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Sinola (1972)

Eine Kritik von Maichklang (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 16.07.2006, seitdem 824 Mal gelesen


John Sturges und Clint Eastwood, beide mit ausreichender Erfahrung im Westerngenre, - da sollte man doch wenigstens einen knackigen „Mann ohne Namen ballert sich zum Recht“ - Film erwarten, doch „Sinola“ enttäuscht in jeder Hinsicht.
Nicht nur, weil Eastwood total unmotiviert erscheint, sondern vor allem aufgrund der lahmarschigen Geschichte, die furchtbar gewöhnlich ist und zudem unspannend erzählt wird.

Da gefallen die ersten 25 Minuten noch ganz gut, wenn Eastwood als Joe Kidd in der Westernstadt Sinola im Knast sitzt, einem Aufseher einen Kochtopf auf die Omme haut und anschließend dem Richter vorgeführt wird (weil er einen Hirsch im Reservat erlegt hat).

Dann stürmen bewaffnete Mexikaner unter der Führung von Luis Chama (John Saxon) das Gerichtsgebäude, um Landansprüche geltend zu machen. Kidd flieht mit dem Richter und kurz darauf erscheint Frank Harlan (Robert Duvall) mit seinem Gefolge, der Schuld an der Misere der Mexikaner ist.
Kurzum: Harlan überzeugt Kidd, gemeinsam mit seinen krummen Typen, Jagd auf den mexikanischen Märtyrer zu machen.

Und von da an geht es rapide bergab. Hat man zunächst noch den Eindruck, einen leicht zynischen Eastwood mit Coolness und Charme (er krallt sich gleich das Betthäschen von Harlan) zu erleben, wechselt dieses Bild mit der Verfolgung des Mexikaners.
Ein paar Männer reiten durch die Einöde, knallen einen Mexikaner ab, nehmen eine Mexikanerin mit und landen in einem Dorf, an dessen Rand sie Chama vermuten.
Alles in einem gemächlichen Erzähltempo mit wenigen Dialogen, einzelnen Schusswechseln und nur zwei körperlichen Auseinandersetzungen, die Clint mit einem Gefährten Harlans führt.

Wie zu erwarten, wechselt Kidd die Seite und will nun die Bösen, samt Oberhaupt Harlan ausschalten, was ebenfalls nicht sonderlich spannend ausfällt. Da gehört eine Szene, in der Kidd von einem Turm aus ein Seil mit Tonkrug an einem Wachmann zerdeppern lässt, schon zu den besseren Momenten.
Und auch wenn er während der letzten Minuten mit einer Dampflok den Saloon entert und den Bösewicht als moralischer Sieger vom Richterstuhl aus kalt macht, - Clint hat mir schon mal besser gefallen. Es fehlt an Dynamik, an spannenden Auseinandersetzungen und auch Humor, der zumindest in den ersten Minuten noch zaghaft eingestreut wurde.

So ist „Sinola“ nichts weiter als ein typischer Westen, der sich so auch in den 50ern hätte abspielen können: Bieder, überraschungsarm und leidlich unterhaltsam.
Eine schwache Inszenierung des Mannes, der kleine Klassiker wie „Der alte Mann und das Meer“ hervorbrachte, aber Sturges war hier wohl nicht so ganz bei der Sache, ebenso wie Eastwood, der zwar nicht enttäuscht, aber vorher und nachher in jedem anderen Western besser spielte.
Kann man sich antun, aber mit jedem anderen Westernfilm Eastwoods ist man besser bedient.
5 von 10 Punkten


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