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Fullmetal Alchemist [TV-Serie] (2003)

Eine Kritik von wongfeihong (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 15.09.2006, seitdem 569 Mal gelesen


"Im Laufe der Jahre sammelst Du immer wieder neue Erinnerungen. Da ist es ganz normal, dass alte Erinnerungen verblassen." - Edward Elric

Bereits im Alter von zehn und elf Jahren sind die beiden Elric-Brüder Alphonse und Edward hochbegabte Alchemisten. Doch nach dem Tode ihrer Mutter verstoßen beide gegen das wichtigste Gesetz ihrer umstrittenen Wissenschaft: Sie versuchen, Trisha Elric wieder zum Leben zu erwecken. Alphonse zahlt dies beinah mit seinem Leben. Doch in letzter Sekunde gelingt es Edward, die Seele seines Bruders zu retten und in eine alte Ritterrüstung zu bannen. Dabei verliert er seinen rechten Arm und sein linkes Bein. Edward, ausgestatten mit künstlichen Metallgliedern, und Alphonse machen sich auf den Weg. Ihr Ziel: der Stein der Weisen, der die Kraft hat, ihnen ihre alten Körper wieder zu geben.



In der jüngeren Vergangenheit hatte wohl keine Anime-Serie solch einen Internet-Hype im Rücken wie Seiji Mizushimas „Full Metal Alchemist“. Was ist also dran an der 51-teiligen Serie, an die sich auch noch der Film „Full Metal Alchemist – The conquer of Shambala“ anschließt? Munter bedient haben sich die Macher bei den erfolgreichsten und beliebtesten Fantasy-Geschichten der Moderne. „Herr der Ringe“, „Escaflowne“, „Harry Potter“. Dazu ein wenig „R.O.D.“ und „Furi Kuri“. Und schon ist er fertig, der Hit für die nächsten Jahre im Anime-Bereich. So Einfach? Wohl kaum.

Zwar bedient sich „Full Metal Alchemist“ in vielen Aspekten an den genannten und an vielen weiteren Motiven. Doch ist „FMA“ nie eine Sammlung von zusammengeklaubten Versatzstücken. Im Gegenteil: Die eigene Geschichte um die Elric-Brüder und ihre große Reise ist es, die diese Serie so herausragend machen Trotz der meist ungemein düsteren Geschichte verfolgt man Al und Ed gebannt bei ihren Abenteuern. Mal heiter, mal melancholisch und in vielen Momenten geradezu schrecklich sind die Erlebnisse der beiden Brüder, deren einziges Ziel es ist, sich gegenseitig wieder zu ihren alten Körpern zu verhelfen.



Nach dem verstörenden Einstieg, der kurz die misslungene Wiederbelebung der Mutter zeigt, begleitet der Zuschauer Al und Ed auf ihrem Weg in die Hauptstadt, wo Ed ein Staats-Alchemist werden will. Als „Hund des Militärs“ erhofft er sich, schneller Hinweise auf den Stein der Weisen zu erhalten. Tatsächlich besteht er die Prüfung und wird als Full-Metal-Alchemist jüngster Staats-Alchemist aller Zeiten.

Viel Humor und sehr viel Action zeichnen die erste Hälfte der ersten Staffel aus. Doch schon in der siebten Folge offenbart „FMA“ sein ganzes bitteres Potential, wenn Ed und Al das entsetzliche Verbrechen ihres Ausbilders Tucker entdecken. Zwar darf auch später immer wieder herzlich gelacht werden. Zum Beispiel, wenn der undurchsichtige Colonel Roy Mustang plötzlich auf seinen Schreibtisch springt und seine Ziele verkündet, wenn er eines Tages Führer der Armee ist. („Alle weiblichen Offiziere werden Mini-Röcke tragen.“) Doch da ist schon längst ist klar, dass der Weg der Elrics vornehmlich von dunklen Kapiteln geprägt sein wird.



Jeder Charakter ist ambivalent dargestellt. Der mysteriöse Scar, der in der Hauptstadt Staats-Alchemisten ermordet, wird von seinem tragischen Schicksal getrieben. Leutnant Maes Hughes nervt so ziemlich jeden mit Geschichten über seine kleine Tochter. Und ist trotzdem ein aufopferungsbereiter Freund der Elrics. Die Tringham-Brüder, die sich als Al und Ed ausgeben, verfolgen nachvollziehbare Ziele. Selbst mit dem Menschen fressenden Homunculus Gluttony kann man an dessen Ende Mitleid empfinden. Doch natürlich sind die beiden Hauptfiguren die tragende Kraft in diesem Epos: Alphonse wirkt bedrohlich in seiner riesigen Rüstung. Doch darin verbirgt sich die Seele eines bedächtigen und gutwilligen 14-Jährigen. Der geniale Edward liebt seinen Bruder, für dessen Schicksal er sich (nicht ganz zu Unrecht) schuldig fühlt. Dabei ist er aber ein hyperaktiver Choleriker, der wenig plant, sich dafür von seinen Intuitionen leiten lässt.


Angenehm altmodisch wirkt „FMA“, kommt praktisch ohne Computer-Animationen aus, ist zeichnerisch aber auf hohem Niveau. Grandios ist der Soundtrack von Michiru Ôshima, der bisher vornehmlich für moderne Godzilla-Filme den Score schrieb. In einer Szene kämpfen Ed und Al, getrennt von einander, gegen die Seelen von ebenfalls in Rüstungen gebannten Soldaten. Während Ed im Kampf dem Gegner seine unerschütterliche Liebe zum „kleinen“ Bruder offenbart, schürt Als Gegenüber Zweifel an Eds Aufrichtigkeit. Und an der Identität von Alphonse. Inmitten der Action sorgt die bewegende Musik für den emotionalen Höhepunkt der zweiten Staffel.


Believe the hype!!! „FMA“ ist großartig! Zweifler sollten sich nicht abschrecken lassen von den eher konventionell anmutenden ersten Folgen, Immer komplexer wird die Handlung, jede Randfigur wird stets wieder aufgegriffen und weiter entwickelt. Zudem wird die Story von Folge zu Folge krasser. Denn irgendwann entdecken die Elrics das schreckliche Geheimnis des Steins der Weisen. Und hier ist endgültig Schluss mit jeglicher „Harry Potter“-Niedlichkeit.


Auf einem Niveau mit „The Vision of Escaflowne“. Vielleicht besser. Auf jeden Fall härter, erwachsener und… länger. Danke!

10/10


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