenehm wertfrei bleibt und keine einfachen gut-böse-Schemata anwendet. Die Amerikaner denken an ihre wirtschaftlichen Interessen und nutzen für diese auch schmutzige Tricks, doch auch die Ölscheiche sind nicht besser und verkaufen ihre Kultur zugunsten der Wirtschaft. Selbst Terrorismus wird nicht schlicht verdammt, sondern gezeigt, wie Fanatismus und Hass bei Leuten, die aufgrund westlicher Intervention ohne Job und ohne Perspektive dastehen, auf fruchtbaren Boden fällt. Hier kommt an sich niemand gut weg, fast alle Idealisten verkaufen sich im Verlauf der Handlung oder sterben gerade deswegen. Doch leider kann die gut umgesetzte Message nicht über diverse Längen hinwegtäuschen, zumal die vielleicht beste Symbolik für den Kampf zwischen Verwestlichung und Tradition bereits den Auftakt markiert: Eine junge Frau verlässt in knapper Bekleidung eine angesagte Party, um vor der Tür in Sandalen, Schleier und lange Kleider zu schlüpfen.
Darstellerisch ist „Syriana“ recht gelungen, wobei niemand aus dem Ensemble so wirklich heraus sticht. Auch George Clooney mag sich zwar rein optisch für den Film verändert haben, aber so herausragend, dass er wirklich den Oscar für seine Leistung verdient hätte, ist er dann doch nicht.

Unterm Strich ist Stephen Gaghans ambitioniertes Projekt gescheitert, aber das auf hohem Niveau: Sehr realistisch schildert er verschiedene Konflikte, doch insgesamt ist sein Film zu zäh und stellenweise auch zu langweilig, um wirklich gut zu sein.


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