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Lord of War - Händler des Todes (2005)

Eine Kritik von Preacher666 (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 18.03.2006, seitdem 405 Mal gelesen


„Lord of war“ beginnt mit einer Einstellung, die das „Leben“ einer Kugel von ihrer Herstellung, über ihren Verkauf bis zu ihrem Einsatz (Kopfschuss) zeigt.
Einen so direkten Einstieg gab es schon ewig in keinem Hollywoodfilm mehr.

In dieser Mischung aus Politsatire, Dokumentation, Drama und Thriller geht es auch in den folgenden 120 min nicht weniger drastisch und direkt zur Sache. Anscheinend zu drastisch: „Händler des Todes“ wurde ausschließlich mit europäischen Geldern bezahlt, weil sich kein Hollywoodstudio an diesem kontroversen Stoff die Finger verbrennen wollte.

„Lord of War –Händler des Todes“ ist die neueste Regiearbeit von Andrew Niccol, der unter anderem auch bei „Gattaca“ (mit Ethan Hawke) Regie führte und das Drehbuch von „Die Truman Show“ schrieb.

Konsequent zynisch wird über das Leben des Waffenhändlers Yuri Orlov (der von Nicolas Cage mehr als nur glaubwürdig dargestellt wird) und die Auswirkungen von globalem Waffenschmuggel berichtet. Yuri Orlov ist zwar eine fiktive Figur, basiert aber laut Andrew Niccol auf dem Leben dreier echter Waffenhändler. Yuri Orlov kommentiert eine Zeitspanne von 18 Jahren aus dem Off, was das Gefühl einer Tatsachenverfilmung noch weiter verstärkt.

Der Handel mit Waffen ist ein dreckiges, aber auch ein lukratives Geschäft; dass begreift Yuri Orlov (Nicolas Cage) ziemlich schnell. Nach eher bescheidenen Anfängen in New Yorks Stadtteil Little Odessa (Verkauf einer Uzi) steigt er gemeinsam mit seinem Bruder Vitali nach dem Mauerfall zum mächtigsten Waffenhändler der Welt auf. Während Yuri immer reicher wird, zerbricht sein Bruder an den illegalen Geschäften und versinkt in einem Sumpf aus Drogen und Alkohol. Unmenschliche Diktatoren und legitime Staatsoberhäupter kaufen gleichermaßen gerne bei Yuri, der für niemanden Partei ergreift ein. Kinder und Frauen werden mit Yuris Waffen exekutiert, ermordet oder in den Krieg geschickt.
Auf dem Höhepunkt seiner zweifelhaften Karriere haftet sich der Interpol-Agent Jack Valentine (Ethan Hawke) an seine Fersen und Ehefrau Ava (Bridget Moynahan) beginnt ihm zu misstrauen…

Die gängigen Taktiken von Waffenhändlern (Fahrten unter Falscher Flagge, Aus einem Kriegshubschrauber einen Rettungshubschrauber machen, indem man einfach die Raketen abnimmt) werden satirisch überspitzt dargestellt.

Der Ausverkauf von Waffen in der Sowjetunion nach dem Fall des eisernen Vorhangs ist ebenso Thema, wie die so genannten Blutdiamanten (mit ihnen wird Mord und Totschlag bezahlt) und die Bewaffnung von den weltweit tätigen Kinderarmeen (300 000 Kinder weltweit).

„Lord of war“ erinnert in vielen Einstellungen an „Three Kings“, aber auch an Klassiker wie „MASH“ und „Catch 22“ und kann vor allem durch Cages hervorragende Darstellung begeistern.

Besonders gelungen sind die „Weisheiten“ von Orlov:
1) Ich mache Geschäfte mit jeder Armee. Nur nicht mit der Heilarmee.
2) Ich verkaufe nicht an Osama…Er lässt seine Schecks gerne platzen
3) Weltweit hat jeder 12te Mensch eine Waffe…Stellt sich nur die Frage: Wie bewaffnet man die anderen 11!

Die gescheiterte Existenz Orlov (der Bruder wird drogenabhängig und stirbt; seine Eltern verstoßen ihn, seine Frau verlässt ihn, sein Onkel wird in die Luft gesprengt) läuft nur bei Waffengeschäften („Das ist alles was ich kann“) zu Höchstform auf und versagt sonst in allen Bereichen. Dieser Aspekt der Geschichte hat mich besonders bewegt und beeindruckt.

Obwohl man mit Ethan Hawke, als FBI Agenten, der Yuri jagt, eine positive Figur hat, hatte ich den ganzen Film über immer das Gefühl er würde stören und habe mich eigentlich (trotz seiner Offensichtlichen Skrupellosigkeit) immer auf die Seite von Yuri geschlagen.

Eine Information am Rand:
Im Kino spielte die 42 Millionen Dollar teure Produktion zwar lediglich etwas über 20 Millionen ein, doch auf dem DVD Markt schlug „Lord of War“ ein wie eine Bombe. Innerhalb von einer Woche wurden in den USA 2,5 Millionen DVDs verkauft; das sind ungefähr 50 Millionen Dollar Gewinn.

„Lord of War“ hat mich ziemlich nachdenklich im Kinositz zurückgelassen und das ist schon mehr, als man von den meisten Filmen erwarten kann.
Ein erschreckend realistischer Film über den weltweiten Waffenhandel, die USA als Hauptexporteur und seine grausamen Folgen in den kriegsgebeutelten Krisengebieten unserer Erde.

Radikal, zynisch, böse, realistisch, actionreich, spannend und auch ab und an komisch
 ein kleines, böses Meisterwerk.


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