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Eyes Wide Shut (1999)
Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 16.01.2003, seitdem 697 Mal gelesen
Der stadtbekannte Arzt William Herford (Tom Cruise) führt zusammen mit seiner attraktiven Frau Alice (Nicole Kdiman) ein erfülltes Leben. Eines Tages gesteht Alice unter Einfluss von Drogen William ihre sexuellen Fantasien. Rasend vor Eifersucht stürzt sich William ins New Yorker Nachtleben und sammelt sexuelle Erfahrungen, die ihn bis an die Grenzen seiner Vernunft bringen.
Ein letzter Kubrick, ein letztes Meisterwerk? Meine Antwort ist klipp und klar: Nein! Der für viele beste Regisseur aller Zeiten lieferte mit "Eyes Wide Shut" seinen letzten Film ab, unglücklicherweise starb er noch vor der Vollendung. Vielleicht ist das der Grund, wieso dieses als Kunstwerk betitelte Erotikdrama die meisten absolut kalt lassen sollte.
Wenn man dem Film etwas positives abgewinnen will, sind das sicherlich die Kameraführung und die edle Optik, die Kubrick erneut unverkennbar kreierte. Die Einführung in die Geschichte gelang mit dem Festball sehr gut, visuell ist das alles sehr beeindruckend, zudem hat der sympathische Sky Dumont gleich in den Anfangsminuten einen Gastauftritt und gibt eine locker-lässige Vorstellung ab.
Die schicke Ausstattung zieht sich dann auch durch den Rest des Films, doch was bringen mir alle positiven optischen Aspekte, wenn alles andere wie eine Schlaftablette wirkt? Das zieht sich nämlich über quälend lange 150 Minuten hin und es will und will einfach keine Spannung aufkommen. Die philosophisch gemeinten Dialoge zwischen dem damaligen Ehepaar Kidman und Cruise sind viel zu platt, um irgendeinen intellektuellen Anspruch zu haben, es wird nichts gesagt, was man nicht schon weiß bzw. sich selber denken kann. Die Gespräche drehen sich dabei immer nur ums vögeln, was manchmal schon fast etwas unfreiwillig komisch wirkt.
Neben den zahlreichen Dialogen sieht man Cruise durch die Straßen ziehen, wo er Leute kennen lernt, die den Zuschauer nicht die Bohne interessieren und einmal zu einer Orgie kommt, bei der man den Sinn wohl nicht unbedingt finden muss. Das ist als Höhepunkt gedacht, löste bei mir aber auch nur ein Kopfschütteln aus, weil es wirkt, als habe man das nur reingenommen, damit irgendwelchen interpretierfreudigen Menschen einer abgeht.
Gebumst wird übrigens auch reichlich, da dürfen sich die prüden Amis natürlich zahlreich aufregen, hierzulande juckt das keine Sau. Die Rammelszenen erinnern eher an einen Softporno und nehmen bei der Orgie beinahe surreale Ausmaße an. Ausgerechnet der reiche, angesehene Arzt William hat an diesem Sexgeschehen teil, vielleicht eine Andeutung des Sittenverfalls der heutigen Gesellschaft. Das darzustellen ist wohl die Hauptabsicht Kubricks gewesen, doch davon hat man nie den Eindruck.
Untermauert wird das langweilige Geschehen von eintönigem Klaviergeklimper, das einem spätestens nach einer Stunde nur noch auf den Wecker geht. Immerhin ist die klassischen Musik an einigen Stellen ganz stimmungsvoll.
Also, seht es meinetwegen als Meisterwerk an, ich halte das für einen stinklangweiligen Film, an dem das Interessanteste noch der Medienhype ist, der durch den angeblich so skandalträchtigen Trailer entstanden ist. Dass dies Kubricks letzten Film darstellt, ist umso trauriger, da das mit Sicherheit keinen gelungenen Abschluss einer so großen Karriere darstellt und er nicht einmal mehr nachhaltigen Einfluss auf die Fertigstellung hatte.
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