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Thank You for Smoking (2005)

Eine Kritik von LX (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 03.09.2006, seitdem 715 Mal gelesen


Es war eine recht spontane Entscheidung, gestern ins Kino zu gehen... aber eine, die ich nicht bereut habe. Auf dem Programm stand Jason Reitmans "Thank you for smoking".


Entgegen seines Titels ist es kein Film, der den Zuschauer von etwas überzeugen möchte. Es ist eine Situationsbeschreibung, zynisch, schonungslos offen, zuweilen übertrieben, aber dennoch nicht unrealistisch.

Protagonist ist der Lobbyist Nick Naylor (Aaron Eckhart), Pressesprecher eines Instituts zur Erforschung der gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums, welches hauptsächlich von der Tabakindustrie gefördert wird und an dessen Objektivität man insofern nicht zweifeln muss. Seine Aufgabe besteht darin, in der Öffentlichkeit Angriffe auf die Tabakindustrie und ihre Produkte zu parieren um so den Schaden für seine Arbeitgeber gering zu halten oder gar Neukunden zu gewinnen. "Unsere Produkte sind 'cool', verfügbar und sie machen süchtig, ein Selbstläufer sozusagen", so das trockene Resümee von Naylors Arbeitgeber B.R. (J.K. Simmons).

Moralische Bedenken hat Naylor dabei keine, das Zauberwort heißt "moralische Flexibilität". Genau genommen besteht sein Job nicht mal darin zu lügen, er braucht lediglich an die freie Entfaltung der Persönlichkeit und den Verstand mündiger Bürger apellieren und die Gesundheitslobby ihrerseits als bevormundend und einschränkend präsentieren. Ähnlich geht es den Lobbyisten der Alkohol- (Maria Bello) und Waffenindustrie (David Koechner), mit denen sich Naylor gelegentlich zu einem gemütlichen Plausch trifft.

Naylor gegenüber steht Senator Finistirre (William H. Macy), der auf allen Zigarettenpackungen ein Totenkopfsymbol unterbringen möchte, um die Bevölkerung auch bildlich auf die todbringende Wirkung des Tabaks hinzuweisen. Natürlich fürchten die Tabakkonzerne bei der Verknüpfung von Zigaretten mit dem Gift-Symbol Umsatzeinbußen. Ebenfalls mit von der Partie ist die Reporterin Heather Holloway (Katie Holmes), die einen Artikel über Naylor schreiben möchte und sich dafür vom "Teufel" verführen lässt.

Viel mehr möchte ich auf Darsteller und Handlung auch nicht eingehen. Der Film lebt von seinen spitzen Dialogen und zuweilen makabren Kommentaren, die ich hier weder wiedergeben kann, noch will. Die Hauptdarsteller überzeugen in ihren Rollen, allen voran Eckhart, der durch seine Mimik das irgendwie doch sympathische Arschloch sehr gut präsentieren kann. Durch die gewahrte Objektivität kann man den Film sicherlich auch in einer gemischten Runde aus Rauchern und Nichtrauchern sehen, in der beide Seiten ihren Spaß haben werden, denn genau genommen ist der Kernpunkt des Films nicht speziell die Tabakindustrie, sondern Lobbyismus im Allgemeinen. Zwar möchte der Film nicht überzeugen, aber vielleicht schafft er es, den Zuschauer zu animieren, mal zu hinterfragen, was ihm da alltäglich vorgesetzt wird und wer davon profitiert.


Fazit: Sehr kurzweiliger, schwarzhumoriger Film, der gekonnt die skrupellose Manipulation von Medien und Politik in der westlichen Welt karikiert. Wem "Wag the Dog" zusagte, der wird auch an diesem Film seinen Gefallen finden.

10 von 10 Punkten


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