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Red Wedding Night (1970)

Eine Kritik von (Bewertung des Films: 8 / 10)
eingetragen am 15.06.2008, seitdem 1271 Mal gelesen



Man muß Mario Bavas Filme, die samt und sonders genreübergreifender purer Unterhaltung geschuldet waren, nicht als erzählerische Meisterschaft würdigen, unbestritten ist und bleibt jedoch, daß der Mann in Italien wahre Genialität bewiesen hat, wenn es darum ging, seine Geschichten in ein ausgesprochen individuelles, persönliches und optisch beeindruckendes Licht zu rücken.

Bava machte einige schöne Abstecher in den Horror und für diese Filme ist er den meisten Filmfans am ehesten im Gedächtnis geblieben – eine schöne Chimäre aus Thriller und Horror bleibt dabei „Hatchet for the Honeymoon“, der wesentlich besser funktioniert als der deutsche „Red Wedding Night“.

Die Geschichte beginnt, so scheint es, eher als Serienkillerfall, offenbar werden immer wieder Brautpaare kurz nach dem festlichen Ereignis niedergemetzelt, samt und sonders mittels eines kleinen Beils, das dem Zuschauer dermaßen blank und funkelnd präsentiert wird, das es allein so im Gedächtnis bleibt.
Doch dies ist kein Giallo und der Verursacher dieser Mordtaten wird auch der Erzähler sein, John Harrington, Geschäftsführer eines Pariser Brautmodenhauses. Der gutaussehende John trifft schon ganz gut die medizinische Einschätzung, indem er sich selbst als wahnsinnig einschätzt, seine Taten aber dadurch rechtfertigt, daß ihn jeder Mord in der Erinnerung einem Kindheitstrauma, das mit der Ermordung seiner Mutter endete näher bringt.

Ein paralleler Erzählstrang behandelt den Konflikt mit seiner ihm nicht sonderlich wohlgesonnenen Ehefrau, die auch besitztechnisch die Hosen anhat und alles will, nur sich nicht scheiden lassen.
Wie wir alle wissen, macht sich das nicht gut mit einem Mann, der ein geheimes Kabinett besitzt, in dem jede Menge Schaufensterpuppen in Brautkleidern und ein Sekretär samt Beil herumstehen und so muß auch sie unters Messer, hat jedoch als von Seancen begeisterte Okkultinteressierte kurz darauf für den übernatürlichen Aspekt der Story zu sorgen, indem sie aus dem Totenreich wiederkehrt und von jedem gesehen werden kann – nur eben von John nicht, was natürlich beim Fremdgehen und bei Mordtaten stört.

Eine gewisse Vorhersehbarkeit kann man der relativ sparsamen Storyline (gerade in Bezug auf das Kindheitstrauma) nicht wegattestieren, jedoch zeigt sich der Meister in visuell absoluter Höchstform. Was immer Michael Mittermeier den Edgar Wallace-Filmen an Psychojazz unterstellt hat, pustet dieser Film locker binnen fünf Minuten in den Orkus, das ist akuter und atmosphärischer Horror für das ganze Trommelfell, ohne auf die Nerven zu gehen. Die Kamera gewinnt jedoch deutlich nach Punkten, denn Bava taucht den Film in erlesene Bilder mit geradezu betäubender Farbkraft, intensive blaue Nächte wechseln sich ab mit scharf umrissenen Außenaufnahmen und abgestimmten Kontrasten wie etwa die Natürlichkeit üppiger Gärten mit dem Weiß der vielen Brautkleider.

Auch das Innere der Räume, speziell eben Harringtons weiträumiges, altehrwürdiges und mit großen Hallen, Freitreppen und stuckübersäten Räumen, ist mehr als atemberaubend in Szene gesetzt. Düsternis und eine gewisse Unwirklichkeit des Geschehens bestimmen die meisten Sequenzen, das Mannequinkabinett mit den Brautkleider ist Horror pur, leblose und erstarrte Figuren in der Zeit gefroren.
Bei den Tricks genügen bisweilen einfache Mittel, um den größtmöglichen Effekt zu erzeugen, simple Blurreffekte beim Erscheinen der gespenstischen Holden wirken einfach besser als moderne Trickeffekte und allein die Gegensätze von ausdrucksstarken Augenpaaren oder Nahaufnahmen in Kombination mit der düsteren Tiefe des Raums und dem fein abgestimmten Arrangement der Farben Rot und Blau (Argento lieh sich das Prinzip später meisterhaft aus) erzielen ein Maximum an Wirkung. Unterstützt wird das alles durch eine hie und da delirisch-hallzunatorische Kameraführung, die den Wahnsinn durchaus gut in Szene zu setzen weiß.

Da fällt es nicht so stark ins Gewicht, daß die Dialoge manchmal etwas gestelzt wirken und die verstreuten Auftritte von Inspektor Russell, einem Vorläufer von Columbo wie man meinen könnte, irgendwie nicht zur sonst so morbiden Atmosphäre passen.

Hervorzuheben sind im Besonderen alle Mordsequenzen (die mit wenig Blut auskommen und nichts explizit zeigen müssen), vor allem die an Harringtons Frau und die suspensegeladene Szene im Anschluß, als er den Polizisten samt Ehemann eines weiteren Opfers abwimmeln muß, während Blut von der Leiche seiner Frau über die Freitreppe auf den Teppich tropft.
Auch das erste Erscheinen des Geistes, gesehen durch die Augen einer Hausangestellten, ist ein ebenso simpler wie effektiver Schockeffekt.

Ein wenig Geduld muß man im Laufe des Films schon mitbringen, denn bisweilen geht das Bemühen um Wirkung etwas sehr in die Breite, doch das Gesamterlebnis ist optisch so bestechend, das man „Hatchet“ durchaus als Vorlage für so manchen späteren Giallo als Maß nehmen kann.
Eine mehr als positive Überraschung im Gesamtwerk Bavas, die zeigt, wie man aus wenig viel machen und dem Publikum Horror und Wahnsinn relativ nahe bringen kann. (8/10)


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