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Fog - Nebel des Grauens, The (2005)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 4/10)
eingetragen am 01.09.2006, seitdem 1024 Mal gelesen


Warum muss ausgerechnet ich jetzt derjenige sein, der für „The Fog“ ein ganz klein wenig Partei ergreifen muss?
John Carpenters legendären Klassiker halte ich persönlich für einen der besten Gruselfilme aller Zeiten mit dem es sich wie mit einem gut abgehangenen Schinken verhält. Mit jedem Jahr wird er besser und je älter das Original wird, desto mehr schätze ich es. Da spielen Nostalgie und altmodischer Charme natürlich eine sehr subjektive Rolle, aber zum gepflegten Gruseln gibt es kaum eine Alternative dieses Niveaus.
Nun entwickelt sich John Carpenters Karriere seit Anfang der Neunziger mit wenigen Aufs und zu vielen Abs nicht gerade positiv, was ihn nach dem enttäuschenden „Ghosts of Mars“ wohl auch resigniert vom Regiestuhl Abstand nehmen ließ. Als Produzent kaspert er nun Sequels und Remakes seiner Filme zurecht. Das tut seinem ehemals guten Ruf als Kultregisseur oder Master of Terror gewiss nicht gut und enttäuscht auch seine Fans, spült ihm aber genügend Knete in die Tasche, um es sich als Rentner gut gehen zu lassen.

Das Remake fällt dann auch genau so aus, wie man einen modernen Horrorfilm erwartet. Die grundsätzliche Prämisse in Antonio Bay wurde zwar noch übernommen, aber die Charaktere werden anders angelegt und der Film ist komplett auf ein junges Publikum zu geschnitten. Jede Art von Subtilität wird vermieden, dafür werden knackige Effekte aus dem Rechenknecht hineinprogrammiert und die Originalstory von Autor Cooper Layne („The Core“) gleich soweit verschlimmbessert, dass zum überaus lächerlichen Schluss nicht mehr viel zusammenpasst.

Grob kennt man die Geschichte also nun, sofern man Original bisher nicht verpasst hat, was einem Frevel gleichen würde. Vor 100 Jahren soff vor Antonio Bay ein Schiff mit Leprakranken in einer nebeligen Nacht ab. Die wollen nun Rache üben und kehren deswegen untot in einem dichten Nebel zurück, um Remmidemmi zu machen.

Doch gemach, gemach! Denn Rupert Wainwright („Blank Check”, „Stigmata”), ohnehin bis dato nicht unbedingt ein Ausgeburt an Talent, versaut das Fehlkonzept, wie es sich gehört und verfrachtet eine Horde Teens nach Antonio Bay, die von nun auf den wabernden Nebel aufmerksam werden, sterben, kreischen und manchmal auch überleben.
Nick („Smallville“ – Star Tom Welling) vögelt dort eigentlich mit der Radio moderierenden Leuchtturmwärterin Stevie (Selma Blair, „Cruel Intentions“, „Helboy“), gabelt aber nachts spontan eine Anhalterin auf, die sich als seine nach Monaten der Abwesenheit heimkehrende Freundin Elizabeth („Lost“ – Star Maggie Grace) entpuppt, was ihn aber kaum in die Bredouille bringt, weil der Nebel bald kommt. Das weiß auch sein schwarzer Kumpel (angelegt als das typische Horrorklischee), dessen Name mir gerade entfallen ist, der aber zusammen mit zwei Partychicken rausschippert und plötzlich ganz benebelt ist, bis die Leichen purzeln und die Technik Kurzschlüsse produziert.

Das ermüdende Prozedere bis zum Finale hält sich allerdings soweit wacker, auch wenn ich mich mit dem klinischen CGI-Nebel und den darin befindlichen Spukgespenstern nur schwer anfreunden kann. Mysteriöse Funde am Strand, der nervöse Priester an der Flasche und blutrünstige Morde nebst unappetitlichen Kadavern in gänzlich überflüssiger Effektverspieltheit (der Wetterfrosch ist so ein schönes Beispiel) addieren sich zu einem Sammelsurium von Einzelszenen, in denen meist ungeschickt Hinweise auf die Wahrheit gestreut werden, hinter die ausgerechnet Nick und seine Elizabeth kommen wollen.

