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Walk the Line (2005)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 27.12.2007, seitdem 790 Mal gelesen


Basierend auf unter anderem Johnny Cashs eigener Autobiographie inszenierte James Mangold „Walk the Line“, benannt nach einem der größten Hits des Man in Black.
Allerdings erzählt „Walk the Line“ nicht die komplette Geschichte, sondern beleuchtet das Leben von Johnny Cash (Joaquin Phoenix) nur bis Ende der 60er, den Rest gibt es kurz in Texttafeln geschildert. Im Zentrum steht vor allem Cashs Liebe zu seiner Sangeskollegin June Carter (Reese Witherspoon), in die er sich bei einer gemeinsamen Tour verliebt…
„Walk the Line“ als Biopic abzustempeln, ist nur die halbe Wahrheit, denn gleichzeitig ist er über weite Strecken ein fast reiner Musikfilm. Viele Songs von Johnny Cash und June Carter werden während des Films in großer Länge performt, übrigens von den Akteuren selbst – und das auf großartige Weise. Beide kommen stimmlich in die Nähe der Originale, singen wirklich fantastisch und zeigen auch bei den Bühnenshows, dass sie viel Rhythmus um Blut haben. Schon allein deswegen ist „Walk the Line“ ein Ansehen für jeden Wert, der etwas mit Cashs Musik anfangen kann.

Jedoch auch die schauspielerischen Leistungen abseits der Bühne sind großartig. Phoenix zeigt mal wieder, dass er einer der besten Nachwuchsschauspieler Hollywoods ist, und Reese Witherspoon behauptet sich erneut als Powerfrau in Hollywood. Doch auch der Supportcast ist großartig, meist weniger bekannte Darsteller, nur Robert Patrick in der Rolle von Cashs gestrengem Vater ist etwas bekannter.
Die Geschichte dagegen tritt etwas in den Hintergrund, erzählt halt vom Aufstieg Cashs, wobei des Zuschauers Kenntnis der Realität schon mal dafür sorgt, dass es nicht so viele Überraschungen gibt. Das bedeutet jedoch nicht, dass „Walk the Line“ langweilig wäre, ganz im Gegenteil: James Mangold versteht es die Geschichte mit einer Laufzeit von über zwei Stunden absolut fesselnd zu erzählen, spickt die Geschichte mit großartigen Musiknummern und inszeniert „Walk the Line“ absolut großartig.

Natürlich muss man sagen, dass „Walk the Line“ (vielleicht aufgrund der von Cash selbst geschriebenen Quelle) sehr vorsichtig mit dem Idol umgeht. Das Vernaschen von Groupies, das Scheitern von Cashs erster Ehe (an dem er selbst Schuld ist) und sein zeitweiliger Absturz durch Medikamentensucht – all das wird gezeigt, doch nie so ausführlich, dass man zur sehr am Bild des Musikers kratzen könne. Sicherlich ein Zeichen von Respekt, jedoch versucht „Walk the Line“ da etwas zu politisch korrekt zu sein.
Zudem wird als Gegengewicht zu Cashs Fehlern immer wieder seine Liebe zu June hochgehalten. Jedoch ist diese mit wirklich viel Herz erzählt und frei von Kitsch, sodass man „Walk the Line“ seine kleinen Verfehlungen gerne nachsieht. Zudem reitet Mangold zum Glück nicht zu sehr auf Cashs Kindheitstraumata (Verlust des Bruders in jungen Jahren, mangelnde Anerkennung durch den Vater) herum, um diese als Entschuldigung für seine Fehler zu zeigen.

So hat „Walk the Line“ seine kleinen Schwächen, ist aber trotzdem ein ungemein fesselndes und extrem gut gespieltes Biopic, das nebenher noch mit jeder Menge großartiger Musikeinlagen aufwarten kann.


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