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Mit Herz und Hand (2005)

Eine Kritik von filmimperator (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 29.03.2010, seitdem 547 Mal gelesen


Der Neuseeländer Burt Munro hatte einen Traum: Er wollte mit seiner alten klapprigen Indian Baujahr 1920 einen Geschwindigkeitsrekord aufstellen Diesen Traum - und einer seiner aufgestellten Geschwindigkeitsrekorde steht bis heute - verwirklichte er sich in den 60er Jahren als ein finanziell zwar stark eingeschränkter, aber dafür umso erfinderischer Rentner, der zu einer Rennveranstaltung nach Bonneville, Utah, in die Salzebene tourte. Wahrlich außergewöhnlich dieser Mann, über dessen Geschichte Roger Donaldson eine Kurzdokumentation fürs neuseeländische Fernsehen drehte. Burt Munro: Offerings to the God of Speed aus dem Jahre 1971 war darüber hinaus auch dessen Regiedebüt.

34 Jahre später, selbst fast schon im Rentenalter, widmete Regisseur Donaldson nun Munro gar einen Spielfilm: The World's Fastest Indian, ebenso frei wie unglücklich als Mit Herz und Hand übersetzt. Dabei stürzte sich Donaldson, der dafür auch das Drehbuch beisteuerte, auf die Macken von Munro (dargestellt von Anthony Hopkins), zeichnet ihn als verschrobenen älteren Herren, der sich gegen alle Widerstände seinen Herzenswunsch erfüllen möchte. Diese Geschichte könnte man auch als Donaldsons eigene verstehen, der dem von ihm geschätzten Munro ein würdiges filmisches Denkmal setzen will - leider gegen den Widerstand seines eigenen Unvermögens.

Während sein 08/15-Drehbuch in der ersten Hälfte des Films seinen Mangel an Dramaturgie und Dramatik eben durch das Schwelgen in Verschrobenheiten noch übertünchen kann (zumindest Munros eigenwillige Problemlösung des Rasenmähens sei als komödiantisches Highlight zu erwähnen), treten danach die Defizite umso offensichtlicher zu Tage. Der Wandel vollzieht sich dabei mit Munros Aufenthaltsbeginn in den USA. Ist es zuvor noch halbwegs plausibel, wenn alle Menschen in der neuseeländischen Provinz zusammenhalten und ihn bei seinen Plänen unterstützen, wirkt die penetrante Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Amerikaner wie Donaldsons hölzerner Versuch, das Image jener Nation aufzupolieren, in welcher er als Regisseur trotz vergleichsweise magerer Einspielergebnisse eine achtbare Karriere vollziehen konnte. Das rosarote Bild der amerikanischen Gesellschaft könnte dabei verlogener nicht sein.

Ganz roadmovielike führen selbst Autopannen dazu, dass der liebenswerte Außenseiter die verschiedensten liebenswerten Menschen kennenlernt - vom auch mit Prostataproblemen geschlagenen Alt-Indianer, der Munro ein Mittel dagegen gibt, bis zur einsamen Witwe, die ihm sogleich vertrauensselig ein Nachtlager neben ihr bereitet. Dass die zutrauliche wie hilfsbereite Rezeptionsdame im Hotel eigentlich ein Mann ist, wird durch Munros normalen Umgang mit ihm/ihr als plattes Plädoyer für mehr Toleranz in einer prüden Gesellschaft instrumentalisiert und wenn sich ein weiterer Teilnehmer bei der „Speed Week" trotz Munros fehlender Anmeldung für eine Starterlaubnis stark macht, zeugt das von wahrhaft amerikanischen Sportsgeist.

Jegliches Potenzial an Konflikten wird ausgespart und wenn selbige schon einmal am endlos erscheinenden Horizont der Salzwüste aufblitzen (ja, die beeindruckende Fotografie ist eine große Stärke des Films), ist es zwei Filmminuten später so, als wäre nichts gewesen. Selbst Munros auf der Überfahrt unsanft behandelte Indian hat den Transport letztlich unbeschadet überstanden. Alles hat sich lieb und geht nett miteinander um, weil das skurrile Fossil unter den Rennfahrern, das jedes technische Problem mit ein paar flinken Handgriffen zu lösen weiß, Alle mit seinem Elan ansteckt.

Donaldson inszenierte das oftmals als biografisch bezeichnete Drama dabei als One-Man-Show für Anthony Hopkins, der seine Rolle mit einer großen Spielfreude dankbar ausfüllt. Leider verkommt The World's Fastest Indian jedoch nur allzu leicht zur Egomanen-Show, da der sich stets aufs Neue bei fremden Menschen vorstellende, aber auch sture Munro in seiner Omnipräsenz wirkt, als würde sich das Universum nur um ihn und die Erfüllung seiner Wünsche drehen. Das ist fatal, bedenkt man, dass sich Donaldson für den Menschen Munro hinter dem Rennfanatiker und Bastler kaum interessiert. Der Film blendet Munros Vorgeschichte um Scheidung und das Verhältnis zu seinen vier Kindern aus und richtet den Fokus auf die Motorsport-Facette, die allerdings bedenklich wenig Raum zwischen Munros Reise quer durch Amerika (also dem Road-Movie-Teil) und kauzig-lebensweisen Situationen (dem Dramödien-Teil) einnimmt.

Mag sein, dass sich Roger Donaldson mit diesem ebenso lebensbejahenden wie weichgespülten Gute-Laune-Film, in welchem nur selten ernste Töne angeschlagen werden, einen Gefallen getan hat. Dem Zuschauer jedoch nicht.


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