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Flug durch die Hölle (1991)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 21.04.2006, seitdem 859 Mal gelesen
Satte 5 Jahre nach „Top Gun“ erhob sich „Flight of the Intruder“ in die Lüfte, um unauffällig im Kondensstreifen des Vorbilds herumzuschwirren und sieht vom technischen Standpunkt erschreckenderweise trotzdem noch so aus, als wäre er 5 Jahre vor dem Cruise-Vehikel produziert worden.
Wirklich Angst macht mir dabei eigentlich Regisseur John Milius („Dillinger“, „Conan the Barbarian“), der trotz geballter Fachkraft, die von Kamera-Koryphäe Fred J. Koenekamp („Patton“, „Papillon“) bis zu Star-Komponist Basil Poledouris („RoboCop“, „Starship Troopers“) reicht, mit seinem illustren Cast nur eine halbgare Klischeeanhäufung inklusive einer Extraportion U.S. – Militarismus zustande bekommt. Vielleicht hätte er das Drehbuch lieber selber schreiben sollen, denn so platt kann die Romanvorlage von Stephen Coont nicht sein.
Denn im direkten Vergleich zu „Top Gun“, der trotz seines Rufs als Klassenprimus nun zwar vorzeigbar, aber beileibe kein Überfilm war, schmiert die Kiste leider total ab.
Der bewährte Vietnamkrieg wird einmal mehr wieder aufgegriffen und wenn man schon zurückblickt, dann auch gleich mit anachronistischen Effekten, die damals schon weit hinter dem Möglichen zurückblieben und meistens einem B-Movie oder einem Videogame dieser Zeit gut zu Gesicht gestanden hätten, einen Kinofilm hingegen blamieren. Explodierende Modellbauten und nachträglich über Zelluloid gelegte Spezialeffekte sind eigentlich eher Argumente für Nostalgiker und weniger für Actionfans und wenn das U.S. – Militär die Produktion nicht eifrig mit gesponsert hätte, so dass es ein paar schicke Luftaufnahmen der A 6 aka Intruder inklusive posterreifer Sonnenuntergänge auf dem Flugzeugträger, oder ähnlich geartete Portraitaufnahmen, zu bewundern gibt, würde sich selbst der hartgesottene Genrefan fix verabschieden.
Denn abseits der Klischeetypen, zu denen ich gleich noch komme, dominiert nur die genreübliche Liste abzuhakender Elemente und da der Auftakt, ein Nachtflug des Intruders über Vietnam, schon wenig prickelnd getrickst worden ist, schwant einem erfahrenen Semester schön Übles. So soll es auch so kommen.
Lt. Jake Grafton (Ex-Model Brad Johnson, „Always”, „Dominion”), Rufname „Cool Hand”, fliegt diesen Einsatz nur halbwegs motiviert, weicht den Flak-Geschützen und den SAM-Raketen routiniert aus, wirft seine Bombenladung auf ein vermutetes Ziel ab, kann wieder keine Folgeexplosionen entdecken und fragt sich so langsam, was er hier überhaupt verloren hat. Nun, die Frage stellt sich sein Waffenoffizier nicht, denn der wird auf dem Rückflug tödlich von einer Kugel aus dem Uraltgewehr eines Bauern (Muss man gesehen haben, sonst glaubt man es nicht!) getroffen und verblutet noch vor der Landung auf dem Flugzeugträger im Cockpit.
Grafton verkraftet den Verlust seines Freundes nicht so einfach, hinterfragt seine Einsätze (Uiuiuiu, die totale Kritik am Krieg!), sucht nach dem Sinn, will gleichzeitig die Folgen seines Tuns aber nicht Kennenlernen und semmelt dann final, soviel spoiler ich hier mal dreist, mit Willem Dafoe trotz Verbot im Alleingang nach Hanoi, um Bomben auf die nordvietnamesische Hauptstadt abzuwerfen!!! Ein Brüller! Ja, ein Held vom echten Schrot und Korn und so führt er sich auch auf.
Nur hat Brad Johnson leider das schauspielerische Talent einer Scheibe Mettwurst, guckt ständig angespannt aus der Wäsche, als hätte er einen sitzen und holzt sich genauso durch die standesgemäßen Situationen, die da unter anderem eine Schlägerei in einem Nachtclub inklusive Alkohol und eine Romanze mit der verwitweten Callie (Rosanna Arquette, „Im Rausch der Tiefe“, „Black Rainbow“), deren Ehemann zufällig auch Pilot war und im Einsatz starb, sind. Den harten Macker und den vorlauten Rebellen darf er dabei genauso raushängen lassen, wie das Sensibelchen, dass erst einmal den Tod seines Co-Piloten verkraften muss, wobei dies recht schnell vonstatten geht.
