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NVA (2005)

Eine Kritik von nofx-total (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 19.07.2008, seitdem 373 Mal gelesen


Mann, was war ich froh, dass ich damals nicht zur Fahne musste. Zu dieser Erkenntnis gelangte ich natürlich nicht erst nach dem Film „NVA". Warum ich da nicht hinmusste? Tja, bei meinen damaligen Gebrechen, aber dass gehört jetzt nicht hierher...

Sensibelchen Henrik wird in den letzten Tagen der Republik zum Wehrdienst eingezogen. Außerdem hat sich kurz vorher seine Freundin von ihm getrennt. In der Kaserne angekommen, trifft ihn der Drill bis ins Mark.

„NVA" ist das etwas düstere Gegenstück zur fröhlich-fluffigen „Sonnenallee". Beiden Ost-Vergangenheits-Filmen gemein jedoch ist die Liebe zum Detail, soviel steht fest. Da gibt's die hochnäsigen Offiziere, schneidige aber dumme Unteroffiziere (Rekrut: „Mein Opa war im Kessel" - ungläubige Antwort: „Was machte der denn in einem Kessel?") und die unterwürfigen neuen Rekruten, die am meisten unter den Alteingesessenen zu leiden haben. Die Resttage werden mit immer kürzer werdenden Maßbändern gezählt, im Schrank hängen Tittenbilder und man philosophiert in der Gruppe darüber, wie viel Begriffe das Wort „Wichsen" umschreiben. Es gibt das Schrubben des Fußbodens mit der Zahnbürste und es gibt die „Musikbox" und die „Schildkröte". Alles hat hier seinen Platz gefunden, wobei die Macher schon tief in die Klischeekiste greifen mussten, doch das war mir schon vorher klar.

Der Begriff Satire ist für diesen Film allerdings etwas vermessen. „NVA" ist eine - streckenweise auch unterhaltsame - klamaukige Komödie, die das damalige Geschehen unreflektiert und unkommentiert wiedergibt, mehr wollte Leander Haussmann wohl auch nicht vermitteln. So werden auch wohl nur die Zuschauer aus dem Osten wissen, warum Rekrut Krüger nach abgelaufener Strafversetzung aus Schwedt als gebrochener Mensch wiederkam. Es wird auch Leute geben, denen hier das Lachen im Halse stecken bleibt.

Das größte Manko von „NVA" ist ohne Zweifel das schwache Drehbuch. Irgendwie steuert der Film ohne erkennbare Entwicklung einer stimmigen Geschichte ins Nirgendwo, es fehlt eine große Klammer, die die aneinander gereihten Sketche zusammenhält und dem Film etwas mehr Substanz verleiht. Dabei hätte der Plot um Henrik und seiner neu gefundenen Liebe Marie durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient, zumal sie pikanterweise die Tochter des Offiziers Kalt ist (origineller Name übrigens). Schade, dass Detlev Buck in dieser Rolle nur als Randfigur auftaucht, denn er spielt - wie im Übrigen auch die anderen Teilnehmer - völlig überzeugend.

Fazit: Ein zweites „Full Metal Jacket" gibt es hier nicht zu sehen, aber wenigsten kann man „NVA" als Unterhaltungskino abtun. Und die, die im Gegensatz zu mir dabei gewesen waren, werden vielleicht sagen: „So war's gewesen, weißte noch?". Mehr aber auch nicht, leider.


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