Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 5/10) eingetragen am 25.07.2006, seitdem 1150 Mal gelesen
Spielverfilmung Nummer drei von Uwe Boll: Aussagen von Gamern zufolge erneut mit null Werktreue zum Spiel, doch nach den letzten beiden Nieten ein Schritt nach vorne.
Im Mittelalter herrscht der fiese Vampirkönig Kagan (Ben Kingsley) über seinen Landstrich und giert nach mehr Macht, weshalb der Menschheit gewaltig der Kackstift geht. Vampirjäger wie Vladminir (Michael Madsen), Sebastian (Matthew Davis) und Katarin (Michelle Rodriguez) tun, was sie können, doch endgültige Erlösung könnte nur eine Auserwählte bringen, die in einer Prophezeiung erwähnt wird. Kennt man aus zig anderen Fantasyszenarien, aber eigene Inspirationen sind diesem „Blade“-Abklatsch im Mittelalter (auch Rayne ist gezeugt und nicht gebissen worden, fürchtet also keine Kreuze und kann bei Tag wandeln) dünn gesät.
Potentielle Auserwählte könnte die Halbvampirin Rayne (Kristanna Loken) sein, die momentan als Attraktion in einem Zirkus dient. Doch dann kann Rayne entkommen und ist entschlossen Vampire zu vernichten, denn Kagan tötete ihre Mutter…
Leider ist die Story bei weitem nicht so geradlinig wie sie sich liest, denn „Bloodrayne“ mangelt es gewaltig. Viel von der Backgroundstory wird erst erwähnt, als der Film schon ein Stück gelaufen ist und Rayne selbst erfährt erst relativ spät von den ganzen Hintergründen, sodass sie in der ersten Hälfte eher wie ein passiver Spielball als wie eine zupackende Heldin wirkt. Doch auch sonst kommt kaum Drive auf und eine stringente Handlung lässt „Bloodrayne“ auch vermissen: Fast nebenbei werden die Talismane abgehandelt mithilfe derer Rayne Kagan besiegen könnte, der obligatorische Verräter in den eigenen Reihen überrascht leicht, sein Verrat scheint aber total unmotiviert usw. Der Subplot um Rayne und Sebastian ist nur für eine wenig überzeugende Sexszene gut und auch die Auftritte des Vampirfürsten Elrich (Billy Zane) tragen nur ganz wenig zur Handlung bei. Besonders unnötig auch Raynes Vision gegen Ende, die nur noch mal jede Menge Splattereffekte (teils schon im Film gesehen, teilweise neu) zeigen soll, dramaturgisch aber nichts bringt.
Erwähnte Effekte können sich meist sehen lassen, denn Olaf Ittenbach manscht da ordentlich was zusammen: Durchgetrennte Kehlen, zermatschte Köpfe, Pfeile in den Mund und lauter derbe Goreszenen gibt es zu bewundern, denn „Bloodrayne“ ist (zumindest in der unrated) nicht gerade zimperlich. Misslungen sind nur die Szenen, in denen das Treiben dann doch eher nach Ittenbachs Amateurstreifen aussieht, z.B. bei den billigen Vampirmasken, die noch unter „Buffy“-Niveau liegen.
Auch ganz nett anzusehen sind die Actionszenen, wenngleich diese von dem Prädikat meisterhaft noch meilenweit entfernt sind. Auf einen Overkill an optischen Mätzchen wie bei „Alone in the Dark“ verzichtet Boll zwar, doch immer noch sind die Kämpfe meist hektisch, verwackelt und teilweise arg unübersichtlich. Stark schwankend auch die Choreographie: Der Kampf gegen den Wächter des Auges ist z.B. enttäuschend schlecht, während im Finale dank wirbelnder Kontrahenten dann doch Laune aufkommt.
Angesichts des verkorksten Scripts mit massig Logikfehlern (ein einzelner, leicht zu besiegender Wächter bewacht ein total mächtiges Artefakt) können die Stärken von „Bloodrayne“ dann auch nur im optischen Bereich liegen und da wäre neben Action und FX noch das Setdesign zu nennen. Das sieht auch halbwegs edel aus und man merkt, dass Boll hier etwas mehr Geld zur Verfügung hatte, aber gelegentlich sehen die Locations doch etwas steril aus. Ein Atmosphärekünstler wie Albert Pyun, der selbst dem letzten Hinterhof noch Flair verleihen kann, ist Boll nicht, doch teilweise sehen die Festungen und Städte schon recht stimmig aus.
Prominent ist hier die Besetzung, enttäuschend was sie leistet: Michael Madsen und Michelle Rodriguez spielen auf Autopilot, Billy Zane verleiht seinen Auftritten einen gewissen Humor, war aber auch schon besser. Da macht Kristanna Loken in der Hauptrolle noch die beste Figur, wenngleich man auch hierfür noch keine Awards aus dem Schrank kramen braucht. Vollkommen verschenkt mit nutzlosen Miniauftritten sind Robert Patrick und Udo Kier, doch die größte Enttäuschung ist Ben Kingsley: Dermaßen schlapp und lustlos spielt er seinen Part runter.
Schlapp gespielt und das Drehbuch ist für die Katz, doch „Bloodrayne“ ist trotzdem noch Mittelmaß: Die FX sehen gut aus, die wenigen Actionszenen machen durchaus Laune und dank der optischen Präsentation ist das Treiben immerhin noch ganz kurzweilig anzuschauen.
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