Mit Tom Sizemore („Heat”, „Saving Private Ryan”) und Ving Rhames („Sin”, „Dawn of the Dead”), die ich persönlich beide sehr gern sehe, versauern zwei damals noch unbekannte Talente in kleineren Nebenrollen während „Lethal Weapon“ – Veteran Danny Glover mit der wohl miesesten Stimme der deutschen Synchronisierungsgeschichte als mal wieder allen Klischees entsprechender, eisenharter Vorgesetzter ständig meckernd, brüllend und befehlend den Vogel abschießt. Die Frischlinge faltet er höchstpersönlich in seinem Büro zusammen und um den Rest scheint er sich auch nicht sonderlich zu scheren, erläutert die Einsatzbesprechungen ständig mit Nachdruck und schmiert ausgerechnet gleich ab, als er selbst das erste und einzige Mal selbst in der Luft ist.
Die meiste Zeit ist „Flight of the Intruder“ also eine Aneinanderreihung von Klischees (Der Phantom-Scheißer war auch sehr witzig...), der man die fähige Mannschaft dahinter nicht ansieht. Nicht einmal der völlig fehlbesetzte Willem Dafoe („Platoon“, „The Boondock Saints“), dessen Charakter ihn chronisch unterfordert, kann da noch etwas bewegen und Impulse geben.
Denn ein Spannungsbogen ist genauso nicht existent, wie atemberaubende, spektakuläre Duelle in der Luft, weil der Intruder als Bomber ohne weitere Waffensysteme denkbar ungeeignet für Kämpfe ist und nur seine Ladungen abwerfen kann. Also sind das Höchste der Gefühle schon total abgedunkelt gefilmte, nächtliche Flugmanöver über Baumwipfel, während Flak und SAM ausgewichen wird oder man eben abstürzt.
Das Ende hält dann zwar noch eine Rettungsmission hinter den feindlichen Linien inklusive Heldentod parat und kann sich über eine dynamischere Inszenierung freuen, vermag jedoch selbst dem Genrefan kein Jubelarien mehr zu entlocken – vor allem weil das Szenario wiederum so schrecklich unspektakulär aussieht: Ein abgeschossener Pilot wartet an seinem Wrack auf den Rettungshelikopter während ringsherum der Vietkong schon in Sichtweite angerückt ist, ringsherum ballern die Kollegen aus der Luft, Napalm fegt Baumreihen weg und MG-Salven halten die feindlichen Truppen auf, aber ernsthaft überzeugend sieht das leider nie aus.
Fehlende Substanz lässt sich natürlich auch „Top Gun“ vorwerfen, aber dort konnte Tony Scott wenigstens mit glattgebügelter Ästhetik und den tollen Luftkämpfen noch viel mit Kurzweiligkeit wettmachen. John Milius hatte mit dem Drehbuch hingegen nie eine Chance. Mich würde wirklich interessieren, ob der letztlich so schwache Eindruck auf Milius Lustlosigkeit bei einer Auftragsarbeit zurückzuführen ist, oder das Budget zu limitiert war und die Darsteller in ihren einfallslosen Stereotypen keinen Bock auf ihren Job hatten.
Denn „Flight of the Intruder“ geizt nun wirklich nicht mit Klischees und Standardelementen. Ich glaube so konzentriert hat man sie auch nur selten auf einem Haufen gesehen. Da dominieren die Plattitüden und nach Strichliste wird jedes halbwegs bekannte Element ohne tatsächlichen Plot abgehakt. Für ihren eigenmächtigen Alleingang, der die Friedensverhandlungen zum Erliegen bringt, werden die beiden Piloten schließlich sogar vors Kriegsgericht zitiert und nachträglich freigesprochen!
Ich bin nun wirklich kein Feind amerikanischer Militärpropaganda, sofern der Patriotismus sich einigermaßen im Zaum hält, die Action stimmt, die Darsteller einigermaßen plausibel ihre selten facettenreichen Figuren verkörpern und die Chose unterhält, doch bei „Flight of the Intruder“ lässt sich der Eindruck kaum ignorieren, dass dieser sichtlich schluderig zusammengeschusterte Warflick im Zuge des endenden Golfkriegs noch schnell Kasse machen wollte, bevor das Spektakel vorbei war.
Fazit:
Pathos und Patriotismus, Klischees und Militärsponsoring – „„Flight of the Intruder“ steht auf den wichtigsten Pfeilern der (meisten) hollywoodschen Kriegsfilme und dafür liebe ich sie (meistens), wenn Action und Inszenierung stimmen.
Dem ist hier nicht so und vom Intelligenzgrad erinnert mich dieses Werk schon etwas an den noch jungen „Stealth“ dessen Debilität allerdings kaum zu toppen ist.
John Milius, der wesentlich bessere Regiearbeiten in seiner Karriere abgeliefert hat und noch bessere Drehbücher schrieb, verheizt in diesem groben Unfug jedenfalls nicht nur seine kompetente Crew, sondern auch den bekannten Cast, der eigentlich viel zu schade für den Film ist und unter anderen Umstände besser wegkäme. Da bin ich mir sicher. Brad Johnson hingegen ist ein Totalausfall.
Wer sich an einer lust- und ideenlosen Aneinanderreihung typischer Plotmotive erfreuen kann und die völlig veraltete Tricktechnik schluckt, kann sich immerhin noch über ein paar schicke Bilder und ganz viel Langeweile freuen. Gut, wen es interessiert, welche Klischees man alle auf einmal in einen Genrefilm pressen kann, der ist hier auch goldrichtig. Denn die stehen hier dichtgedrängt.
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