Eine Kritik von *RM (aka Alfred Bester) (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 09.03.2002, seitdem 1766 Mal gelesen
Ein Ehepaar der US-Highsociety rutscht in die (moralisch) tiefsten Abgründe unserer heutigen Gesellschaft ab. Während es in der Ehe kriselt, begibt sich der Ehemann in geheime, gefährliche Kreise...
Situationen mit surrealen, kafkaesken Ausmaßen breiten sich hier dem Zuschauer aus, der teils schon glauben mag, Tom Cruise verkörpere hier den kaum handlungsfähigen und die Gegebenheiten so gut wie nie wirklich beeinflussenden Joseph K. aus Franz Kafkas „Der Prozeß“.
Ich für meinen Teil glaube ( unter Vorbehalt ) erkennen zu können, wohin Altmeister und Regielegende Stanley Kubrick ( „2001“, „Full Metal Jacket“, „Shining“, Spartacus“ ) mit seinem letzten Werk, seinem (vermeintlichen) Vermächtnis, steuern wollte; der oben geschilderte, bei mir erweckte Eindruck, sowie die meisterhaft und deutlich von Kubricks Hand inszenierte anfängliche Ball-Sequenz, lassen mehr von der Konzeption des Meisters erahnen und sind für mich Hinweise auf ein größer angelegtes, moralisch-hinterfragendes Sittengemälde ... das in dem letztlich vorgelegten Werk allerdings nur noch in Ansätzen spürbar bleibt. Kubrick starb vor der entgültigen Vollendung dieses, seines letzten Werkes. Erfahrene Filmfreunde wissen, wie viel an einem Werk durch nachträgliche Bearbeitung, die Schnitte, die Zusammenstellung ganzer Szenen, die Musik etc. verändert werden kann; viel spricht ja hier leider dafür, dass der im Kino gezeigte „Eyes Wide Shut“ nicht 100%ig das ist, was Kubrick im Sinn hatte.
Der Streifen lässt leider deutlich die Qualität der früheren Kubrick-Werke missen, kann eigentlich in keiner Weise vollends überzeugen; zu konfus und weltfremd scheinen Handlung, Storyline-Wendungen und Verhaltensweisen der Charaktere, zu unlogisch, nicht fassbar und pseudo-konstruiert wirken die präsentierten Zusammenhänge. Tom Cruise ( „Top Gun“ ) und Nicole Kidman ( „Project: Peacemaker“ ) agieren einigermaßen passend, finden aber nicht wirklich zu ihren Charakteren.
Was bleibt, ist ein ( im Vorfeld übertriebenermaßen als „skandalös“ gehyptes ) unausgegorenes Erotik-Drama, immerhin imposant fotografiert, dass offenbar einen, na ja, bemühten Einblick in die dunklen Seiten der menschlichen Seele vermitteln will.
Ist dies gelungen? Ansichtssache... vielleicht in der von Kubrick konzipierten Fassung, in der gezeigten jedoch scheitert der Versuch.