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Proposition - Tödliches Angebot, The (2005)

Eine Kritik von Mr. Vincent Vega (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 07.11.2006, seitdem 938 Mal gelesen


Die Sonne blendet, die Luft steht, nur mühsam erblickt man die scheinbar unendlich weiten australischen Outbacks – noch leicht beirrt über den Einstieg des Films: Eine wilde Schießerei, die Kugeln fliegen, das Blech biegt sich, es fließt Blut, Schweiß und Tränen. Durch die löchrigen Wände schimmern helle Strahlen der Mittagshitze, der Seelenzustand dieser Menschen ließe sich vermutlich ähnlich bebildern. Hier geht es um nicht weniger als den Kampf zwischen Abtrünnigen und dem Gesetz vor dem Hintergrund der britischen Kolonisation im 19. Jahrhundert. Drei verbrecherische Brüder gegen die Polizei – einer muss leben, einer muss sterben, einer muss sich entscheiden…

Es ist ein überschaubares Spektrum an Handlungsorten und Charakteren, das Sänger und Songschreiber Nick Cave für sein Drehbuch entwirft. Ihnen gleich ist die innere Leere, die bedrückende Stille: Die Ausstattung ist spärlich, Gebäude und Häuser erscheinen in ihrer kahlen Ungemütlichkeit kaum als Orte der Zuflucht, und ähnlich ist es um die Kämpfer in diesem Schauspiel bestellt, sie reden selten, blicken ernst und konzentriert, handeln schnell, unberechenbar, kompromisslos. Diese Welt der Männer ist durch eine unbändige Brutalität gekennzeichnet, die durch die spirituellen Klänge des Soundtracks nur zeitweise durchbrochen werden kann.

Dieser schwer zugängliche Film erscheint weder als ein bitterer Abgesang noch als kühler Neo-Western, das verrät bereits die Eingangssequenz. Das Shoot-Out-Gewitter im Stil genreüblicher Finalszenarios wird radikal umgekehrt, gleich in den ersten Minuten abgehandelt und nicht wieder aufgegriffen, es bleibt der einzig wirkliche Kugelhagel in „The Proposition“. Die folgende erste Hälfte zeichnet sich durch eine erdrückende Schwerfälligkeit aus. Die einfache Handlung scheint sekundär, vielmehr konzentriert sich Regisseur John Hillcoat auf die Darstellung seiner Pro- und Antagonisten, dem abgemagerten Outlaw Guy Pierce, der sich der Entscheidung gegenüber sieht, seinen Bruder auszuliefern, und dem Briten Ray Winstone, der sein Eintreten für das Gesetz der Führsorge der Ehefrau (eindrucksvoll: Emily Watson) überordnet.

Dass die Aborigines diesem Terror der Kolonisten still beiwohnen, immer nur am Rande auftauchen und das Geschehen beobachten, wird intelligent angedeutet, aber kaum weiter verfolgt. Weniger eine Auseinandersetzung mit dem historischen Rahmen des Stoffes, denn eine Ballade über menschliche Abgründe mag Cave im Sinn gehabt haben, ohne eine Rechtfertigung für den im besetzten Australien angesiedelten Zusammenhang liefern zu wollen.

Die dieser Darstellung menschlicher Härte innewohnenden Gewaltexzesse stehen dabei jedoch im Konflikt zwischen dem Anliegen, diese der im Western zumeist romantisierten und zwangsläufig verharmlosten Gewalt gegenüberzustellen, durch die Überstilisierung jedoch wie ein Paradigma erscheinen. Deshalb faszinieren und wirken die Bilder dieser meditativen Odyssee nur in dem Maße, wie sie den Zuschauer leider auch langweilen: Wenn die endlos wirkende Selbstzerstörung den eindrucksvollen Höhepunkt markiert, hat dieser sein Interesse womöglich längst aufgegeben.


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