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American History X (1998)

Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 02.07.2002, seitdem 710 Mal gelesen


Landauf Landab als Meisterwerk gefeiert, hinterlässt "American History X" bei mir zwiespältige Eindrücke...

Story:
Der Neonazi Derek (Edward Norton) tötet zwei Schwarze die versucht haben, sein Auto zu klauen. Daraufhin wandert er für 3 Jahre in den Knast und entwickelt sich zu einem anderen Menschen. Wieder auf freiem Fuß, versucht er nun verzweifelt, seinen kleinen Bruder Danny (Edward Furlong) aus der Szene zu holen.

Lobenswert, dass der Film keinerlei Rücksicht auf den Kassenerfolg legte. American History X ist als eigenständiger Film zu verstehen, der eine Lehrfunktion für den Zuschauer haben soll. Fans von Hollywood-Mainstream-Müll werden hier kaum befriedigt. Geschickt wird mit Rückblenden gespielt, die in schwarz-weiß gehalten werden, stellenweise läuft der Film in Zeitlupe ab, was die Intensität ziemlich verstärkt. Das führt dazu, dass es Vielen schwer fallen wird, einige Szenen zu verdauen. Der Mord an den Schwarzen und die Toilettenszene zum Schluss sind schon recht derb inszeniert, doch das FSK 16 geht schon in Ordnung.

Die Schaupieler sind schlichtweg grandios. Beverly D’Angelo, die man sonst nur aus den 80er Jahre Komödien mit Chevy Chase kennt, gibt eine überzeugende Leistung als kaputte Mutter. Auch Edward Furlong spielt völlig glaubwürdig den Part von Dereks kleinem Bruder. Bis in die kleinste Nebenrolle perfekt!

Zu Hauptdarsteller Edward Norton einige Extraworte: Was er hier abliefert ist nur noch genial. Selten zuvor habe ich einen Menschen so in eine Charakterrolle hineinwachsen sehen. Er ist hier kein Schauspieler, nein, man meint er ist Derek selbst. Unglaublich. Doch genau hier liegt die fatale Gefahr des Films: Norton baut so viel Charisma auf, dass doofe Jugendliche oder Falschgesinnte denken könnten, es ist gut, was er da macht. Vor allem weil Derek vor seiner Inhaftierung eine größere Aura und größere Beliebtheit genießt als nach seiner Zeit im Gefängnis, wo er als nachdenklicher, verstoßener Außenseiter dargestellt wird. Den Film kann man sicherlich völlig falsch verstehen, so etwas ist sehr riskant und kaum zu verantworten.

Negativ auch das Ende. In der letzten Szene kommt das, worauf man im vorherigen Filmverlauf erfreulicherweise verzichtet hat: Die Moral mit erhobenem Zeigefinger, die einfach nur besagt: "Gewalt ist schlecht, habt Freude am Leben!". Etwas tiefsinniger und passender hätte der Schluss schon sein sollen.

Insgesamt bleibt American History X ein schwer verdaulicher Film, der vielleicht der Beste zu dieser Thematik ist. Er schockiert sehr, vor allem durch das überaus glaubwürdige Verhalten der Schauspieler und durch zwei beinharte Szenen. Abzüge trotzdem für die Zeigefingermoral, die zum Schluss dem Zuschauer mit Gewalt aufgedrängt wird und dafür, dass man den Film völlig falsch interpretieren kann. Prädikat: sehenswert. Aber kein Meisterwerk!


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