Von Tragik umwehte Geschichten und moderne Märchen um zwischenmenschliche Zuneigung mit einem Hauch Humor, kurz auch oft unter dem Schlagwort Dramödie beschreibbar, sind wie ein Pilz, der seine Sporen so ausgeworfen hat, daß es nicht nach der persönlichen Vorliebe geht, ob und wo die Früchte ans Tageslicht wachsen. Dabei gibt es natürlich Erzählungen, die wirklich nahe gehen, das Herz öffnen, die vielleicht sogar dem härtesten Nörgler mal ein Lächeln oder eine Träne abringen können. Vor allem aber gibt es eine Unterhaltungsindustrie, die in bis zur Geschmacklosigkeit ausgekauten Konzepten die Pietät im Kampf um die zahlende Kundschaft verliert. Zu diesen Filmen gehört leider Das Traumdate.
Keinen Hehl aus dem bevorstehenden, vorhersehbaren Ablauf mit erwartungsgemäß hölzernem Spiel machend, schlachtet der Film das Schicksal eines schwer an Krebs erkrankten und damit zum baldigen Tode verurteilten Jugendlichen in Philadelphia aus. Der Halbwaise Dylan Jameison (Michael Angarano) bekommt durch eine Stiftung die elitäre und vom Wohltätigkeitsdrang finanziell übervorteilter Amerikaner genährte Chance, vor seinem Ableben seinen innigsten Wunsch zu äußern.
Dieser ist zunächst ein Treffen mit seinem Lieblingssportler, doch - und das ist zwar in pubertärem Alter vielleicht nachvollziehbar, aber bei oberflächlichem Hintergrund auch moralisch äußerst fragwürdig; worauf leider nicht eingegangen wird - Dylan entscheidet sich in der Fernsehshow bei seiner Dankesrede plötzlich um. Er würde lieber ein Wochenende allein mit dem Model Nikki Sinclaire (Sunny Mabrey), die als Poster die Wand seines Jugendzimmers ziert, verbringen.
Rein zufällig ist Nikki im Privatleben ein emotionales Wrack, das unter dem Verlust ihrer großen Liebe zu leiden hat. Um den Imageschaden durch ihre alkoholbedingten Probleme mit Auftraggebern aufzufangen, ordnet Nikkis Agentin einen kurzen PR-Auftritt bei Dylan an. Der kann sein Glück kaum fassen, ist überrumpelt vom tölpelhaften Überfall, bei dem die beiden Besucherinnen in ein verbales Fettnäppfchen nach dem anderen treten. Schnell ist der Traum ausgeträumt und die Gäste gingen so schnell wie sie kamen.
Eine innerliche Zerrissenheit oder Verletzung jedoch ist kaum zu spüren. In seinen Händen hält Dylan eine Autogrammkarte von Nikki, auf der sie die Nummer ihrer Agentur notiert hat. Dort könne er ja mal anrufen, wenn er mal in New York sei. Natürlich gibt es keine Hürde. Mit ihren letzten Groschen mieten die Jungs einen Sendeplatz im offenen Kanal, um wiederum ohne jeden Abschiedsschmerz die Sport-Memorabilia des kranken Teenagers zu versteigern.
Die Mutter (Cynthia Nixon) versucht kläglich, dem Willen ihres mit nun reichlich Moneten aus gütiger Hand ausgestatteten Sohnes Einhalt zu gebieten. Sie scheint es auch nach einem aus Mitleidsgeldern gesponsorten Luxusdinner mit ihrem Filius nicht verstanden zu haben, daß den letzten Wünschen eines Sterbenden im Land der unbegrenzten Möglichkeiten kein Kraut gewachsen ist. Absurderweise legt Cynthia Nixon ihre Figur eher wie eine Mutter in einem durch Adoleszenz bedingten Abnabelungsprozeß an, als endgültigen Abschiedsschmerz zu offenbaren. Schließlich ist Dylans stärkstes Argument ein Zitat aus einem Video, welches ihm sein verstorbener Vater hinterlassen hat und ihn zum furchtlosen Griff nach einer Chance ermuntert.