Das redliche Bemühen um mehr Erklärungen, die sich Carpenter seinerzeit sparte, weil er, genau wie eigentlich jeder gute Horrorregisseur, weiß, im Sinne der Effektivität der Prämisse man lieber ein paar Fragen offen lassen sollte, um das Geschehen nicht auszubremsen, führt „The Fog“ dann endgültig in die tiefsten Abgründe neuartiger Remakes, weil sich hier nicht nur ein ganz dicker Logikpatzer (Der Nebel als Ursache hat sich damit nämlich erledigt!) einschleicht, sondern das Ende auf dem Friedhof nach der Kirchenszene einen Kreis schließen möchte, der so nie vorgesehen war und in welchem Zustand auch immer Layne ohne Sinn aus seinen Gehirnwindungen geflossen sein muss.

Immerhin tummelt sich in Antonio Bay genug Alt- und Frischfleisch, das den Bodycount höher als im Original schraubt. Die Stadtväter und Alteingesessenen als wissende Unsympathen und das Jungvolk als rettende und flüchtende Kreischorgane mit genug Mumm in den Knochen halten die ansonsten öde Angelegenheit mit knappen Fluchtsituationen am Laufen. Charakter hat von denen allerdings niemand und deshalb fiebert man dem sauberen Metzelfest zum Schluss auch nicht großartig entgegen.

Überflüssige Actioneinlagen, wie das Beinahe-Kentern des Kutters zu Beginn oder der völlig lächerliche Autounfall Stevies, die erst frontal von einem LKW gerammt wird, die hohe Klippe hinab ins Meer rasselt, dort auf den Boden sinkt und dann tatsächlich noch den Ausstieg vor den grabbelnden Wassergeistern schafft, lassen eher lauthals glucksen als panisch erschrecken, so überzogen und plakativ werkelt Rupert Wainwright sich seinen Nonsens zurecht, während er verzweifelt nach Auswegen sucht, um die Abwesenheit fesselnder Atmosphäre zu kompensieren.

Der Rest der Geschichte erweist sich als ein wenig Füllmaterial, obwohl der Film mit 95 Minuten ohnehin nicht zu lang ist. Nach den ersten entstellten Leichen wird nach einem Mörder gefahndet und der Verdacht fällt natürlich auf Nicks Kumpel, der wohlwissende Pater ergibt sich in kryptischen Andeutungen, der Nebel (mit ätzenden Eigenschaften!) kommt und geht auch wieder und ein alter Schatzsucher am Strand wird in einer überraschend gelungenen Sequenz in einem Tau verheddert, das ihn schließlich in die Fluten hinabzieht. Na gut, der Arm aus dem Abfluss war auch noch eine nette Idee, wenn auch zu offensichtlich.


Fazit:
Ein unauffällige Cast von Nachwuchsdarstellern flüchtet vor dem tödlichen CGI-Nebel, ohne dass Spannung und Grusel regieren. Die Effektschau ist ganz passabel, wenn auch unnötig und günstig dazu, was dem Film letztlich auch einen kommerziellen Gewinn bescherte, weil man ihn mit PG-13 ins Kino entließ und erst später R-Rated auf DVD veröffentlichte. Die offensichtlichen Unterschiede bemerkt man auch fix.
In Abwesenheit von Atmosphäre glänzt das Remake sonst nur mit schnöden CGI-Gimmicks, die seelenlos hineingeklatscht werden und in ihrer Sterilität nie die unheimlich wabernden Kollegen des Originals ersetzen können, und Storyergänzungen, die wirklich niemand braucht und ebenfalls den Zweck erfüllen etwas mehr Gewalt unterzubringen. Überflüssige Actioneinlagen und eine gelinde ausgedrückt uninspirierte Regie geben „The Fog“ am Ende zwar nicht den Rest, machen ihn aber zu einer herben Enttäuschung.


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