Immer schön einfach konstruiert ebnet Das Traumdate seinem Helden den Weg und schafft es gar noch, Ideenarmut durch plötzliche Schwächeanfälle mit Erbrechen oder Nasenbluten Dylans zu entschuldigen. Denn auch in New York angekommen passiert gar nicht so sehr viel. Während die Kollegen sich im Stripclub amüsieren, ruht sich der Schicksalsträger für den Abend aus, an dem er in einem Nachtclub auf seine Angebetete treffen möchte. Die Adresse verschaffte ihm natürlich ein kleiner Hundeblick vor dem warm angetouchten Sekretär, der sein Herz vor dem zum Star jeder Titelseite gewachsenen Dylan nicht verschließen kann.
Obwohl Dylan nun Nikki mutig seine Liebe gesteht, scheint er keine Chance zu haben. Sie sei ein Flittchen und würde ihn nur verletzen. Daß die beiden außerdem noch ein paar Jahre trennen, sei nur nebenbei bemerkt. Erstaunlicherweise nimmt Dylan die Abfuhr so gelassen, daß Das Traumdate, wenn man bis dorthin eine emotionale Bindung aufbauen konnte, nun wirklich in den Keller rutscht. Ab ins Taxi nach Hause, wo er schließlich von den Strapazen gebeutelt zusammenbricht und ins Krankenhaus eingeliefert wird. Ob es sich Nikki noch anders überlegt, kann sich jeder Arbeiter im Sägewerk an den verbliebenen 3 Fingern abzählen.
Irgendwo in diesem Film mag eine Idee stecken, die einen Zweckoptimismus im Angesicht des Todes befürwortet. Sicher, es muß nicht bitterernst und tieftraurig zugehen, doch es mangelt an echten Regungen. Stupide folgt Das Traumdate einem vorgeebneten Pfad, ohne sich auf echte Höhen und Tiefen einzulassen. Angefangen beim doch hohen Alter des Darstellers über die mangelnde Glaubwürdigkeit seiner Erkrankung bis zur willkürlich agierenden Nikki will sich keine erhabene Stimmung einstellen, welche man von einem fraglos wenig an die Realität gebundenen Märchen erwarten würde.
Weder wird dabei die Mischung mit einer zwanglosen Jugendkomödie in Einklang gebracht, noch werden nachdenkliche Passagen, die ohne wirklichen Hintergrund oder Tiefgang versuchen Bezüge zum Hinduismus aufzubauen, klar zu einem Handlungsstrang formuliert.
Auch wenn sich Das Traumdate nicht offensichtlich anschickt, sich an der Bestimmung eines Sterbenskranken zu laben, so muß man es doch als eine Niederträchtigkeit anprangern, daß sich sämtliches Gefühlspotential dieses fragilen Konstrukts aufgrund der Darstellung und Gestaltung auf den nahenden Tod Dylans stützt. So gelingt es kaum eine positive Botschaft aus dem Gezeigten zu schöpfen, oder gar mit einem lachendem und einem weinenden Auge aus dem Film zu gehen, was wohl das Konzept hätte sein müssen.
Dafür entläßt die Produktion seinen Zuschauer mit einem flauen Gefühl im Magen und der Frage, ob sich die Produzenten tatsächlich nun auch in diesen Genre lieber um ein möglichst drastisches Szenario bemühen, anstatt eine rührseelige Geschichte zu knüpfen, die ein positives Erlebnis mit dem Kranken ermöglicht, anstatt diesen schlicht auszulaugen und Betroffenen in ihrer Situation möglicherweise noch vor Augen führen, was sie in der bitteren Realität nie bekommen werden. Ein klarer Genickbruch für einen Film, den man ansonsten noch als belanglosen, unteren Durchschnitt hätte akzeptieren können.